Neuburg: Handy-Alarmierung hat Leben gerettet
Vor laufender Kamera simuliert Notarzt Alexander Hatz eine Herz-Luft-Druckmassage, um für die App "Mobile Retter" zu werben. Der Aufruf hat gefruchtet. Das Alarmierungs-System läuft gut an. ‹ŒArch - foto: Schanz
Neuburg

Jede Sekunde zählt, wenn es heißt, einen bewusstlosen Menschen mit Herz-Kreislauf-Stillstand zu reanimieren. Deshalb ist das System so wirkungsvoll: Die blitzschnelle Alarmierung der Ersthelfer im Umkreis des Patienten, per GPS-Daten geortet und per Handy zum Einsatzort gelotst, funktioniert.

"Wir haben einige Menschen, die durch die App überlebt haben", sagt der Neuburger Notarzt Alexander Hatz. Der Initiator des Projektes in der Region 10 ist "hochzufrieden", wie das Projekt angelaufen ist.

Im Oktober vergangenen Jahres ist die Alarmierung samt Ortung der potenziellen Retter auf den Computern der Integrierten Rettungsleitstelle in Ingolstadt scharfgeschaltet worden. Seither gab es laut Hatz 1700 Alarmierungen, bei rund 800 rückten "Mobile Retter" wirklich aus. In 60 Fällen starteten die gerufenen Ersthelfer die Reanimation. "Es gab auch vier bis fünf Fälle, wo unsere Retter die Reanimation alleine durchgeführt haben", berichtet der Neuburger Notarzt. Das heißt im Klartext: Hier hat das System, hier haben die Aktiven dahinter den Patienten vor dem Tod bewahrt.

"Im Schnitt waren wir zwei Minuten, 40 Sekunden schneller vor Ort, als der reguläre Rettungsdienst", berichtet Hatz. Daraus ergebe sich eine um 25 Prozent gesteigerte Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten. Das weckt Interesse: Schon zweimal referierten die Organisatoren im bayerischen Landtag über das Projekt, das ursprünglich in Gütersloh ins Leben gerufen wurde. Bald soll es weitere Nachahmer geben.

Die Mobilen Retter wollen noch schneller werden. Und das gelingt dadurch, dass sich noch mehr potenzielle Ersthelfer anschließen. 330 sind derzeit registriert, doch die Initiatoren haben sich zum Ziel gesetzt, über 600 von ihnen in der ganzen Region 10 zu sammeln. In Frage kommen alle Menschen über 18 Jahren, die in Erster Hilfe fit sind und wissen, was im Notfall zu tun ist: Medizinstudenten oder fertige Ärzte, Krankenpfleger oder Sanitäter, Technische Hilfskräfte oder Arzthelferinnen, Feuerwehrler oder Polizisten, aber auch Rettungsschwimmer mit entsprechender Schulung. Benötigt wird freilich ein Smartphone mit den Betriebssystemen iOS oder Android. Der registrierte Retter aktiviert die App und kann zwischen "bereit" und "nicht bereit" wählen. Bei einem Notfall in der Nähe wird er geortet. Das System fragt bei ihm an, ob er den Einsatz annehmen kann und will. Wenn ja, erhält der Aktive alle nötigen Informationen und macht sich auf den Weg.

Der nächste Kurs findet am 5. Juli in Neuburg statt. "Die Schulung beinhaltet eine Einweisung mit rechtlichen, sozialen und informellen Hinweisen. Der Praxisteil enthält eine erweiterte Reanimationseinweisung für Erwachsene, Jugendliche und Kinder sowie Säuglinge plus eine Defibrillator-Einweisung", erklären die Organisatoren. Weitere Infos gibt's unter www.mobile-retter.de im Internet.