Eschelbach: Die Gegner machen mobil
Gestörter Dorffrieden: Tierschützer haben einen ihrer Zylinder mit der Aufschrift „Antibiotika-Freudenhaus“ in Anspielung auf die im 300-Seelenort betriebene Hähnchenmast auf die Hutablage im Dorfheim gelegt – genau unter die Eschelbacher Ehrentafel. Ein symbolhafter Gegensatz - Foto: Trouboukis
Eschelbach
Für die Familie Höckmeier aus Eschelbach ist das ganz normal. Seit über 50 Jahren schon betreibt sie Hähnchenmast – weil mittlerweile auch weibliche Tiere gemästet werden, ist mittlerweile auch der Begriff „Hühnchenmast“ gebräuchlich. Begonnen hat alles auf dem Hof mitten im Dorf, hinter dem beschaulichen Kloster. Nach und nach wurde der Betrieb erweitert und modernisiert, 1987 wurde ein erster Stall in Richtung Kemnathen, also hin zur Autobahn, ausgelagert, vor elf Jahren wurde dann ein für damalige Verhältnisse hochmoderner Mastbetrieb ebenfalls dorthin gebaut.

 

144 600 Masthähnchen

55 000 Masthähnchen hat der Betrieb im 300-Seelen-Dorf zur Zeit, wenn die Zukunftspläne genehmigt werden, dann sollen bis zum kommenden Jahr zwei neue Ställe gebaut und die Geflügelmast auf – laut Planunterlagen – 144 600 Masthähnchen ausgedehnt werden. In einer amtlichen Bekanntmachung hat das Landratsamt Pfaffenhofen nun mitgeteilt, dass diese Neubau- und Sanierungspläne von Josef und Renate Höckmeier noch bis zum 20. Juli öffentlich ausliegen und somit sowohl im Landratsamt Pfaffenhofen auch als im Wolnzacher Rathaus von jedermann eingesehen werden können (siehe nebenstehende Meldung). Das Genehmigungsverfahren läuft über das Bundesimmissionsschutzgesetz und deshalb über das Landratsamt und nicht über den Markt Wolnzach.

Tierschützer, Bund Naturschutz und auch die Bevölkerung haben auf die öffentliche Bekanntmachung der Höckmeierschen Ausbaupläne sofort reagiert. „Wir haben doch kein Recht, mit unseren Mitgeschöpfen, den Tieren, so umzugehen“, sagt beispielsweise die BN-Kreisgeschäftsführerin, Christine Janicher-Buska. Zusammen mit engagierten Mitstreitern hatte sie bereits im März eine Informationsveranstaltung im Eschelbacher Dorfheim organisiert, heute will sie die Bevölkerung am Wolnzacher Rathausplatz darüber informieren, was in Eschelbach geplant ist: Mit Transparenten will sie die Menschen wach rütteln und ihnen klarmachen, dass auch dann, „wenn die sehr unzureichenden gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden“, hier ein „grausames Spiel mit Lebewesen“ getrieben würde. Auf dem Informationsstand der BN-Ortsgruppe Wolnzach-Rohrbach sollen heute zudem Unterschriftenlisten ausliegen, auf denen sich Bürgerinnen und Bürger gegen diese Art der Tierhaltung in Eschelbach eintragen können. Der Stand öffnet um 14 Uhr am Rathausplatz.

Auch aus der Eschelbacher Dorfbevölkerung regt sich Widerstand gegen die Ausbaupläne der Familie Höckmeier: „Seit Jahren leiden wir Anwohner an der Zufahrtsstraße zu den beiden Hühnerställen und zur Biogasanlage (sie wird auch von der Familie Höckmeier betrieben, d. Red.) unter den teils unerträglichen Geruchsbelästigungen, zu hoher Schadstoffbelastung und dem ständig zunehmenden Schwerlastverkehr mit Lärm, Abgasen und Staub“, sagen zum Beispiel die beiden Eschelbacherinnen Rosemarie Kaindl und Susanne Russwurm. Die Biogasanlage sei „in Salamitaktik“ erweitert worden, nun soll auch die Masthähnchenzahl verdreifacht werden. „Das führt zu einer erneuten Mehrbelastung von uns Anwohnern, ganz abgesehen vom Wertverlust unserer Häuser“, so ihre Kritik.

Der Behördenapparat funktioniere ganz im Sinne des Betreibers, mutmaßen diese Eschelbacherinnen – während sich die Betreiberfamilie auf die geltenden Vorschriften beruft: Geplant seien hochmoderne Mastställe, in denen alle Vorgaben eingehalten würden. „Wir haben nichts zu verbergen“, sagt Josef Höckmeier junior. „Wir werden ständig überprüft – und bei uns hat es noch niemals irgendeine Beanstandung gegeben.“

 

Öffentlicher Termin

Nun liegen die neuen Pläne öffentlich zur Einsicht aus. Etwaige Einwendungen können in dieser Zeit und auch noch während der Einwendungsfrist vom 21. Juli bis zum 6. August mit Angabe von Name und Anschrift erhoben werden.

Der Bund Naturschutz hat derweil bereits angekündigt, die Pläne sehr genau in Augenschein zu nehmen. „Gegebenenfalls“, so Janicher-Buska, „werden wir auch einen Anwalt einschalten.“