Geisenfeld: Ohne Spende kein Entkommen
Selbst Stadtpfarrer Stummer (rechts) wurde von Florian Erdle (dahinter) so lange "gefangengehalten", bis er das Schweinderl zugunsten der neuen Orgel gefüttert hatte. - Foto: Zurek
Geisenfeld

Zunächst genossen die Besucher am Sonntag einen gemütlichen Ratsch bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen, serviert vom Pfarrgemeinderats-Team. Und das in völliger Freiheit - bis besagter Kabarettist, im wahren Leben Stadtjurist in Pfaffenhofen, die Szene betrat. Vom Vorsitzenden des Orgelausschusses, Wolfgang Koch, als Mann mit "scharfer Zunge" angekündigt, hielt dieser die Gäste gefangen. Und das nicht nur ob seines humorigen Vortrags, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Erdle weiß, wie man "aus einer armen Kirchenmaus eine reiche Orgelmaus" macht: Man muss die potenziellen Spender einsperren und sie erst rauslassen, wenn sie das bereitstehende Schweinderl gefüttert haben.

Raus hätte ohnehin fast keiner wollen, weil Erdle im Akkord Hintersinniges, Witziges und Freches zum Besten gab. Aber der studierte Rechtsverdreher ist eben nicht gerade zimperlich, wenn er jemanden konkret im Visier hat, und so hätte vielleicht das eine oder andere "Opfer" gerne die Flucht ergriffen. Doch Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht - wie der wegen seiner kritischen Haltung zum Biber derbleckte Bürgermeister Christian Staudter bewies.

Seine kabarettistischen Streifzüge führten Erdle vorbei an regionalen Skandalen und Korruptionsaffären in die Niederungen der Kreispolitik und der "Kulturdiaspora" Pfaffenhofen mit einer Ilmtalklinik, die ihre "größten Heilerfolge beim letzten Ärztestreik" verzeichnete. Über kleine Sticheleien gegen die Organisatoren des Tages und lokale Politiker kam er immer wieder auf den eigentlichen Grund seines Auftrittes zurück: die Anschaffung einer neuen Orgel. "Ein großes Ding", für das er einige kostengünstige Alternativen anzubieten hatte. Kirchenmusiker Jörg Duda als "999-Dreiviertel-Sassa" mit der Gabe, jedem Instrument ein Werk auf den Leib zu komponieren, könne es doch mal mit "drei Xylofonen und einer Blockflöte" probieren, so Erdles Vorschlag. Oder mit einem Harmonium. Da zückten die Besucher dann doch lieber das Portemonnaie, um den Spendentopf schnell zu füllen.