Letztlich fiel die Entscheidung mit 15:13 in namentlicher Abstimmung zugunsten des Verbots. Zuvor hatte Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) zweimal abstimmen lassen. Beide Male lautete das Ergebnis 14:13, was bei 28 Anwesenden (drei Stadträte fehlten) nicht möglich sein konnte. Eine Stimmenthaltung sieht die Gemeindeordnung nicht vor und Zuflucht in den Sanitärräumen hatte auch kein Mandatsträger gesucht. Also wurden die Damen und Herren namentlich abgefragt, um ein mathematisch plausibles Ergebnis zu bekommen.

Der Oberbürgermeister und die Verwaltung hatten sich gegen ein solches Verbot stark gemacht, das der Tierschutzverein Neuburg-Schrobenhausen in einem offenen Brief an die Stadt gefordert hat. Vereinschef Gerhard Schmidt war in der Sitzung anwesend. Er bezweifelt, dass Wildtiere wie Löwen, Elefanten oder Nilpferde in einem Zirkus artgerecht gehalten werden können. Obendrein würde die gefangene Kreatur in der Manege zu völlig unnatürlichen und unwürdigen Kunststücken gezwungen. Ein Elefant, der einen Kopfstand macht, ist für den Tierschutzverein- und Tierheimchef nicht erheiternd, sondern eher peinlich.

Neuburg: Aus für Nilpferd und Co. auf städtischen Flächen
Aus für King Tonga: Der weiße Löwe des Circus Krone darf nach der Entscheidung des Stadtrates auf städtischen Flächen in Neuburg nicht mehr auftreten. Mit knapper Mehrheit sprach sich das Gremium gestern für ein Wildtierverbot aus. - Foto: Schanz
Neuburg

Darüber wollte Rechtsdirektor Ralf Rick nicht richten. Er betrachtete ausschließlich die juristische Seite, und da sieht er ein Prozessrisiko für die Stadt, sollten abgewiesene Unternehmen vor Gericht ziehen.

Was den Neuburger Stadträten revolutionär erscheint, ist andernorts bereits gängige Praxis. Mehrere deutsche Städte wollen keine Wildtiere mehr im Zirkusrund dulden, andere europäische Länder halten es ebenso. Gegen derartige kommunale Entscheidungen wurde in Deutschland von Zirkusunternehmen geklagt. Die Verwaltungsgerichte Chemnitz und Darmstadt entschieden dabei zugunsten der Zirkusse, das Verwaltungsgericht München zugunsten der Stadt Erding. Die Münchner Richterin sah keine unzulässige Berufseinschränkung durch das Verbot. Nachdem aber bislang kein obergerichtliches Urteil vorliegt, ist die Entscheidung der Neuburger Stadträte nicht ganz risikolos.

Das Hohe Haus zeigte sich angesichts des emotionsbeladenen Themas erwartungsgemäß gespalten. OB Gmehling sah die Zuständigkeit beim Bundestag und nicht beim Stadtrat. Der Gesetzgeber müsse das regeln. Bettina Häring (FDP) erinnerte daran, dass auch die Bundestierärztekammer ein Wildtierverbot im Zirkusbetrieb fordere. Außerdem werde Kindern in der Manege ein völlig falsches Bild von Tieren gezeigt. „Zirkus: ja, mit Wildtieren: nein!“, betonte Christian Peschik (CSU). Gegen ein Verbot sprachen sich Matthias Enghuber (CSU) und Bernhard Pfahler (FW) aus. „Was macht man dann mit den Zirkustieren“, fragte Pfahler.

„Hinter jedem Zirkus stehen Menschen, stehen Schicksale. Den Leuten muss man Zeit geben“, wandte sich auch Otto Heckl (CSU) gegen eine rigide Vorgehensweise. Es werde niemand gezwungen in den Zirkus zu gehen, man könne mit der Eintrittskarte abstimmen. Im anderen Lager meinte Heinz Schafferhans (SPD): „Wenn man ein Zeichen setzen kann als Kommune, dann setzen wir ein Zeichen für die Tiere.“ CSU-Fraktionschef Alfred Hornung fand Auftritte von Wildtieren in der Manege „nicht mehr zeitgemäß“ und Ralph Bartoschek (SPD) ging es weniger um juristische Feinheiten, sondern mehr darum, was moralisch vertretbar sei. „Ein Bär will nicht Fahrrad fahren und er will auch nicht tanzen.“

In Neuburg hat die Diskussion um Wildtiere in Käfigen und Ketten nach den Gastspielen des Circus Krone und des Circus Voyage an Fahrt aufgenommen. Anfang Oktober war das Thema im Stadtrat schon einmal auf dem Beratungstisch. Nachdem den Stadträten das Urteil des Münchener Verwaltungsgerichts im Detail nicht bekannt war, wurde die Entscheidung auf gestern vertagt.