Bei der Vernissage von Manfred Habl im Finanzamt (v.l.n.r.): Stellvertretender Landrat Franz Rothmeier, der Leiter des Finanzamts Josef Lang, Heike Habl, der Künstler Manfred Habl, Stadtrat Reinhard Haiplik, 2. Bürgermeister Albert Gürtner, 1. Bürgermeister Thomas Herker, stellvertretender Amtsleiter und Ausstellungsinitiator Franz Peter. - Foto: Mayr
In seiner Eröffnungsrede bei der Vernissage im Pfaffenhofener Finanzamt plauderte Kulturreferent Reinhard Haiplik humorvoll über die ersten Begegnungen mit Manfred Habl, Anfang der 70er Jahre. Habl verstehe es auf angenehme Weise zu provozieren, seine Aktionen hätten Pfaffenhofen nicht geschadet, sondern mit Anregungen weitergeholfen, so Reinhard Haiplik.

Doch diesmal agiert Manfred Habl nicht als "angenehmer, sympathischer Provokateur". Er kehrt sein Innerstes nach außen, gewährt Einblick in seine Vergangenheit und schreibt seine Biografie mit Farben. Dabei datiert er die Startmarke auf das Jahr 1984 zurück und setzt streng chronologisch seine Meilensteine bis zur Gegenwart. Wie die Stufen einer Wendeltreppe scheinen sich die Ebenen seiner persönlichen Entwicklung nach oben zu schrauben.

Nicht umsonst wird der Besucher mit aufgerissenen Kabelsträngen, entstellten Masken und abstrakter Kunst empfangen. Diese Installation und die Titel "Kopfschmerz", "Seele", "Sturm" oder "Wut", kennzeichnen eine tiefe Lebenskrise mit Selbstmordversuch und doch gleichzeitig einen Neubeginn im Leben des Künstlers. Was anfangs noch als unstrukturiert und wirr erscheint bekommt Ordnung. Die eindeutige Sprache der Geometrie begleitet ihn durch sein neues Leben. Habl setzt Rechteck an Rechteck, lässt Schlingleitern aufsteigen. So entstehen Seidenbilder wie "Brücke" oder "Schlangenfrau". Ihre Titel mögen unterschiedlich sein, doch ein Charakteristikum vereint sie alle, ihr Streben nach oben als Symbol einer klaren Zielsetzung.

Seine jüngsten Arbeiten, eine Acryl-Serie, die im alten Bundeswehrbunker in Pfaffenhofen entstanden ist, markieren eine neue Ära. Nur mit dem Nötigsten ausgestattet verbrachte Manfred Habl mehrere Tage bei einer Temperatur von neun Grad unter der Erde. Und er begann zu malen. Zuerst nur monochrom, weiße Acrylfarbe auf grauer Plastikplatte, langsam mischten sich kräftige Töne dazwischen.

Mit "Tabula Rasa" dagegen scheint Manfred Habl einen allerletzten Schlussstrich unter seine Vergangenheit zu ziehen. Zwei weiß grundierte Leinwände ohne weiteren Farbauftrag geben Aufschluss über den Zustand seiner Seele, mit der Künstler und Lebenskünstler Manfred Habl nun im Reinen lebt. In dieser Ausstellung zeigt Habl nur etwa ein Drittel seiner Arbeiten. Dazu verbrachte er über eine Woche im Finanzamt, um die richtige Auswahl seiner Bilder zu treffen. Denn es ist ihm wichtig, wie der Künstler selber betont, dass sich die Menschen, die in diesem Gebäude arbeiten, mit der gezeigten Kunst wohl fühlen.

Den musikalischen Rahmen übernahm Josef Glas aus Reichertshausen. Er beschäftigt sich mit dem Didgeridoo, Phonophorese und Shiatsu. Die Ausstellung ist noch bis 30. Juni von Montag bis Mittwoch von 7.30 bis 14. 30 Uhr, Donnerstag von 7.30 bis 17.30 Uhr und Freitag von 7.30 bis 12.30 Uhr geöffnet.