Rennertshofen: Die Welsumer haben sich gut eingebürgert
Eindrucksvolle Tiere: Züchter Klaus Jung und seine jungen Welsumer-Zuchthähne. - Foto: Sorg
Rennertshofen

Jetzt, nach gut fünf Monaten, atmet der Züchter Klaus Jung zufrieden durch, wenn er seine Zuchthähne in einer ganz ansehnlichen Entwicklung beobachtet. Die eher seltene Haushuhnrasse "Welsumer" stammt aus den Niederlanden, wurde um 1920 in Welsum/Olst-Wijhe als Rasse beschrieben, erst 1986 in Deutschland als eigene Rasse anerkannt und seither gezüchtet. Es gibt von dieser Hühnerrasse noch eine sogenannte Zwerghuhnvariante, in verschiedenen Farbenstämmen, die sich übrigens auch gut als Ammenbrüterin für allerlei Ziergeflügel einsetzen lässt.

Jung ist Zuchtwart dieser schweren Hühnerrasse für Bayern, in dem es etwa 70 Züchter gibt. Er engagiert sich bundesweit für dieses Hobby, ist aber auch im Donaumooser Geflügelzuchtverein organisiert. Welsumer sind relativ robust, sind gut zu halten und werden gut drei Kilogramm schwer, fliegen kaum, weshalb auch keine hohen Zäune erforderlich sind. Die Hennen legen etwa 150 bis 160 Eier im Jahr ab der Gefiedermauser im November, und so ist dieses Geflügel, auch wegen seines doch recht stattlichen Gewichts eine gute Zwei-Nutzungsrasse. Die hochgezüchteten Hybrid-Legehennen hingegen bringen es im Vergleich, je nach Haltung und Fütterung, auf bis zu 300 Eier im Jahr, sind aber nach einem Legejahr schon fast erschöpft oder rentieren sich nicht mehr.

Bei den Welsumern gibt es verschiedene Farbenstämme, rost-rebhuhnfarbig und orangefarbig sowie drei Stämme bei den Zwergen in rost-rebhuhnfarbig, orange- und silberfarbig. Auf der Hühnerwiese von Jung weiden eine Hennen-Zuchtherde, die noch fleißig legt, und eine elfköpfige Jung-Hahnengruppe des rost-rebhuhnfarbigen Stammes, die alle eine Basis-Körnerfütterung bekommen, sich aber viel natürliches Futter in ihren Ausläufen selbst suchen können. Das Fleisch ist aufgrund der natürlichen Aufzucht wesentlich fester, schmackhafter, und so dauert die Aufzucht bis zur Schlachtreife gegenüber dem Masthähnchen von sechs bis sieben Wochen bei den großen Welsumern vier bis fünf Monate und hat dadurch aber auch Premiumqualität.

Etwas nachdenklicher wird der Rennertshofener Züchter, wenn er an den europaweiten Fipronil-Skandal denkt, wo viele der großen Geflügelfarmen ihre Massentierställe mit dem verbotenen Insektengift, eventuell auch unbewusst, reinigen ließen. Diese Massentierhaltung ist einerseits auf eine extreme Gewinnmaximierung ausgerichtet, ob in der Eier- oder Geflügelfleischproduktion, andererseits liegt es gerade auch am Kunden und Verbraucher, der immer noch geneigt ist, für sein Essen möglichst wenig Geld auszugeben, anstatt Produkte von artgerechter oder biologischer und gentechnikfreier Herkunft zu erwerben, gefüttert mit heimischem Getreide oder Eiweißpflanzen aus der Region, anstatt Sojafutter aus Übersee.

Aber Jung freut sich gleich wieder, wenn er seine - trotz Vogelgrippe und Stallpflicht -- doch gelungene Nachzucht betrachtet und sich jemand für seine Leidenschaft interessiert. Hat er doch am Ortsrand von Rennertshofen vor drei Jahren ein schönes Grundstück gefunden, wo seine manchmal doch recht kraftvoll krähenden Hähne keine Nachbarn mehr stören. Zudem ist er gespannt, welche Bewertungen er für seine Zuchttiere bei der 136. Deutschen Junggeflügelschau mit 14. Erwerbsschau Ende Oktober in Hannover erzielen wird.