Ehrengast im Ruderclub war der bayerische Umweltminister Marcel Huber. Für ihn ist die Donau nicht nur ein Fluss, sie ist ein „Kulturstrom“, wie er sagte, eine Biotopbrücke bis hinunter ins Schwarze Meer, eine Brücke auch für Ideen. „Die Donau ist Teil unserer großen Vergangenheit in Europa, aber auch unserer Zukunft. Und wir tun auch etwas.“ So seien nach dem Zweiten Weltkrieg 43 Milliarden Euro in die Abwasserbeseitigung investiert worden. Und mit der Kursbestimmung, den Fluss nur sanft auszubauen, sei eine Leitentscheidung getroffen worden. Die bayerische Staatsregierung habe ja gesagt zur freifließenden Donau und zum Artenschutz.

Neuburg: Eine Perlenkette von Flutpoldern
Protest zwecklos: Auch wenn sich die Stadtvertreter im weißen Boot abgedrängt fühlten, Sieger waren die Hochwasser- und Katastrophenschützer im gelben Kanadier. Abgeschlagen gingen die Vertreter des Landkreises über die Ziellinie - Fotos: Frank
Neuburg

Doch ein Fluss hat viele Gesichter. Derzeit strömt das Wasser träge dahin. Doch es kann schnell anders werden. Huber erinnerte an das Hochwasser im Mai und Juni 2013. Allein in Bayern standen 3500 Häuser unter Wasser, Hunderte mussten später abgerissen werden. Deutschlandweit entstand ein Schaden von 6,6 Milliarden Euro. 1,8 Milliarden Euro hat der Freistaat in den Hochwasserschutz investiert. „1,6 Milliarden haben wir noch vor uns“, sagte Huber. Diese Gelder hätten ein starke Rendite für Sicherheit und Lebensqualität.

Doch wie sieht der Schutz aus? Die Vernässung von Auwäldern und Mooren ist ein ökologisch wirksamer Baustein. Aber das genügt nicht. Man müsse, so Huber, Hochwasser mit gesteuerten Flutpoldern bekämpfen, so wie es bei Riedensheim in der Gemeinde Rennertshofen geplant und bei Bertoldsheim vorerst angedacht ist. Diese Rückhalteräume seien „nicht für jedes kleine Kracherlhochwasser“ gebaut, sie sollen Spitzen brechen und den Fluten Raum geben. „Wir brauchen an der Donau eine ganze Perlenkette von Flutpoldern“, betonte der Minister. Er appellierte an die Solidarität, denn jeder, der an einem Fluss lebe, müsse sich bewusst machen, dass er einen Ober- und einen Unterlieger habe.

In Riedensheim kann der Flutpolder gebaut werden. Er ist genehmigt und keiner der Grundstückseigentümer hat gegen die Planung geklagt, wie unlängst Christian Leeb, Chef des Ingolstädter Wasserwirtschaftsamtes, dankbar anmerkte.

Die Rede des Umweltministers war eingebettet in den Start der neuen Donau-App „Donauerleben“, die sich jeder kostenlos herunterladen kann. Sie soll den Besuchern des Aueninformationszentrums, der Umweltbildungseinrichtungen und den Besuchern der Donau-Auen Orientierung und Infomöglichkeiten bieten, erklärte Siegfried Geißler, Geschäftsführer des Fördervereins Auenzentrum Neuburg. Vereinsvorsitzender, Altlandrat Richard Keßler, erklärte bei der Präsentation im Ruderclub, dass die Applikation über EU-Fördermittel, die Bayerische Sparkassenstiftung, weitere Sparkassen und den Bayerischen Naturschutzfonds finanziert worden sei. Immerhin hat sie 135 000 Euro gekostet, ist dafür mehrsprachig und von den Anrainern der gesamten Donau nutzbar. In diesem Zusammenhang dankte Keßler dem Geschäftsführer Siegfried Geißler für seine beharrliche, ehrenamtliche Leistung. Den Informationsgehalt der App für die Nutzer, hob auch Landratsstellvertreter Alois Rauscher hervor. Sie solle mehr Naturerfahrung ermöglichen.

Noch bei Sonnenschein startete im Anschluss an die Präsentation eine Gaudiregatta in drei Kanadiern. An den Start gingen Stadträte, Oberbürgermeister Bernhard Gmehling und Kommodore Frank Gräfe gegen ein Boot des Landkreises und eines des Katastrophenschutzes. Letztere hatten an der Ziellinie den Bug vorn. Das Stadtboot kam auf Platz zwei und Schlusslicht war der Landkreis, was womöglich daran gelegen haben mag, dass weder Landrat Roland Weigert noch einer seiner beiden Stellvertreter auf den Ruderbänken zu finden waren.

Ab 18 Uhr stand dann ein Open-Air-Konzert mit vier verschiedenen Bands auf dem Programm. Fast pünktlich setzte da kurzzeitig der Regen ein. Am Rande des Geschehens stellte der Neuburger Horst Schwark eine Sammlung von Fundstücken aus, die er aus der Donau geborgen hat. Dazu gehörten Türschlösser aus der Renaissance, Hähne von Steinschlossgewehren und Hülsen aus dem Zweiten Weltkrieg, aber auch Muscheln und Steine, wie sie für die Donau typisch sind.