Straß: Ein Dorf feiert seine neue Ortsmitte
Foto: Andrea Hammerl
Straß

So einen Platz sucht Böhm auch für den Markt selbst. Er werde die Hoffnung nicht aufgeben, versprach er, nachdem er in seine gelungene Begrüßungsrede die Funktionen der einzelnen Projektbeteiligten eingebaut und so die Baugeschichte gleich mit abgehandelt hatte. Der gesteckte Finanzrahmen sei sogar noch unterschritten worden. "Berlin muss nicht überall grüßen", schickte er einen kleinen Seitenhieb in die ferne Hauptstadt, wo es mit öffentlichen Bauvorhaben weniger gut klappt wie in Straß. Ganz reibungslos ging es jedoch auch hier nicht. Knallhart sei er am ersten Amtstag mit dem Projekt konfrontiert worden und "im kalten Wasser von Städtebauförderung, Vergaberecht und Submission gelandet". Wenn er einmal sein Amt niederlege, drohte Böhm seinem Nachfolger an, dann werde er kurz zuvor noch eine Städtebaumaßnahme anstoßen, "die garantiert den EU-Schwellenwert reißt". Was jedoch scherzhaft gemeint war, denn gleich darauf dankte er dem Vorgängergemeinderat für Weitsicht und Mut, den das Gremium mit dem Dorfplatz bewiesen habe. Dieser werde gut angenommen. Frauen treffen sich auf der Sitzbank um die neue Dorflinde zum fröhlichen Gedankenaustausch, die Kindergartenkinder unternehmen gerne einen Ausflug auf den Spielplatz, diverse Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt, zu dem auch Burgheimer nach Straß pendelten, wurden auf die Beine gestellt.

Fotostrecke: Dorfplatzeinweihung Straß

Da blieb Regierungspräsidentin Brigitta Brunner kaum mehr etwas zu ergänzen übrig, weshalb sie Böhm ankündigte, sollte er eines Tages in Burgheim einen Platz gefunden haben, dann käme sie zur Einweihung, "aber dann spreche ich als Erste". Doch das Lob für den Bürgermeister war noch übrig geblieben, und das brachte sie natürlich ebenso an, wie ein Lob für die Dorfgemeinschaft um stellvertretenden Bürgermeister Peter Specht, die sowohl Input gegeben habe als auch bereit war, das Projekt anzugehen. Beides benötige der Freistaat, der gern dazu beitrage, dass Ortsteile sich den Anforderungen der Zeit anpassten, was ohne staatliche Förderung von den Gemeinden meist nicht zu leisten sei.

1,4 Millionen Euro sind aus der bayerischen Städtebauförderung nach Straß geflossen. Umgelegt auf die 780 Einwohner sei das ein Fördersatz pro Einwohner, der in München nicht fließen könne. "Das Leben im ländlichen Raum ist nicht schlechter als in der Stadt, sondern anders", sagte sie. Sie freue sich, dass der Dorfplatz zur Qualitätsverbesserung beitrage. "Haltet ihn am Leben, dann ist das Geld gut angelegt", gab die stellvertretende Landrätin Sabine Schneider den Straßern mit.

Eine Hommage an Straß sang Volker Sieg auf die Melodie "Ein Stern, der deinen Namen trägt" und nahm das "schönste Dorf der Welt" liebevoll auf die Schippe. Sieg hat gemeinsam mit Ehefrau Alexandra und den Söhnen Victor und Cedric eine englische Telefonzelle restauriert, auf dem Platz aufgestellt und zur Mini-Bücherei umfunktioniert. Integriert in den Platz wurde auch ein Marterl aus dem Jahr 1559. Es erinnert an den Tod der Müllerstochter, die "beim Fensterln erstochen wurde", wie Leonhard Fahrmayr erzählte.

Dem offiziellen Akt schloss sich das Frühlingsfest im Generationenpark an. Während sich die Senioren aus dem Seniorenzentrum der Stiftung St. Johannes vornehmlich an Kaffee und Kuchen hielten, eroberten die Kinder den Spielplatz, drehten am Glücksrad oder angelten Plastikenten aus einer Zinkwanne. Bürgermeister Böhm forderte Stiftungsleiter Robert Freiberger zu einer Partie Boule heraus, die ganz knapp zugunsten des Stiftungsteams ausging. Das allerdings war von Peter Specht leihweise verstärkt worden, und auch Gemeinderat Franz Hofgärtner, der mit Böhm antrat, verhalf unfreiwillig mit dem letzten Wurf zum 7:6 für die Stiftung, die das Gelände für den Dorfplatz bereitgestellt hat.