Footsteps, Caroline Jung, Reichertshofen.
Caroline Jung (Caroline Jung)
Reichertshofen

„Wo immer wir auch gehen, ein Teil von uns bleibt an dem Ort, wo wir die ersten Schritte gelaufen sind“, sagt Caroline Jung, Reichertshofener Mosaikkünstlerin und treibende Kraft dieses Projekts. Was im vergangenen Jahr in Spanien als Idee entstanden war und ausgearbeitet wurde, ist am vergangenen Samstag als Projekt an der Schule fertiggestellt worden.

Jung erläutert: „An der linken Mauer finden sich kleine Spuren, die ersten Schritte in die Schule. An der rechten Mauer sind es große Spuren, die mit festen Schritten hinaus ins Leben laufen.“ Es gibt auch Spuren, die zurücklaufen: „Vielleicht durch einen Schulwechsel oder Rückschläge, die man immer mal hinnehmen muss.“

Das Projekt wurde von Mosaikkünstlern aus dem In- und Ausland unterstützt, es sind auch Fußspuren aus 13 Nationen zu sehen. Die erste Spur kam von Dalia Thal aus Israel, den letzten Fuß holte Jung am vergangenen Donnerstag vom Zollamt Ingolstadt ab – er kam aus New York.

Die weiteste Reise hatte ein Paket, an dem sechs Mosaikkünstler aus Australien beteiligt waren. Das größte Paket kam von Viviane Wolff aus Frankreich, die mit ihren Schülern 36 Fußspuren in allen Größen legte. Eine Familie aus dem amerikanischen Arkansas unternahm eine Europareise und machte Stopp in Reichertshofen, um ihren „Fuß“ persönlich abzugeben. Der Mann ist hauptberuflicher Feuerwehrmann, seine Frau hat das Emblem der dortigen Feuerwehr in der Spur mit eingearbeitet.

Es sind Füße aus Holland, aus den Niederlanden, aus Italien, England, Irland, Schottland, Österreich, aus der Schweiz, aus Spanien und viele aus Deutschland dabei. Einige Mitglieder der Deutschen Organisation für Mosaikkunst haben Jung ebenfalls unterstützt.

In den Ferien kamen einige Kinder aus Reichertshofen zu Jung nach Hause und legten dort ihre Spuren. Einer von ihnen war Julian Ottinger, der am vergangenen Samstag früh als Erster zur Stelle war, um seinen Fuß anzubringen. Ein paar Reichertshofener legten auch ihre Spuren.

Footsteps Reichertshofen, Künstlerin Caroline Jung (vorne, 3. v. r.)
Caroline Jung (Caroline Jung)
Reichertshofen

Wenn man überlegt, Füße zu legen, denkt man wohl selten darüber nach, in welcher Vielfalt Mosaikkünstler denken und ihre Kunst umsetzen können. Es sind Fußballfüße dabei, das Mont-Blanc-Massiv, eine Strandlandschaft, Ampelmännchen, „Das Kind im Mensch“ (wenn Füße ineinander gehen), Fische aus Florida, Chiquita-Bananen, die Insel Santorin auf Riesenfüßen, eine Fledermaus, Flipflops, Deutschlandfüße, Zebras, Kühe aus den Alpen, ein Edelweis, Feuer/ Wasser/Erde/ Luft, die Schweizer Fahne, Flusskiesel vom Rhein, angeschwemmte Scherben und Glassteine von der Küste Englands, die alte Byzantik-Technik aus Rom, Italien, deutsch-italienische Liebe auf zwei Füßen, ein Astronaut, Kakerlaken aus Frankreich, nachtleuchtende Steine, Blumen, Spiralen aus Ravenna, zwei Bäume aus Arezzo. Insgesamt waren rund 150 Personen beteiligt. Jung: „Mein Wunschziel waren 300 Footsteps. Nun sind es 333 geworden.“

Jungs Helferinnen, darunter professionelle Mosaikkünstler aus Karlsruhe (Gerda Schindler), Stuttgart (Frauke Löffler) und Erlangen (Bettina Schubert) kamen extra nach Reichertshofen, um den ganzen Tag beim Anbringen zu helfen. Viele angehende Mosaikkünstler waren dabei, zum Beispiel Sylvia Kaczynski (Altmanstein), Beate Noe (Ingolstadt), Brigitte Schmalhofer (Leiterin der Innenstadtfreunde Ingolstadt), Monika Nagl, Margarete Schaupp (beide Indersdorf) und Gabi Bayer (Reichertshofen). Auch über die Deutsche Organisation für Mosaikkunst gab es eine Projektförderung.

Jung war begeistert: „In der Kunst sind alle gleich und es war superschön zu sehen, wie alle an den zwei Wänden Hand in Hand zusammengearbeitet und sich auch Gedanken über die Anordnung der Füße gemacht haben.“ Jung war mit ihrem Mann um 6.30 Uhr an der Schule: „Wir haben die Zelte und das gesamte Equipment aufgebaut, um einen passenden Rahmen für das öffentliche Mosaikevent zu schaffen.“ Bürgermeister Michael Franken und der Gemeinderat hatten sich bereiterklärt, das Grillen und die Getränke zu sponsern.

„Gegen 16 Uhr kam der erlösende Schrei“, sagt Jung. „Wir hatten es geschafft.“ Am Ende wurden dann noch viele Erinnerungsfotos gemacht.