Neuburg: Droht die "Apokalypse" im Wald?
Foto: Winfried Rein
Neuburg

Trotzdem holen die Harvester täglich "Käferholz" aus dem Wald. Die schweren Erntemaschinen sind rundum ausgebucht. 15 000 Kubikmeter befallene Fichten und Tannen hat der staatliche Forstbetrieb Kaisheim seit Anfang Juli fällen und entfernen lassen. "Wir beliefern damit die Sägewerke", berichtet Amtschef Helmut Weixler. Der Betrieb hat langfristige Verträge vereinbart. Stämme, die liegen bleiben, kommen in ein Nasslager bei Dillingen. Beregungsanlagen wässern das Holz, es bleibt frisch.

Über natürlichen Regen freuen sich Förster und Holzrechtler in diesem Sommer. Er verschafft geschwächten Nadelbäumen Aufschub. Der Baum wehrt sich mit Harz. Hat ihn der Käfer bereits angebohrt, gibt es meist keine Rettung mehr. Die Insekten unterbrechen den Saftkreislauf, der Nadelbaum stirbt von der Spitze her ab.

Der dritte heiße Sommer nacheinander habe die Lage verschärft, urteilt Seminarförster Alfred Hornung. Bedrohten Bäumen fehle der Saft, und an Windwürfen setzt der Borkenkäfer besonders gerne an. Der Seminarwald weist etliche dieser Lücken im Bereich Rennertshofen auf. Deshalb schicken der Förster und sein Nachfolger Steffen Müller seit Monaten die Erntemaschinen in den Forst der Seminarstiftung. Der gute Kontakt zu Händlern und Sägewerken sichert derzeit noch den Verkauf der Hölzer.

Ein weiterer Hitzesommer könnte sich allerdings "langsam zur Bestandsbedrohung entwickeln", befürchtet Forstmann Alfred Hornung. Diese Bedenken teilten seine Kollegen bei einem Fachtreffen in Denkendorf. Von einer historischen Bedrohung wie in den 30er Jahren war die Rede. 1933 war der "Amerikanische Nutzholzborkenkäfer" eingeschleppt und erstmals in Europa festgestellt worden.

In den 50er Jahren breiteten sich die Schädlinge in Deutschland aus. Buchdrucker und Kupferstecher vernichteten zwischen 2003/2004 tausende Hektar Wald in Bayern. Die Käfer können sich lawinenartig vermehren. Dann sitzen bis zu 80 000 Exemplare auf einem Baum. Die Medien berichteten über eine "krabbelnde Apokalypse".

Ein nasser Spätsommer käme den Forstleuten jetzt gerade recht. Denn die zweite Käfergeneration werde sich bald bemerkbar machen, schätzt Forstdirektor Helmut Weixler. Seine Mannschaft kontrolliert die rund 18 000 Hektar großen Wälder des Kaisheimer Amtes permanent. Manchmal ist es ein Wettlauf: "Wenn man mit einer Fläche fertig ist, fängt es vorne wieder an."