Rennertshofen: Mit Binser in den Himmel
In Rennertshofen unterhielt er sein Publikum mit deftigem Humor: Helmut A. Binser präsentierte Pointen "Wie im Himmel". - Foto: rhp
Rennertshofen

Kabarettist Binser, Jahrgang 1980, ist zwar politisch interessiert, aber kein politischer Kabarettist. "Des mach i net. I wui d'Leit zum Lacha bringa", verrät er auf Nachfrage. Und das gelingt ihm, vom ersten Satz an, zwei Stunden lang im schönsten Erzählton. Sicher und lässig in Gestik, Mimik und Sprache - immer wieder im niederbayrisch/oberpfälzischen Dialekt - erfahren wir Geschichten aus seiner Heimat, seinem Leben; lebendig, lustig, teils auch sehr drastisch und deftig.

Aber er ist nie krachert oder g'schert, was oft mit bayrisch verwechselt wird. Im Gegenteil, Binser gelingt es, im besten Sinne bayrisch zünftig, spitzbübisch und humorig zu sein, aber immer mit der "Hand an der Bremse" um niemanden zu beleidigen. Auch wenn er gleich mal die "Sechzger" (TSV 1860 München) durch den Kakao zieht. Ein Beispiel: Ein Bub wird vom Scheidungsrichter gefragt, ob er bei der Mutter bleiben will; Antwort: "Na, de schlogt mi oiwei". Also zum Vater? "Na, der schlogt mi aa". Wohin dann? fragt der Richter. "Zu de Sechzger, de schlog'n neamand".

Binser erzählt von seiner Jugend, die alles andere als behütet gewesen sei. Bandenkämpfe habe man nicht mit der Farbpistole ausgetragen, sondern mit dem Luftgewehr. Und die Oma konnte ihn und seine Freunde nur bändigen, indem sie auch im Sommer den Nikolaus kommen ließ. Das wirkte offenbar.

Seine Erfahrungen trug Binser immer wieder in Liedern vor, die er mit Gitarre und Quetschn begleitete. Dabei sang er von der Liebe; von seiner ersten bewusst erlebten Fußball-WM 1990, vom Trinken, vom Vorteil, den man hätte, wenn man sich unsichtbar machen könnte; vom schönsten Tag im Leben, der Hochzeit und Alltagssituationen.

Und immer wieder erzählt er von seiner Freundin. Freudestrahlend habe sie ihm mal berichtet, dass sie schwanger sei. Seine Antwort: "Toll Sabine, äh Simone"! Die Stimmung sinkt. Krampfhaft sucht er die Situation zu retten und frägt: "Von mir" Jetzt ist es endgültig aus.

Wenn er zum "Sugglkauf" (Jungschwein) nach Tschechien fährt habe die Sau im Kofferraum keinen Platz, also fährt sie auf dem Beifahrersitz mit. Den tschechischen Grenzbeamten zeigt er seinen Führerschein und für das Schwein die Spielkarte Schellen-As. Den tschechischen Beamten lässt er anschließend zu seinem Kollegen in schönstem Niederbayrisch sagen: "Komisch san's scho, de Deitschen, aber saubere Weiber ham's".

In seinem Lied "A bisserl warten" rät er zur Geduld. Beispiel: Der Miche wird als Schulbub vom Kare dauernd gehanselt. Später betreibt Kare eine Firma, die aber pleite geht, weil ihm der Steuerprüfer Miche auf seine Hinterziehungstricks kommt. Auch zum Thema "Schönheit" fällt Binser Passendes ein: "Liaba g'scheit greislich, ois schee bläd".

Gegen Ende verspricht er jedem, der den Text des folgenden Liedes nachsprechen kann, einen Hektoliter Bier. Und dann zählt er rasant von A bis Z alle Orte in Bayern und Österreich auf, in denen er schon aufgetreten ist. Gefühlt an die hundert. Niemand möchte das Bier.

Woher sein kabarettistisches Talent stamme, habe er einmal seinen Vater gefragt. "Vom Uropa", meinte der, "der hat gern die Leute getratzt" und erzählte auch gleich Geschichten dazu.

Das Publikum im mit 80 Gästen voll besetzten Tennisheims lachte aus vollem Halse und verabschiedete Helmut A. Binser mit rhythmischem Applaus. Ihm war es gelungen, den Besuchern zwei Stunden lang das Gefühl zu geben, sich "Wie im Himmel" zu fühlen, so wie sein Programm auch lautete.

Binser verwies darauf, dass er diesen Donnerstag um 21 Uhr im Bayrischen Fernsehen in der Sendung "Kabarett aus Franken" zu sehen sei. Zu danken sei den Organisatoren des TC Rennertshofen Dietmar Königsdorfer und Günter Andraschko. Der vierte und letzte diesjährige Kabarettabend ist am Freitag, 10. November, mit Martin Großmann und seinem Programm "Krafttier Grottenolm - b`scheissn derns olle".