Weinbörse Neuburg
Beste Partystimmung herrschte am Samstag auf der Neuburger Weinbörse im Marstall.
Gerda Enghuber
Neuburg
Was der Seebauer Fritz da angerichtet hat, vor 20 Jahren, weil er was bewegen wollte in Neuburg. Und einmal mehr hatte der Mann, den nicht alle mögen, im Zweifelsfall lieber behindern als unterstützen, den richtigen Riecher.

Dass Wein vornehmlich was ist für gesetztere Herrschaften, mag schon so sein. Aber denen wär's hier wohl zu hektisch und der Trubel zu groß. Sie kennen womöglich ihre Favoriten schon, freilich auch möglich, dass ihnen die eine oder andere Entdeckung dann aber auch entgeht. Obwohl, da dürfte bei ihrem Erfolg und nicht minder auch ihrem Renommee die Neuburger Weinbörse fast noch ein bisschen mutiger sein, sich auf Außenseiter-Pfade auch begeben.

Warum aber auch? Noch erfolgreicher als mit dem mehrheitlich eingeschlagenen Weg kann man schwerlich sein. Voller, quirliger als am Samstagabend etwa kann der Marstall gar nicht sein. Da fehlte auf die 300 nicht viel, was durchaus respektabel für den alten pfalzgräflichen Rossstall ist, vor allem auch für eine beachtliche Geräuschkulisse sorgt, der Raum ist bekanntlich nicht gerade unterakustisch.

Gottlob verzichten die Veranstalter noch auf zusätzliche Musikberieselung. Es herrscht auch so eine ausgesprochen gute, locker gepflegte Partystimmung. Jeder Marketingexperte käme ins Schwärmen: die interessanteste Zielgruppe, den Kinderschuhen mehrheitlich schon entwachsen, die bereits weiß, was sie von ihrem Leben will und auch mal genießen will. Da passt natürlich Wein, die edlen Brände auch. Und das Ganze ist durchaus auch keine Eintagsfliege, die Börse ist nun mal ein Ort, wo Geschäfte gemacht werden, die fünf Prozent Börsenrabatt sind da auch nicht zu verschmähen.

Weinbörse Neuburg
Fachkundig servierten Genuss in zahllosen Variationen galt es zu entdecken.
Josef Heumann
Neuburg
Und wann hat er das Weintrinken für sich entdeckt? Die Frage gilt einem jungen Mann, den man so eher bei einem Cocktail vermuten würde. "Ach schon recht früh, als ich mit meinen Eltern immer in Italien im Urlaub war. Da durfte ich immer mal einen Schluck probieren." Durchaus gereift erweist sich der Weingeschmack zwischenzeitlich des jungen Mannes, der bei den trockenen Tropfen angekommen ist, während seine charmante und nicht ganz so Italien-geeichte Begleiterin da mehr auf einen Muskateller steht. Bei den Badensern ist da stets Verlass!

Einer, der das Geschäft mit seinen Tücken wie Konstanten seit Jahrzehnten kennt, Alfred Bergbauer, eine der Säulen der Börse seit Anbeginn, freut natürlich der Trend. Junge Leute entdecken vermehrt den Wein. Und ganz klar auch diese Beobachtung: Der deutsche Wein startet immer besser durch. Gut, die Bordeaux-Fraktion hat nach wie vor ihren Tisch, da interessiert das Chateau, über Jahrgänge kann göttlich gestritten werden. Aber die deutschen Winzer holen gerade auch bei den Roten mächtig auf, neben Baden gerade auch die Pfalz. Für Entdeckungsfreudige geben die Italiener bei Alfred Bergbauer auf dieser Weinbörse am meisten her. Borgsis pflegt voran auch Neuburgs Verbundenheit mit Südfrankreich, und Weinpionier Josef Tremml belebt die Weinbau-Tradition direkt vor Ort.