Schönesberg: Kabarettistisches Erdbeben
Outfit, Mimik und Gestik von Lisa Eckhart unterstreichen ihr polarisierendes Programm. - Foto: Schmitt
Schönesberg

Eine zierliche junge Frau, die aber von der ersten Sekunde an erkennen ließ: Hier steht ein knapper Zentner Dynamit auf der Bühne, der gleich explodieren wird. Souveräne Bühnenpräsenz und präziser Sprachwitz, schlitzohrige Boshaftigkeit, böse Reime und portionierte Provokation sind die Mittel und Markenzeichen von Lisa Eckhart, um das, nein, ihr Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Und sie lässt wirklich nichts aus. Von A wie Allergiker über den amerikanischen Geheimdienst und Neonazis dringt sie vor bis in die dunkelsten Seiten deutscher Geschichte. "Ich bin Österreicher, war kurzzeitig in Frankreich stationiert, wurde von mehreren Kunstakademien abgelehnt, habe in Berlin flammende Reden gehalten, und ihr Deutschen liebt mich trotzdem. Ihr habt nichts dazu gelernt." Mit diesem Satz bleibt sie hart an der Grenze, ohne diese jedoch für das Publikum spürbar zu überschreiten. Gleiches gelingt ihr mit allen von ihr aufgegriffenen Themen.

Ihre Aufarbeitungen in Sachen Liebe, Glaube, Hoffnung sind immer eine knallharte Gratwanderung entlang der Gürtellinie. Ja, sogar Kannibalismus erscheint ihr als Mittel zur Verhinderung, oder wenigsten zur Verkürzung, von Kriegen angebracht. All das nach dem Grundsatz, den ihr die Mutter mitgegeben hat - dir muss es gefallen - stimmt sie das Publikum gleich zu Beginn in breitem Ösi-Slang ein: "Für mi wird's heit wahnsinnig lustig, ihr seid's mir ja eh wurscht".

Ohne jegliche Hilfsmittel, nur mit Geist, Witz und Esprit bewaffnet, belegt sie ihre Zuhörer mit einer Art Maschinengewehrfeuer der Unterhaltung. Der gelegentliche, provokative Griff in den Schritt wäre gar nicht nötig, um Ohr und Auge wie magisch an sie zu fesseln. Man fragt sich, wann holt diese Frau eigentlich Luft. Nicht einmal für den jedes Mal verdienten Szenenapplaus lässt sie den begeisterten Zuhörern Zeit. Immer bedacht, nie den roten Faden zu verlieren, zieht sie ihr Programm professionell durch.

Hörenswert sind auch ihre Ausflüge in das eigene Sexualleben. Schon sehr früh erkundet sie ihren Körper. Immer im Hinterkopf, der liebe Gott sieht alles, kommt sie zu dem Schluss: "Wer ist eigentlich der wahre Schlingel in der Sache, die Achtjährige oder der 2000-Jährige, der ihr dabei zuschaut" So geht sie immer weiter auf des Messers Schneide. Auch heute kommt sie sich beim Sex noch manchmal vor, wie bei McDonalds. "Ich habe keine Ahnung, was ich da in mich rein stopfe, aber hoffentlich wird mir nicht schlecht."

Sogar im Kampf gegen den Terrorismus hat sie nach eigenen Angaben ihren Körper als Waffe eingesetzt. "In meiner Zeit in Berlin habe ich mit jedem radikalen Islamisten geschlafen, mich als Jungfrau ausgegeben und mich dermaßen ungeschickt angestellt, dass dem jede Lust auf die anderen 71 Jungfrauen vergangen ist. Das ist wahre Terrorismusbekämpfung."

Selbst das Genre des Schlagers musste herbe Treffer einstecken. Gerade ihren Landsmann Andreas Gabalier traf es am härtesten. "In München füllt der schon ganze Hallen, wenn ihr nicht aufpasst, ist der in ein paar Monaten schon hier bei euch in Schönesberg", meinte sie warnend. Auch bei Texten wie "Ein Stern, der Deinen Namen trägt" fragt sie sich: Wer hat das komponiert? DJ Ötzi oder Joseph Goebbels.

Schon kurz vor Ende ihrer Show weist sie das Publikum darauf hin: "Es wird keine Zugabe geben, wenn ich gehe, komme ich nicht mehr zurück", und verabschiedet sich mit den Worten "seid keine Rassisten, hasst einfach Alle."

Der lang anhaltende Beifall eines altersmäßig sehr breit gefächerten Publikums begleitet sie hinaus, und gibt dem Veranstalter recht, einen nicht ungefährlichen Weg erfolgreich beschritten zu haben. "So viele Zuschauer hatten wir noch nie, der Saal ist bis auf den letzten Platz ausverkauft", meinte Paul Utz, der Organisator der Veranstaltung.

Bereits in jungen Jahren polarisiert Lisa Eckhart sprachgewaltig ihr Publikum in bemerkenswerter und mehr als offener Art. Kann man ihren Humor schwarz nennen, vielleicht sogar pechschwarz? Oder gibt es für diese Farbe noch gar keinen Namen? Oder einfach nur - Lisa Eckhart. Einer der Gäste, eigens aus München angereist, bringt es, anscheinend für alle, auf den Punkt: "Lisa ist ein heißes Fettauge in der manchmal recht lauen Suppe des Kabaretts."