Die Gemeinden Jetzendorf, Reichertshausen und Gerolsbach hingegen fordern die Verlegung ausdrücklich. Die politische Lage scheint verfahren, denn beide Parteien beanspruchen für sich, das Wohl der Allgemeinheit im Auge zu haben - und unterstellen der jeweils anderen Seite unterschwellig Eigennutz. Über die Stationierung entscheiden soll in anderthalb Wochen die Verbandsversammlung des zuständigen Rettungszweckverbands (ZRF) für die Region Ingolstadt.

Der Streit schwelt schon seit Monaten: Heuer wurde zwar der seit Jahren geforderte vierte Sanka für den Landkreis angeschafft, weil in den Gebieten Rohrbach-Wolnzach sowie Jetzendorf-Gerolsbach die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zwölf Minuten zu oft überschritten wurde. Aufgrund eines Expertengutachtens wurde der vierte Rettungswagen letztlich in Rohrbach stationiert - auch damals unter Protest Pfaffenhofens. Im nächsten Schritt will der ZRF nun die Situation im Landkreissüden verbessern. Wie berichtet wurde bereits ein fünfter Sanka beantragt - unklar ist aber, ob und wann dieser bewilligt wird.

Deshalb hat der Verband nun den strittigen Vorschlag unterbreitet. "Durch Rohrbach wird der nördliche Bereich von Pfaffenhofen optimal abgedeckt", erklärt ZRF-Geschäftsführer Günther Griesche mit Verweis auf neue Untersuchungsergebnisse. Dadurch würden Kapazitäten frei, um Versorgungslücken im südlichen Landkreis zu schließen - und anders als von Pfaffenhofen aus wäre das von Scheyern aus weitestgehend innerhalb der Zwölf-Minuten-Frist möglich. Dass in Pfaffenhofen deutlich mehr Menschen leben als in den südlichen Gemeinden und dort auch mehr Einsätze anfallen, ist für Griesche hingegen kein Argument: "Bei uns ist jeder Bürger gleich viel wert, egal wo in der Region er wohnt", sagt der ZRF-Geschäftsführer. Da gebe es mit der Hilfsfrist eine klare gesetzliche Vorgabe.

Doch genau wegen dieser "technokratischen Betrachtungsweise", wie Bürgermeister Thomas Herker (SPD) es nennt, geht Pfaffenhofen auf die Barrikaden. Laut Berechnungen der Stadtverwaltung würde sich die Rettungsdienst-Situation durch die Verlegung nämlich für alle Gemeinden verschlechtern (siehe Bericht unten).

Jetzendorfs Bürgermeister Manfred Betzin (CSU) hingegen kritisiert, Pfaffenhofen blase das Thema zum Politikum auf. Im Stadtrat gefallene Andeutungen, die Verlegung sei womöglich ein politisch getriebenes Ränkespiel gegen Pfaffenhofen, dementiert er vehement: "So einen Schmarrn habe ich noch nie gehört", sagt der Jetzendorfer Bürgermeister. Er versteht die Aufregung nicht: "Es geht ja nur um eine zeitweise Verschiebung, um festzustellen, wo ein zusätzlicher Rettungswagen Sinn machen würde und wo eine Verbesserung schon jetzt möglich ist", argumentiert Betzin. "Man kann doch zwischendurch mal etwas ausprobieren - und wenn es nicht optimal ist, versuchen wir etwas anderes." Fakt sei allerdings, dass es im Süden die größten weißen Flecken bei der Rettungsdienst-Abdeckung gebe. "Und wir müssen gemeinsam die beste Lösung für alle finden." Er hat zusammen mit seinen Bürgermeisterkollegen Reinhard Heinrich (CSU) aus Reichertshausen und Martin Seitz (CSU) aus Gerolsbach einen Brief an den Zweckverband geschickt. Darin begrüßen die Drei die temporäre Stationierung in Scheyern ausdrücklich und bitten um Umsetzung.

Für die Kreisstadt mögen sich die Hilfsfristen zwar um ein paar Minuten verlängern, argumentiert Heinrich. Sie würden aber trotzdem noch innerhalb der vorgeschriebenen zwölf Minuten bleiben, so der Reichertshausener Bürgermeister. Im weitläufigen Gebiet um Gerolsbach und Jetzendorf sowie für seine Ortsteile Steinkirchen und Langwaid spricht er hingegen eher von 17 oder 18 Minuten. Durch die Verlegung würden sich die Sanka-Fahrzeiten dorthin auf zwölf bis 13 Minuten verkürzen. Vermittelnde Töne schlägt Scheyerns Bürgermeister Martin Sterz (FW) an: Er habe durchaus Verständnis für Pfaffenhofen, sagt er. "Aber alle Landkreisbürger haben das gleiche Recht, innerhalb der Hilfsfrist erreicht zu werden." Scheyern biete kürzere Wege nach Gerolsbach und Jetzendorf - "und nach Pfaffenhofen ist es trotzdem nur ein Katzensprung".

Zumindest in einem sind sich alle Politiker einig: Ein fünfter Sanka sei dringend erforderlich, um die Lücken im Süden zu schließen. Wie berichtet hat der Kreisausschuss die Beantragung des zusätzlichen Rettungswagens Anfang der Woche beschlossen. Ob und wann dieser kommen könnte, sei zwar unklar, sagt Griesche. "Aber die Chance besteht durchaus." Und solange sei es Aufgabe des ZRF, die Situation anderweitig zu verbessern - eben mit einem Probelauf in Scheyern. "Entscheidend ist, dass die Patienten zum Krankenhaus kommen - und nicht dass der Rettungswagen vom Krankenhaus losfährt."

"Insgesamt schlechter"

Die Kreisstadt will auf allen politischen Ebenen gegenhalten - und jetzt erst recht auf einen fünften Sanka im Landkreis pochen. Die temporäre Verlegung des Rettungswagens hingegen ist aus Sicht der Stadtverwaltung kontraproduktiv: "Rechnerisch verschlechtert sich die Lage für die Gemeinden", argumentiert Hauptamtsleiter Hans-Dieter Kappelmeier. Die Hilfsfrist würde sich im südlichen Landkreis zwar in 19 Prozent der Notfälle um drei bis sechs Minuten verbessern, in 81 Prozent verschlechtere sie sich allerdings um vier bis sechs Minuten. Im Jahr sei der Sanka zwar 2400 Minuten weniger unterwegs, wenn er nach Gerolsbach, Jetzendorf oder Scheyern gerufen wird. Dem entgegen stünden aber verlängerte Hilfsfristen für Pfaffenhofen und Schweitenkirchen, die sich laut Stadt auf 11 800 Minuten summieren. Unterm Strich sei der Rettungswagen also gut 9400 Minuten länger auf der Straße. "Das ist im Saldo eine deutliche Verschlechterung und in dieser Zeit stünde der Rettungswagen für andere Notfallereignisse nicht zur Verfügung", warnt Kappelmeier. Die Zahl solcher Duplizitätsereignisse, bei denen die Hilfsfrist meist erst recht nicht eingehalten werden könne, würde insgesamt steigen, so Kappelmeier. "Und das trifft alle Gemeinden gleich."