Anton Haberer, Geschäftsführer des Studienseminars, hatte die Originalstiftungsurkunde von 1638 mitgebracht und wies auf weitere Höhepunkte des Jubiläumsjahres hin. Toni Lutz, Vorsitzender der Studiengenossenschaft, freute sich, dass die Studiengenossen das Seminar durch das Jubiläum begleiten dürfen. Der Madrigalchor wiederum erfreute mit augenzwinkernden Liedern, passend zum Thema rund um Liebesleid und Liebeslust.

Ein besonderes Schmankerl bot Christoph Sax, Fachschaftsleiter Latein am Descartes, dar. Er trug engagiert eine selbstgedichtete lateinische Hommage an René Descartes vor, die freundlicherweise für die Zuhörer im Programm übersetzt worden war. Als „Husarenstück, ganz im Geiste des alten Jesuitengymnasiums“ lobte Stroh das Werk, bevor er von seinen eigenen Forschungen berichtete.

Viele Jahre lag das 65-seitige Werk des jungen Gymnasiallehrers Balde und seiner Münchner Gymnasiasten unbeachtet in der Bayerischen Staatsbibliothek, bis Stroh es entdeckte und erforschte. „Christus und Cupido“ wurde vermutlich zu Weihnachten 1628 als Werk der Schüler ausgestellt. Die 65 einzelnen Blätter trügen in der Idee bereits Baldes Handschrift, erklärte Stroh – ausgeführt seien sie allerdings eher kindlich. Nur das Titelblatt dürfte der Lehrer selbst gestaltet haben.

Cupido und Christus sind als Gegenspieler dargestellt. Cupido weitaus häufiger – offenbar sei er interessanter erschienen als Christus, der meist züchtig im Talar gezeigt werde, merkte Stroh listig an. Cupido stellt allerlei an, um in den Himmel zu kommen. Mal hängt er sich an eine Gans, mal versucht er, Pegasus zu reiten – Absturz natürlich vorprogrammiert. Flügel hat Cupido sehr wohl, aber fliegen kann er dennoch nicht. Baldes Botschaft ist klar – Liebe – jedenfalls die weltliche – kann sehr wohl Sünde sein und hinderlich beim Weg in den Himmel. Dorthin führt nur die Liebe zu Gott. An die 70 Zuhörer hatten sich in der Aula eingefunden – die Sänger des Madrigalchors nicht eingerechnet – um Strohs engagiertem Vortrag zu lauschen, dem allerdings, wohl der Technik geschuldet, zumindest in den hinteren Reihen nur mit voller Konzentration zu folgen war.

350 Euro kamen an Spenden zusammen, die für die Restaurierung der Magisterarbeit verwendet werden. Bereits am Vormittag war Stroh Gast am Descartes-Gymnasium gewesen und hatte vor Acht- und Elftklässlern zum Thema „Jacobus Balde als junger Lateinlehrer“ gesprochen, was seine jungen Zuhörer ziemlich beeindruckte, wie Lateinlehrerin Gabriele Kaps berichtete.

Das Buch „Christus und Cupido: Embleme aus Jacob Baldes Poetenklasse von 1628“, herausgegeben von Veronika Lukas, Wilfried Stroh, Claudia Wiener, ist als ISBN 978-3-7954-2576-0 im Verlag Schnell und Steiner erschienen. Ein Exemplar kostet 39,95 Euro.