Schulweghelfer Wolnzach
Katrin Rebl
Wolnzach

Wenn ein Schuljahr zu Ende geht, dann treffen sich immer all die Männer und Frauen, die frühmorgens an den Überwegen zur Schule stehen, um Schüler und auch Erwachsene sicher auf die andere Seite zu geleiten. „Sonst kommen wir alle nicht so oft auf einmal zusammen“, sagt Karl-Heinz Soost, Mitbegründer und seit Jahren Leiter der Wolnzacher Schulweghelfer. In diesem Jahr gab es bei dieser Feier Tränen, denn es war die letzte, der Schulweghelferdienst wird eingestellt. „Es geht einfach nicht mehr“, erklärt Soost. Müde sei er geworden, nachdem er jahrelang – wie er es ausdrückt – „immer wieder gegen Wände“ gelaufen sei. Denn seit Jahren drückt die Schulweghelfer ein Personalproblem. „Es ist einfach kein Erwachsener bereit, 30 Minuten für die Kinder zu opfern“, sagt Soost. Da gäbe es nichts zu beschönigen.

Bei Elternversammlungen, über Plakate, bei der Einweihung der Kapuzinerhalle – immer wieder habe er Werbung für die Schulweghelfer gemacht, habe versucht, Ehrenamtliche für diesen Dienst zu gewinnen. „Es hat einfach nichts geholfen“. Beim jüngsten Aufruf habe sich ein Anrufer tatsächlich gemeldet, der allerdings zunächst wissen wollte, was es dabei zu verdienen gibt. „Als ich dann sagte, es ist ehrenamtlich, hat er einfach aufgelegt“, so Soost. Sehr traurig mache ihn das, ja mehr noch: „Ein Armutszeugnis“ sei das für seinen Wohnort Wolnzach. „Woanders funktioniert es ja auch.“

Nicht aber hier. Mit sechs Ehrenamtlichen – darunter zwei sehr engagierte Senioren – sei man in dieses Schuljahr gestartet, personell schon so weit am Minimum, dass nur mehr der Übergang Preysingstraße und der an der Kapuzinerstraße überhaupt gesichert werden konnten. Und jetzt seien auch noch zwei der bisher Aktiven weggefallen. Mit vier Leuten könne man nicht mehr sichern, der Schulweghelferdienst werde also eingestellt. Vor allem die beiden Senioren, die mit viel Herz den Dienst versahen, sei das sehr schmerzhaft, gerne hätten sie weitergemacht. Aber man habe einfach keine andere Wahl.

Gabriele Habicht, Leiterin der Mittelschule Wolnzach, ist darüber auch sehr traurig. Denn ihre Schule hat mit acht Schülern den täglichen Dienst der Schulweghelfer unterstützt. „Unsere Schüler haben extra die Ausbildung dafür gemacht und hätten das auch gerne weitergeführt.“ Aber ohne die Verantwortung durch Erwachsene sei das nicht machbar. Dass sich niemand findet, das könne sie überhaupt nicht nachvollziehen: „Das ist wirklich sehr schade.“ Auch Ute Zellhöfer, Leiterin der Grundschule Wolnzach, wurde bereits über das Einstellen des Schulweghelferdienstes informiert. Auch sie weiß, wie viel an Werbung versucht wurde, wie oft darauf keine Resonanz kam. Auch sie selbst habe dafür bei Elternversammlungen immer wieder geworben, habe Leute angesprochen. Genützt habe auch das nichts. Dass im neuen Schuljahr die beiden Hauptzubringer zur Grundschule – an der Kapuzinerstraße und an der Preysingstraße – nicht mehr durch Schulweghelfer gesichert werden, sei sehr schade.

„Es ist einfach kein Erwachsener bereit, 30 Minuten für die Kinder zu opfern.“

Karl-Heinz Soost, Schulweghelfer

Umso mehr Einsatz müssten die Eltern nun in das Einüben des Schulweges mit ihren Kindern legen, auf Gefahrenstellen hinweisen und auch zeigen, wie man Überwege richtig überquert, weil die Sicherung durch die Schulweghelfer ja jetzt wegfalle. „Vielleicht rüttelt das ja doch noch einige auf“, möchte sie die Hoffnung auf ein Fortsetzen des Dienstes nicht ganz aufgeben. Sollte das tatsächlich so sein, so müssen sich die Schulweghelfer aber einen neuen Leiter suchen. „Ich mache nicht mehr weiter“, sagt Karl-Heinz-Soost. Ausgebrannt sei er, enttäuscht, dass keiner mithelfen wollte. Und seine Hoffnung sei gering, dass sich daran noch irgendetwas ändert.