Die Fehde zwischen den Parteien schwelt offenbar schon seit Jahren, mit regelmäßigen Ausbrüchen, mal mehr mal weniger feurig. Anton Sprenzel, der von der Angeklagten als Rechtsbeistand verpflichtet worden war, beschrieb seine Mandantin als Unternehmerin, die sich gegen viele Widerstände hatte durchsetzen müssen. Schon mit der ehemaligen Eigentümerin des Nachbarhauses habe es Streit gegeben. „Die Vorbesitzerin hat sich mit Vielen gut verstanden und hatte dementsprechend Unterstützung, auch von kollegialen Stadträten, die meine Mandantin nicht hatte – und meine Mandantin wurde als Fremdkörper angesehen“, sagte der Neuburger Ehrenbürger. Immer wieder seien ihr Steine in den Weg gelegt worden. Mit dem Einzug der neuen Jungunternehmer habe sich der Konflikt nicht entschärft – im Gegenteil. „Die Animositäten scheinen übernommen und verstärkt worden zu sein.“ Scherben, Müll, falsch geparkte Autos: „Ich habe immer wieder gesagt, sie sollen mich beliefern lassen und nicht gegen meine Scheibe fahren“, ärgerte sich die Gastronomin.

„Es ist nur ein Satz, aber dieser eine Satz kann in einer Kleinstadt wie Neuburg zu einem handfesten Gerücht wachsen.“

Christian Fischl, Staatsanwalt

 

Häufige Auseinandersetzungen bestätigte auch der Jungunternehmer – eine davon eskalierte eben am 16. Dezember 2016. „Vor ihrer Gaststätte stand ein Auto, das sollte da weg“, berichtete der Gastronom. Als er ihr zu verstehen gab, da nichts machen zu können, habe sie ihn und seinen Bruder als Mafiosi betitelt. „Für mich war das peinlich, weil ich zehn bis 20 Gäste draußen vor der Bar stehen hatte“, sagte der 30-Jährige. Dennoch hätten er und sein Bruder die Sache nicht ernst genommen und von einer Anzeige zunächst abgesehen.

Doch nach und nach seien immer wieder Gäste auf die Wirte zugekommen, die nachfragten, was da dran sei, an den Gerüchten um die russische Mafia. „Selbst Stadträte haben gefragt. Die Besitzerin wurde angesprochen, warum sie das Lokal an die Mafia verpachtet“, sagte der 28-jährige Bruder. „Wir sind nicht mal Russen. Wir stammen aus dem Kosovo.“ Als dann auch noch ein Journalist nach dem Mafiagerücht fragte, sei das Fass übergelaufen. „Da ging es dann um Rufschädigung“, sagte der Unternehmer – deshalb die Anzeige.

Die Vorgeschichte, die gegenseitigen Anschuldigungen, die Spannungen: All das sei juristisch in diesem Verfahren nebensächlich, machte Staatsanwalt Christian Fischl klar. „Es ist nur ein Satz, aber dieser eine Satz kann in einer Kleinstadt wie Neuburg zu einem handfesten Gerücht wachsen“, sagte er. Den Anklagepunkt der üblen Nachrede sah er durch die eindeutige Aussage eines unbeteiligten Türstehers als erwiesen an. Fischl forderte 500 Euro Geldstrafe.

Sprenzel hoffte auf eine späte Einstellung des Verfahrens – doch der Staatsanwalt erklärte, diese Chance sei verstrichen, außerdem sei dafür ein Geständnis nötig. Doch die Angeklagte beteuerte vehement und sichtlich mitgenommen: „Ich habe das in dieser Form nicht gesagt.“

Richterin Bettina Mora verurteilte die Gastronomin zu 20 Tagessätzen zu je 20 Euro Geldstrafe. Es gebe keinen Zweifel, dass die Aussage so gefallen sei. „Überlegen Sie mal, über Sie würde irgendetwas Ehrenrühriges berichtet“, hob sie zu einer Schelte an, doch die Angeklagte fiel ihr ins Wort: „Das ist laufend der Fall.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.