Unterhausen: LAG darf auf zusätzliches Geld hoffen
Engagiert präsentiert wurden die neuen Projekte aus vier LAG-Gemeinden, hier von (v. l.) Johanna Knöferl, Christian Ahle und Mathilde Ahle die "Inklusive Gemeinde Langenmosen". - Foto: Hofmann
Unterhausen

Die für den Bereich Oberbayern-Nord zuständige Leader-Koordinatorin Irmgard Neu-Schmid brachte eine, wie sie sagte, "sehr erfreuliche Mitteilung" ins Innovationszentrum in Unterhausen mit, in dem der Lenkungsausschuss der LAG diesmal tagte: Alle Aktionsgruppen in Bayern, die bis zum Stichtag 31. Oktober mindestens 60 Prozent der ihnen zugewiesenen Mittel für die aktuelle Förderperiode konkreten Projekten zugewiesen haben, könnten mit einem weiteren "Mittelzufluss" rechnen. Genaueres sagte sie dazu bislang noch nicht.

Im Raum stand aber bisher, dass bei Aktionsgruppen, welche die sogenannten Meilensteine bei der Zuschussnutzung nicht erreichen, die Mittel gekürzt werden. Klar ist, dass die LAG Altbayerisches Donaumoos, zu der neben allen Städten und Gemeinden des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen auch die Marktgemeinde Hohenwart im Nachbarlandkreis Pfaffenhofen gehört, gut im Rennen liegt. Von den ihr zur Verfügung stehenden 1,5 Millionen Euro hat sie nach der Sitzung vom Mittwochabend mehr als 1,4 Millionen verplant - und das sind deutlich mehr als die geforderten 60 Prozent. "Da können wir auf alle Fälle sicher sein: Abgezogen wird nichts, eher kann die LAG damit rechnen, dass noch etwas nachkommt", meinte Neu-Schmid.

Europaweit läuft die aktuelle - und noch bis 2020 dauernde - Förderperiode dieses zur Stärkung des ländlichen Raums aufgelegten Programms bereits seit 2014, in Bayern allerdings erst seit 2015, weil zuvor diverse bürokratische Hürden bewältigt werden mussten. Seitdem seien in der Region Altbayerisches Donaumoos 82 Projektideen geprüft worden, von denen letztlich 19 in den Lenkungsausschuss kamen und dort beschlossen wurden, bilanzierte der hiesige LAG-Manager Klaus Rössler zu Beginn der Lenkungsausschusssitzung. Zwölf seien offiziell bei der Bewilligungsstelle, die für Oberbayern-Nord am Landwirtschaftsamt in Ingolstadt eingerichtet wurde, abgesegnet worden, für zehn davon lägen auch schon die Bewilligungsbescheide vor, die es den Projektträgern erlauben, mit der Realisierung zu beginnen. Und genau da liege nun das Augenmerk des LAG-Managements, erklärte Rössler, denn im kommenden Jahr müsse nachgewiesen werden, dass Projekte mit einer Fördersumme von mindestens 200.000 Euro abgeschlossen sind. "Wir sind dran", versprach Rössler den Mitgliedern des Gremiums.

Dann erhöhte der Lenkungsausschuss die Anzahl der beschlossenen Projekte von 19 auf 21: Johanna Knöferl vom Caritas-Kreisverband und die Langenmosener Bürgermeisterin Mathilde Ahle präsentierten das Projekt "Inklusive Gemeinde Langenmosen", der Oberhausener Bürgermeister Fridolin Gößl stellte die Idee einer Kultur- und Kreativwerkstatt in seiner Kommune vor. Beide Projekte wurden einstimmig angenommen.

In der Ausarbeitung sind derzeit zwei weitere Vorhaben: das Konzept eines Dorfladens für Rohrenfels, das Ulrich Auburger vorstellte, sowie ein Erlebnisplatz auf einer Insel zwischen Paar und Freigraben, über den der Hohenwarter Bürgermeister Manfred Russer sprach. Auch diese beiden Projekte nahm der Lenkungsausschuss wohlwollend in seine Liste auf. Sollte die Zeit drängen, könne das Gremium diese beiden Vorhaben auch ganz einfach per E-Mail beschließen, schlug der LAG-Vorsitzende, Landrat Roland Weigert (FW), vor. Der Lenkungsausschuss tagt in der Regel nur zweimal jährlich. Für die Sitzungen suchen Rössler und Weigert dann gerne bereits verwirklichte Leader-Projekte als Standorte aus - wie eben das Innovationszentrum im Oberhausener Ortsteil Unterhausen.

