So wurde gleich mal ein Darlehen über gut 120 000 Euro aufgenommen, um das mit nicht wenigen Streitigkeiten verbundene Erbe überhaupt antreten zu können. Abzulösende Altlasten, Anwaltskosten etc. - da kam einiges zusammen, und wären derzeit die Kreditzinsen nicht so günstig, hätten die ehrgeizigen Ziele, die Gerhard Schmidt und sein Team verfolgen, schon im Ansatz vergessen werden können

Der Vorlauf jetzt war einigermaßen steinig. Allein fünf Gerichtsverhandlungen hat es seit der Testamentseröffnung gegeben, alle fünf Prozesse aber haben die Tierschützer in Neuburg gewonnen. Jetzt liegen die Um- und Ausbaupläne bei der Stadt Ingolstadt, Gespräche dort bis hinauf auf die Bürgermeister-Ebene bewertet Schmidt durch die Bank positiv. Das villenähnliche Haus und vor allem die 8000 Quadratmeter Grund - hier war schon in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine der ersten Minigolfanlagen Bayerns entstanden - liegen im Außenbereich, der Marktwert wird mit 400 000 bis 450 000 Euro beziffert.

Das zuletzt ungenutzte Grundstück war einigermaßen heruntergekommen, hier haben Schmidt und seine Helfer zwischenzeitlich schon mal kräftig Hand angelegt. Der Sanierungsbedarf am Haus liegt ebenfalls im sechsstelligen Bereich, der Verein hat aber ein Reservepolster mit 140 000 Euro angelegt, das jetzt - sobald die endgültige Projektfreigabe durch die Stadt Ingolstadt vorliegt - in das Tierschutz-Projekt investiert werden soll. Ein Hospiz für alte Hunde und Katzen schwebt den Tierschützern vor, die Tiere sollen sich auf den zwei Ebenen der Villa frei bewegen können, Areal für den Auslauf ist reichlich vorhanden. Eine Auffangstation für Igel ist auch im Gespräch, erste Überlegungen mit Vogelvolieren haben sich momentan wieder zerschlagen. Auch für Formen der Begegnung zwischen Mensch und Tier bieten sich Gelände wie Immobilie an. Komplett im Außenbereich liegend, das ist aber auch jeden Fall klar, muss bei der Nutzung der Tierschutz-Gedanke im Vordergrund stehen.

Etwas anderes käme Gerhard Schmidt wohl auch schwerlich in den Sinn. "Sein" Tierheim gilt als vorbildlich über die Grenzen Deutschlands hinaus. Annähernd 500 Hunde und bald 300 Katzen leben im Jahreslauf hier, daneben 37 Großtiere, sprich Pferde, Ziegen und Schweine. Bald aus allen Teilen Oberbayerns kommen zwischenzeitlich Problemtiere in die großzügig konzipierte Anlage bei Riedensheim. Der Tierschutzverein ist längst ein mittelständisches Unternehmen, das einen 300 000 Euro-Haushalt bewegt, wobei er einen Großteil der Gelder aus eigener Kraft stemmt. Lediglich 36 000 Euro kommen an Zuschüssen von den Kommunen. Knapp 200 000 Euro dagegen machen die Spenden und Beiträge aus sowie 74 000 Euro erwirtschaftet der Verein aus seiner Tierpension, die stärkstens nachgefragt und heuer so gut wie ausgebucht ist. So viel Aufwand will auch bewältigt sein, "wir haben hervorragendes Personal", schwärmt Gerhard Schmidt. Rund 198 000 Euro fielen 2017 allein auch an Lohnkosten an. Insgesamt wurde ein leichter Überschuss erwirtschaftet.

Bei so viel eitel Sonnenschein und der Bereitschaft weiterzumachen, brachten die Neuwahlen wenig Überraschung. Schmidt bleibt Vorsitzender, bestätigt wurden ebenso Vize Hans Schneemeier und Kassier Roland Idecke. Lediglich das Amt der Schriftführerin ist mit Diane Heinrich neu besetzt, als Beisitzer fungieren Günter Großmann und Roland Materna.