Die wechselvolle Religionsgeschichte des damaligen Fürstentums Neuburg steht heuer im Mittelpunkt der Sonderausstellung. Reformation und Gegenreformation spielten dort einst eine große Rolle: 1542 wurde es unter Pfalzgraf Ottheinrich evangelisch, ab 1616 folgte unter Wolfgang Wilhelm die Rückkehr zum katholischen Glauben. Und damit verschwanden protestantische Gegenstände größtenteils. Ein Problem für die Ausstellungsmacher des Stadtmuseums, die sich nun über den Fund aus Veitriedhausen freuen.

Dessen Entdeckung war jedoch ein Zufall, wie der dortige Kreisheimatpfleger Alois Sailer erklärt. Der schlicht gehaltene Kelch befand sich verborgen in einer Mauernische im Glockenturm der katholischen Pfarrkirche des rund 250 Einwohner zählenden Dorfes. Dass der Gegenstand derart gut erhalten ist: ebenfalls ein Zufall. Eine Kiste schützte ihn wohl jahrhundertelang vor Korrosion und Zerstörung. „Mein erster Gedanke war, dass das eine großartige Form ist“, sagt Sailer, der vermutet, dass der Kelch in Augsburg entstanden ist. Auch seine erste Einschätzung zum Alter ist mittlerweile von Fachleuten bestätigt. Demnach stammt das Zinnstück aus dem 16. Jahrhundert. Tatsächlich soll es sich sogar um den einzigen erhaltenen evangelischen Abendmahlskelch aus dieser Zeit in Deutschland handeln.

Protestantischer Kelch
Wertvolles Stück: Dieser Kelch ist diesen Sommer in Neuburg zu sehen.?
Stadtmuseum
Neuburg

Voraussichtlich im Juni wird er in Neuburg eintreffen. Von 15. Juli bis 5. November wird er als Teil der Sonderausstellung im Fürstengang zwischen dem Schloss und der Hofkirche zu sehen sein. Danach, darauf beharren die Veitriedhausener, soll das wertvolle Fundstück zurück in das kleine Dorf kommen. Geplant ist, den Kelch in der dortigen Pfarrkirche auszustellen.