Besser leben im ländlichen Raum - die vier Projekte

  •  Inklusive Gemeinde Langenmosen: „Der demografische Wandel soll nicht bejammert, sondern als Projektchance begriffen werden“, sagt Johanna Knöferl vom Caritas-Kreisverband. Das Ziel: „Lebensräume sollen möglichst umfassend auf die Bedürfnisse aller Bewohner ausgerichtet werden.“ Das Hauptprojekt „Inklusive Gemeinde“ werde über das Bundesprogramm für Ländliche Entwicklung gefördert, sagt Knöferl, doch für eine Nebenmaßnahme, die Schaffung einer Zukunftswerkstatt mit Bürgerbeteiligung, sind Leader-Mittel eingeplant – 7250 Euro bei rund 17.000 Euro Gesamtkosten.
 
  • Kreativwerkstatt Oberhausen: „Es geht darum, für kreative Leute ein Umfeld zu schaffen“, fasst Oberhausens Bürgermeister Fridolin Gößl zusammen, was in seiner Gemeinde entstehen soll: eine Werkstatt für alle Generationen, in der man sich in verschiedenen Bereichen künstlerisch austoben oder auch im technischen Bereich „einfach mal was ausprobieren kann“. All das soll in der geplanten Werkstatt in der Ortsmitte ermöglicht werden, für Kinder und Jugendliche ebenso wie für Hobbykünstler oder Senioren. Ein außerschulischer Lernort soll es sein, ebenso eine neue Möglichkeit der Freizeitgestaltung, an dem unter anderem 3-D-Drucker, Nadel und Faden, Equipment für Videobearbeitung und Modellbau sowie Musikinstrumente zur Verfügung stehen. Wenn die Kreativen mehr Freiraum bekommen, profitiere die gesamte Gesellschaft davon, ist Gößl überzeugt. In Oberhausen sollen 505.000 Euro investiert werden, die Förderung soll 260.000 Euro betragen. Gößl hofft auf Nachahmer: „Es ist für andere Kommunen offen, zu kooperieren.“
 
  • Dorfladen Rohrenfels: Seitdem vor vier Jahren der Jann-Laden geschlossen wurde, fehlt in Rohrenfels nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit, sondern auch ein Treffpunkt. Deswegen soll der Dorfladen mehr werden als nur ein Dorfladen. Ulrich Auburger, der das Projekt vorstellt, spricht von „fünf USPs“ – kurz für Unique Selling Points, Alleinstellungsmerkmale. Da wäre erstens der Verkauf von Lebensmitteln für den täglichen Bedarf. Und: „Es geht“ – zweitens – „vor allem auch um regionale Produkte“, also um Honig, Eier und Milch direkt aus dem Dorf. USP Nummer drei: Ein Treffpunkt soll geschaffen werden, weil im Dorf auch eine Gastwirtschaft fehlt. Auch einen Servicepoint, wo man Kopien anfertigen, Pakete abholen oder Sachen für die Reinigung angeben kann, hätten die Rohrenfelser gerne wieder – USP vier. Und schließlich Punkt fünf: ein kleines gastronomisches Angebot, eine kalte und heiße Theke, an der man sich in der Früh auf dem Weg in die Arbeit eine Brotzeit oder mittags etwas Warmes holen kann. Die Trägerschaft soll eine noch zu gründende Unternehmergesellschaft, eine Art kleine GmbH, an der auch die Vereine beteiligt sind, übernehmen. „Wir brauchen eine Bürgerbeteiligung von 80.000 Euro bei einer Gesamtsumme von 200.000 Euro.“
 
  • „Wir bringen die Paar in den Ort“: Nachdem der eigentlich geplante Erlebnisplatz bei Klosterberg an, so Bürgermeister Manfred Russer, „fachlichen Hürden“ gescheitert ist, will der Markt Hohenwart mit einem neuen Projekt vom Leader-Programm profitieren und die idyllisch gelegene Insel zwischen Paar und Freigraben aufwerten. „Wir wollen versuchen, diese Insel und damit auch den Fluss näher an den Ort zu holen“, erklärt Russer. Die Überlegungen stünden erst am Anfang. Zur Sondierung stünden ihm nun Gespräche mit Fachbehörden wie Wasserwirtschaftsamt und Unterer Naturschutzbehörde bevor, sagt Russer. Landrat Roland Weigert wünscht ihm dabei viel Glück, meint lachend: „Glücklicherweise sind wir nicht zuständig, sondern Pfaffenhofen“, und fügt dann mit Blick auf die Presse hinzu: „Das ist nicht zitierfähig.“