Das: "Eine pauschale Lösung gibt es nicht"
Nicht jede Kommune ist gleich, ganz individuell müsse man auf die Anforderungen des Wohnungsmarktes reagieren, meint Bürgermeister Jens Machold. - Foto: WZ-Archiv/Trouboukis
Pfaffenhofen

Im ersten Teil unserer Serie rund um das Thema Wohnen im Landkreis hat Roman Dienersberger von der Regierung von Oberbayern gesagt, ein Mietspiegel könne nur eine Notlösung sein. Wie stehen Sie dazu?

Jens Machold: In Wolnzach wenden wir keinen Mietspiegel an. Wenn, dann müsste das ja ein Instrument sein, das speziell für den Markt entwickelt wird, etwa durch Abfrage der Grundeigentümer, Wohnungseigentümer und hinterlegt mit statistischen Werten. Das wäre ein sehr komplexes und kompliziertes Verfahren. Das Thema ist aber, und das weiß ich schon aus meiner Tätigkeit als Anwalt, dass so ein Mietspiegel eigentlich eher für den Vermieter gut ist, praktisch als probates Mittel zur Frage, was er denn für seine Wohnung verlangen kann. Das Problem ist, dass es auch zunehmend Menschen gibt - wir in Wolnzach spüren das deutlich durch Zuzug aus den Städten -, die eben gerne bereit sind, auch höhere Mieten zu bezahlen, weil diese für sie ja immer noch vergleichsweise akzeptabel sind.

 

Bevor man sich über Mieten Gedanken macht, muss es aber doch erst einmal Wohnraum geben. In Wolnzach ist die Angebotslage im Moment ja recht angespannt.

Machold: Das ist richtig, aber wir reagieren darauf. Aktuell haben wir ja einige Neubaugebiete in Planung - beispielsweise an der Glandergasse in Wolnzach. Aber gerade da legen wir ja jetzt schon Wert darauf, dass wir unser Baulandmodell zur Anwendung bringen, damit wir Wohnbauland generieren können, das wir als Markt Wolnzach verbilligt weitergeben. Das wird auch die weitere Wohnbauentwicklung bestimmen. Wir wollen ja nur 35 Prozent, aber es gibt Kommunen im Landkreis, die sagen, sie weisen gar nichts mehr aus, wenn sie nicht 100 Prozent in Eigenbesitz bekommen.

 

Lange Zeit wurden ja nur Einfamilienhäuser und Doppelhäuser gebaut, zunehmend sind aber jetzt gerade Wohnungen gefragt. Wie reagiert der Markt Wolnzach auf diesen Trend?

Machold: Darauf müssen wir uns einstellen und dementsprechend auch in Neubaugebieten oder dort, wo es eben ortsplanerisch verträglich ist, auch einmal ein Mehrfamilienhaus mit mehreren Wohnungen erlauben. Ich weiß, dass ich mich bei vielen da nicht besonders beliebt mache oder auch schon nicht beliebt gemacht habe, aber wir haben halt die Vorgabe, zum Erhalt unserer Landschaft nicht die Außenbereiche zuzupflastern, wenn es innerorts verträgliche Möglichkeiten der Verdichtung gibt. Wir haben noch eine identitätsstiftende Landwirtschaft bei uns, das kann nicht alles durch Wohnbebauung verdrängt werden.

 

Aber das geht ja nicht immer ohne Probleme.

Machold: Ich weiß, dass das immer wieder auch Nachbarn auf den Plan ruft. Aber man muss halt auch sagen, dass sich die Erschließungskosten in den vergangenen Jahren einfach verdoppelt haben. Das ist für viele einfach nicht mehr darstellbar. Hinzu kommt, dass wir auf die unterschiedlichen Lebenssituationen reagieren müssen. Beispielsweise der Lehrling, der die erste eigene Wohnung sucht, das Rentnerpaar, das das eigene Haus nicht mehr stemmen kann, oder auch die Familie, die nach einer Trennung das Haus nicht mehr halten kann. Dafür braucht es einfach ein Angebot an Wohnungen, auf diese Situationen müssen wir Antworten finden. Und dafür brauchen wir auch das Einsehen der Nachbarn. Schließlich können wir ja alle nicht wissen, ob es uns nicht auch einmal trifft, in so eine Notsituation zu kommen, wo man das Haus einfach nicht mehr bezahlen kann.
 

