Gerhard Mann (Foto), der schon viele Jahre in Moldavien lebt, lädt in seiner alten Heimat immer mal wieder zu Vorträgen ein - diesmal zum mittlerweile fünften Mal. Die Zuhörer begleiteten ihn gerne visuell auf seiner Reise unter anderem zu den alten Städten Khiva, Bukhoro und Samarkand entlang der Seidenstraße bis in die raue Bergwelt Kirgisistans.

Über zwei Monate war er diesmal unterwegs - vorwiegend mit Bus und Bahn, teils mit Jeep, Taxi und Flugzeug. Etwa 8000 Kilometer legte er dabei zurück: "Das war schön, ich hatte Zeit, konnte mich etwas ausruhen, genau mein Wetter", erzählte Mann. Gestartet ist er von Bischkek aus, der Hauptstadt Kirgisistans, kam nach Astana, Taschkent und Osch, das nahe der Grenze zu Usbekistan liegt: "Eine kleine Rundreise" nennt er das. "Es gibt außer den Städten nicht viel zu sehen, aber die sind phänomenal" - was seine beim Vortrag gezeigten Bilder auch bewiesen.

Doch den Städten fehle es an Leben, so Mann: So sei Duschanbe, die Hauptstadt von Tadschikistan, eine sehr schöne Stadt, aber es sei dort nichts los. Die Leute seien sehr nett und gastfreundlich. Gerhard Mann spricht Russisch, kann sich somit dort sehr gut verständigen: "Mit Englisch kommt man nicht weit."

Auch Kasachstan hat Mann besucht. "Dieses riesige Land hat nichts, außer den Aralsee - und der verschwindet auch langsam", erzählt der Weltenbummler. Hinter der Millionenstadt Almaty erheben sich die Berge. "Wobei die in Kirgisistan schöner sind."

Auf der 26-stündigen Zugfahrt nach Taschkent wäre der Weltenbummler fast verkuppelt worden: "Das passierte mir sogar öfters", scherzt er. Kein Wunder, erzählt er doch, dass er immer mit den Taschen voller Geld unterwegs war: "Man bekam viele Scheine für einen Euro." Als sensationell sind ihm die dortigen U-Bahn-Stationen in Erinnerung geblieben, die offizielle Militärgebäude sind und nicht fotografiert werden dürfen.

Wieder zurück in Bischkek ging es für Mann mit dem Jeep und zusammen mit einer Bekannten in die Berge. Diese sind zwar nicht so hoch wie in Nepal - dafür aber ohne Massentourismus. In den Jutezelten schlief er hervorragend, probierte den Kumus, der aus Pferdemilch gemacht wird. "Das war das Grässlichste, was ich je getrunken habe", erinnert sich der Rohrbacher mit Schaudern. Und das Nationalgericht ist Pferdegulasch: "Auch das traf nicht ganz meinen Geschmack." Aber was ihm sehr gut gefiel: "Da gibt es keine Uhr. Zeit ist relativ. Wenn's dunkel wird, dann geht man ins Bett." Die Landschaft erinnert an die Alpen, man fühle sich wie zu Hause.

Die letzte Reisestation war Tadschikistan und Gerhard Mann erzählt, dass dort viele Bewohner noch Analphabeten sind: "Es geht ihnen nicht schlecht, sie haben alles, sie wohnen in Zelten. Wenn es ihnen nicht mehr gefällt, ziehen sie einfach weiter."

Auch Gerhard Mann zog weiter, und zwar wieder zurück nach Moldavien, wo er Englischunterricht gibt und durch Spendengelder die dortige Armut zu lindern versucht.