Neuburg: Gesucht: Digitale Kompetenz
Sprach die Sprache der Jugendlichen: Tom Weinert, bei der Polizei in München für das Thema "Neue Medien und Internetkriminalität" zuständig. - Foto: Belzer
Neuburg

Was sind die drei größten Ängste der heutigen Jugend? 1. Kein Wlan. 2. Eine Streamingpause. 3. Zu wenig Akku. Mit dieser launigen Bemerkung begann Tom Weinert seinen Vortrag vor den siebten, achten und neunten Klassen der Maria-Ward-Realschule, den am selben Tag auch die fünften und sechsten, Lehrer und Eltern hörten - doch dann wurde es ernst. Der junge Beamte war mit seiner Wortwahl nah dran an den Schülerinnen: Facebook, Instagram, Whatsapp - das ist sein täglich Brot. Er weiß, was die Jugend im Netz so treibt. Weil dort aber auch einiges schief läuft und Gefahren drohen, von denen die Kinder in ihren kühnsten Träumen nichts ahnen, tourt Weinert durch die Klassenzimmer des Freistaats, um die Schüler auszuklären.

Medienkompetenz: dringend erforderlich, selten vermittelt. Die Kinder und Jugendlichen nutzen wie selbstverständlich ihre Smartphones, wissen aber im Grunde gar nicht, was das alles bedeutet. Woher auch? Ihre Eltern gehören nicht der Generation der "digital natives" an und sind mit den Risiken des Netzes oft selbst überfordert. Also muss die Schule ran. Auf Anregung des Elternbeirats nahm Direktor Heribert Kaiser Kontakt mit der Münchener Polizei auf und lud den Referenten nach Neuburg ein. Im Grunde bräuchte es wohl viel mehr solcher Seminare für die Schüler, aber das ist Zukunftsmusik.

"Digitale Lebenswelten erfordern digitale Kompetenzen", so lautet das Credo von Tom Weinert. Die Zeiten haben sich gewandelt - und zwar rasend schnell. "Was für eine Nächstenliebe und Barmherzigkeit, dass im Internet alles kostenlos ist", sagte der Beamte. "Ihr bezahlt nur mit euren Daten." Und genau da schlummert das Problem. "Wer ist Mitglied bei Facebook" Nur ein paar Arme schießen in die Höhe. "Wer ist bei Whatsapp" Alle Schülerinnen melden sich. "Wer ist beim Bilderdienst Instagram" Auch alle. "Also seid ihr auch alle bei Facebook", sagt Weinert. Ungläubiges Staunen im Kongregationssaal. "Das gehört alles zu Facebook."

Intensiv warnte er die Mädchen davor, die Aktualisierungen auf dem Handy nicht vorzunehmen. "Das ist so, als würdet ihr die Haustür auflassen. Das ist extrem gefährlich." Außerdem dürfe man niemals sein Passwort weitersagen. "Noch nicht mal der besten Freundin", mahnte Weinert. "Ihr müsst euch selbst schützen." Von seiner Arbeit als Beamter berichtete er, wie leicht Facebook-Accounts gehackt werden. "Das ist meistens jemand aus dem Umfeld." Was dann passieren kann: Es werden peinliche Bilder hochgeladen, seltsame Posts verfasst und beleidigende Nachrichten geschrieben.

Genauso gefährlich sei es, von sich selbst Nacktbilder zu verschicken, auf Neudeutsch "sexting" genannt. Erstens: Ist man unter 13 Jahre alt, macht sich der Empfänger der Bilder wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials schuldig. Zweitens: Gelangen die Fotos in die falschen Hände, können sie leicht überall verbreitet werden. "Da sind dann viele Mädchen schon so schlimm gemobbt worden, dass sie sogar die Schule verlassen haben."

Dass das Handy alles von seinen Besitzern speichert, sollten sich die Mädchen bewusst machen, sagte Weinert. "Ihr tragt das größte Spionagegerät mit euch herum. "Ihr solltet eure Daten wie einen persönlichen Schatz betrachten und immer hinterfragen, ob manche Apps wirklich nötig sind und ob man jede Freundschaftsanfrage annimmt."