Pfaffenhofen: „Das ist geschäftsschädigend“
Öffnet im Mai wieder ihre Praxis: Hausärztin Ursula Anger aus Gerolsbach ist verärgert über das Vorgehen des bayerischen Hausärzteverbandes während ihrer Krankheitsphase.
Brenner
Gerolsbach

Anger arbeitet seit 19 Jahren als Hausärztin in Gerolsbach. Wegen einer schweren Erkrankung musste sie ihre Praxis im August vergangenen Jahres vorübergehend schließen. "Viele würden sicher gern wiederkommen, wenn ich im Mai meine Praxis eröffne." Doch manche dürften sich inzwischen einen anderen Hausarzt gesucht haben, nachdem sie der Ansicht sind, dass Anger nicht mehr zurückkommt - ein Gerücht, das Anger auf ein Schreiben zurückführt, das einige Krankenkassen im November an ihre Patienten verschickt haben.

Dabei geht es um die hausarztzentrierte Versorgung. "Da ihr Arzt Frau Anger die Teilnahme am Hausarztvertrag beendet, endet auch Ihre Teilnahme", informierte die Audi BKK beispielsweise Patienten von Anger. "Für mich ist das so rübergekommen, dass sie jetzt doch ganz aufhört", sagt eine Patientin. "Schließlich kündigt man ja nicht den Hausärztevertrag, wenn man weitermachen will, dachte ich." Das habe sich natürlich schnell herumgesprochen. Erst als sie einige Zeit später Anger persönlich traf, stellte sich heraus, dass diese eben doch wieder im Mai ihre Praxis öffne. Die Gerüchte waren da längst im Umlauf - für Anger unangenehm sowohl in privater als auch in beruflicher Hinsicht.

Wie das passieren konnte, war für sie anfangs unerklärlich. Als die Hausärztin wusste, dass sie wegen ihrer Erkrankung erst einmal würde aufhören müssen, beantragte sie bei der Kassenärztlichen Vereinigung, ihre Praxis ruhen zu lassen. Keineswegs habe sie damit gerechnet, dass damit ihre Teilnahme am Hausarztvertrag endet, sagt sie. Doch Mitte Oktober schrieb die hausärztliche Vertragsgemeinschaft, dass sie ihre Teilnahme am Vertrag zum 31. Dezember 2016 beende. Das gehöre zu den Teilnahmebedingungen des Hausärztevertrags, erklärt Sprecherin Ruth Sharp vom Bayerischen Hausärzteverband. Ende des Jahres sprachen die ersten Patienten Anger dann plötzlich darauf an, wie schade es sei, dass sie nun nach ihrer Erkrankung gar nicht mehr weiter mache.

Als die Ärztin das Schreiben der Audi BKK sah, wurde ihr klar, wie das Gerücht entstanden sein konnte, so Anger. "Das ist geschäftsschädigendes Verhalten", sagt sie. Denn es sei schließlich eine Tatsache, dass nicht sie selbst den Vertrag gekündigt habe, sondern dieser ihr gekündigt wurde. Anfang Januar wandte Anger sich deshalb auch an den Bayerischen Hausärzteverband - zum zweiten Mal, nachdem sie im November schon keine Antwort erhalten habe. In dem Schreiben bittet sie um juristischen Beistand, da sie überlege, gegen die Krankenkassen vorzugehen, wegen deren Formulierung sich das Gerücht ihrer Praxisaufgabe verbreitet habe. "In Gerolsbach kennt jeder jeden, da verbreiten sich Gerüchte schnell", sagt die Medizinerin. Sie könne jeden verstehen, der sich dann dauerhaft nach einem neuen Hausarzt umschaue. Für viel Geld habe sie inzwischen Anzeigen geschaltet, in denen sie ihre Patienten über die Wiedereröffnung im Mai informierte.

Die Audi BKK weist die Schuld von sich. Der Bayerische Hausärzteverband habe ihnen gemeldet, dass Anger den Hausärztevertrag gekündigt habe, daher auch die Formulierung an die 38 bei ihnen versicherten Patienten, so Pressesprecher Philipp Drinkut. Die Kassen seien verpflichtet, die Information weiterzugeben. Auf die Frage, wie genau die Info an die Kassen weitergegeben wurde, antwortet der Hausärzteverband eher bürokratisch: Diese sei "im Rahmen eines regelhaften technischen Prozesses" geschehen, so Sharp.

Erst Mitte Februar habe sie auf ihre Beschwerde hin eine schriftliche Antwort erhalten, so die Gerolsbacher Hausärztin. Der Mitarbeiter spricht darin von einer "Verkettung fehlgeschlagener Kontaktversuche".

Anger hofft nun, dass viele ihrer Patienten trotz der Missverständnisse im Mai zu ihr zurückkehren werden. "Ich freue mich schon auf meine Arbeit."