Rennertshofen: "Generation Teenietus   Pfeifen ohne Ende"
Matthias Jung mischte sich nach seinem gelungenen Auftritt noch unter das sachverständige Publikum, um eventuell Neuigkeiten in der Eltern-Kind Beziehung zu erfahren. - Foto: Schmitt
Rennertshofen

Seine Mutter war darüber nicht so begeistert. Als er ihr erklärte, er würde lieber Witze erzählen als Unterricht zu halten, hielt sie das schon für den ersten Witz.

Schon des öfteren war die Kleinkunstbühne der Marktgemeinde Rennertshofen Schauplatz hochkarätiger Kabarettveranstaltungen. Mit Matthias Jung wurde auch diesmal wieder ein künstlerisches "Schmankerl" verpflichtet, das das Vereinsheim des Tennisclubs innerhalb kürzester Zeit zum Kochen brachte.

Auf seiner Homepage beschreibt der Künstler selbst seine Auftritte als Spaßpädagogik für die ganze Familie. Faktenreich und äußerst unterhaltsam. Und so war es dann auch. Vorwiegend die Altersschicht mit mehr oder weniger pubertierenden Kindern im Haus war vertreten, um sich von Jung auf eine Reise in das Unbekannte entführen zu lassen. Diese Reise führte in die laute Welt der heutigen Jugendlichen und Teenager.

Und der "Reiseveranstalter" Jung hat dem Ganzen auch einen Namen gegeben: "Generation Teenietus - Pfeifen ohne Ende." Nun, soviel sei vorweg genommen, ausgepfiffen wurde der Künstler nicht, denn dazu war das Programm fast schmerzlich an aktueller und wahrer Thematik in der Beziehung Eltern-Kinder festgemacht. "Eltern nerven, Schule ist out und WhatsApp ist lebensnotwendig. In den Kinderzimmern wird so selten gelüftet, dass selbst die Bettwanzen Asthma bekommen", das waren die Botschaften, die wohl alle Anwesenden schon einmal irgendwie selbst verarbeiten mussten. Wer kennt es nicht, das ungläubige, ja fast entsetzte Gesicht eines Kindes, wenn man ihm beichtet, "du musst jetzt ganz stark sein, das Wlan ist ausgefallen".

Jung ging auch auf die gute alte Zeit ein. Früher hieß es: "So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst." Heute sagt man: "So lange du dein Smartphone in meinem Wlan anmeldest." Der Satz "Früher war alles besser", dürfte laut Jung mit der am meisten gehasste Satz von Eltern für Teenies sein. Jung kann diese These allerdings hieb- und stichfest belegen. "Schon im Kindergarten wurde meine Generation noch auf Härte trainiert. Ich war in der Bärchen-Gruppe. Als eines Tages im Winter die Heizung ausfiel reagierte die Erzieherin sofort und wir waren die Eisbärchen-Gruppe. Das hat uns doch nicht geschadet, oder."

Auch Märchen seien der heutigen Generation anscheinend unbekannt. Bei "Der gestiefelte Kater" müsse die Antwort auf die Frage "von wem" nicht mehr mit den Gebrüdern Grimm, sondern, auf die Stiefel bezogen, mit Gebrüder Zalando beantwortet werden.

Der Abend gehörte somit einem Thema, das so alt sein dürfte wie die Menschheit selbst. Von Jung aufgegriffen und nicht nur an der Oberfläche angekratzt, ging er 100 Minuten mit beispielhafter Komik auf dieses komplexe Problem ein. "Ich konnte unser Familienleben am heutigen Abend in fast jedem Satz und in jeder Episode wieder erkennen", so eine zweifache Mutter aus Rennertshofen, die ihren Namen allerdings nicht nennen wollte, "sonst sagen meine Kinder wieder ,Du bist so peinlich Mama'."