Vor allem von älteren Menschen oder eben Alleinerziehenden sind wohl vorwiegend Innerortswohnungen gefragt.

Machold: Wo immer es verträglich ist und sich gute Lösungen anbieten, schlagen wir das auch dem Gemeinderat immer wieder vor. Festhalten muss man aber auch, dass bei Weitem nicht jedes Mehrfamilienhaus auch an jeder Stelle zu begrüßen ist. Genauso umgekehrt falsch wäre aber ein generelles Ablehnen solcher Bauten und auch derer, die sie errichten.

 

Stichwort Wohnungen. Plant der Markt Wolnzach künftig auch weitere Sozialwohnungen?

Machold: Der Markt Wolnzach rangiert im landkreisweiten Vergleich mit einem Anteil von 2,51 Prozent Sozialwohnungen am gesamten Angebot bekanntlich an der Spitze. Ganz neu gebaut haben wir ja gerade die derzeit von Flüchtlingen genutzte Unterkunft an der Hochstatt, die so ausgelegt ist, dass sie auch als Sozialwohnraum genutzt werden kann. Darüber hinaus haben wir in Wolnzach auch diese einzigartige Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugenossenschaft. Das ist mir auch ganz wichtig, weil wir in diesem Fall ja nicht von Sozialwohnungen, sondern von gefragtem, verbilligtem Wohnraum reden.

 

Sie sprechen von Zusammenarbeit. Wie sieht das denn genau aus?

Machold: Die Gemeinde überträgt im Erbbaurecht der Wohnungsbaugenossenschaft den Baugrund, mit der Auflage, eben hier Wohnungen in ihrer Anzahl nach Möglichkeit zu erhalten, zu unterhalten und immer wieder auch zu überprüfen, wo Zubauten möglich sind.

 

Und Sie halten als Bürgermeister zudem auch einen Sitz im Aufsichtsrat der Wohnungsbaugenossenschaft.

Machold: Das war für mich eine ganz bewusste Entscheidung. Das ist für Wolnzach einfach wichtig. Deshalb habe auch nicht ich als Person einen Genossenschaftsanteil gekauft, sondern der Markt Wolnzach hat das getan. Damit wollte ich auch dokumentieren, dass es nicht davon abhängen darf, wer gerade Bürgermeister ist, sondern dass der Markt Wolnzach fest einen Platz im Aufsichtsrat der Wohnungsbaugenossenschaft hat.

 

Gibt es weitere Projekte für verbilligten Wohnraum in Wolnzach?

Machold: Die Wohnungsbaugenossenschaft baut in Kürze ein neues Mehrfamilienhaus, das haben wir gerade auf den Weg gebracht. Und auch der Markt Wolnzach überlegt in bestimmten Grundstücken, Weiteres anzubieten. Beispielsweise gibt es für die Herrnstraße 14 in Wolnzach doch auch Überlegungen, entsprechenden Wohnraum zu schaffen. Man muss ja nur einmal in die Bereiche hineinschauen, zum Beispiel auch bei den Gemeindebediensteten: Wenn wir uns beklagen über den Notstand bei Erzieherinnen oder Kinderpflegerinnen in unseren Kindergärten oder auch bei Mitarbeitern im Schwimmbad, dann muss man sich doch fragen, ob es sich Bewerber überhaupt wirtschaftlich leisten können, hier zu arbeiten, wenn sie hier nicht wohnen können. Es steht eine Vielzahl von Überlegungen im Raum, mit denen man sich auseinandersetzen muss.

 

Von einem, wie von Experten empfohlenen, Sechs-Prozent-Anteil an sozialem Wohnraum ist Wolnzach aber immer noch ein gutes Stück weit weg. Ist das überhaupt erstrebenswert?

Machold: Solche Zahlen sind ja immer sehr pauschal. Entscheidend ist doch die Bedarfsgerechtheit im Einzelfall und damit meine ich die spezifischen Gegebenheiten einer jeden Kommune, die das dann entsprechend steuert. Ausschlaggebend dafür ist unsere Struktur vor Ort. Natürlich geht es uns allen in Summe gut. Aber es gibt auch besagte Trennung, den Krankheits- oder gar Todesfall, die Arbeitslosigkeit, was eine Familie plötzlich vor eine völlig neue Situation stellen kann. Was brauchen wir wirklich hier bei uns, das muss ganz klar die Kernfrage sein, auf die wir uns immer wieder entsprechend ausrichten müssen. Eine pauschale Lösung gibt es nicht.