Bis zum 5. März ist die Bücherstube von Hedwig Eser noch an der Ecke Eisengasse und Pfalzstraße untergebracht. Bis dahin profitieren die Kunden auch noch von Sonderverkäufen, um den Bestand zum Umzug möglichst klein zu halten.
Bis zum 5. März ist die Bücherstube von Hedwig Eser noch an der Ecke Eisengasse und Pfalzstraße untergebracht. Bis dahin profitieren die Kunden auch noch von Sonderverkäufen, um den Bestand zum Umzug möglichst klein zu halten. Ab 8. März dann zieht der Laden um und fusioniert mit dem Café Wortschatz, wo zukünftig Cafétische zwischen Bücherregalen stehen.
Schmidt
Neuburg

Der hauptsächliche Grund für diesen Schritt raus aus dem Laden an der Ecke zur Pfalzstraße ist "der Umbruch, den die Brache gerade durchmacht", wie die ausgebildete Buchhändlerin erklärt. Und das hätte nicht nur mit dem Internet und dessen großen Einkaufsplattformen zu tun. "Die Sparte hat sich in den letzten drei Jahren mehr verändert als in den 36 davor", berichtet Eser aus ihren fast 40 Jahren Erfahrung als Buchhändlerin. Das Verhalten der Menschen habe sich gewandelt. "Wir sind noch gefragt als kostenlose Berater, aber nicht als Buchverkäufer", räumt sie ein, "gerade das junge Publikum hat kein Gespür mehr für örtliche Buchhandlungen." Gute Stammkunden hätten sie in den letzten Jahren über Wasser gehalten - doch das funktioniere auf Dauer nicht mehr.

Das habe vor 39 Jahren noch anders ausgesehen. Damals, 1979, als Eser als junge Frau ihre Buchhandlung im heutigen Café Wortschatz am Donau-Ufer eröffnete. Jahrelang verkaufte sie dort Band um Band, ehe sie mit der Bücherstube in die heutigen Räume zog. Das Haus am Fluss jedoch gehört ihr - "mühsam abgestottert", wie sie betont. Von 1994 bis 2011 betrieb Eser in dem heutigen Café noch die Kinderbuchhandlung Bücherwurm - bis zur Donaukaisanierung. Viel Kraft steckte Eser in all diese Projekte. "Leider zu viel des Guten", wie sie heute weiß. Mehrere Buchhandlungen, immer auch ehrenamtliche Kulturarbeit - "das geht an die Kräfte". Heute ist in der Oskar-Wittmann-Straße das Café Wortschatz untergebracht, das Angestellte Esers managen. "Mit der Zusammenlegung habe ich die Möglichkeit, der jungen Generation etwas Gutes zu übergeben. Ein qualifiziertes Netzwerk."

Das Caféhaus und den Buchhandelbetrieb zusammenzulegen, das sei eine "uralte Idee", so die Buchhändlerin. "Daran arbeite ich eigentlich von Anfang an." Doch in den vergangenen drei Jahren ist der Wunsch immer größer geworden. "Das bündelt die Kräfte", so die 66-Jährige.

Aber der Umzug ein paar hundert Meter weiter, dahin, wo alles begann, wird keinesfalls still oder heimlich vonstatten gehen. "Die Bücherstube erfindet sich neu", ist auf den Plakaten zu lesen. Die kündigen auch einen prominenten Gast zur Eröffnung an: Mo Asumang. Die dunkelhäutige Journalistin stellte sich dem Hass und den Anfeindungen von Anhängern von Pegida und Co. Asumang wird aus ihrem Buch "Mo und der Arier" lesen. Eser stieß auf die Frau online: "Ich habe mir einen Film über sie auf YouTube angesehen. Und wer das tut, der versteht, dass sie für weiblich und emanzipiert steht." Denn auch der Tag des Umzugs ist nicht willkürlich gewählt: 8. Mai, Weltfrauentag. Begleitet wird die Eröffnung von einer Ausstellung mit dem Titel "mitten unter uns". Die Vernissage findet parallel zur Eröffnung statt, Volker Möller zeigt Porträts afrikanischer Mitbürgerinnen. "Ich habe lange Heimatveranstaltungen unterstützt", so Eser, "und das ist die neue Heimatarbeit." Sie möchte positiv neu anfangen in den neuen Räumlichkeiten - doch sie muss auch ihren Bestand verringern.Und das sieht man der Bücherstube an. Tischeweise stapeln sich die Sonderangebote. "Alles Bände, die nicht mehr lieferbar sind", so Eser. 10000 oder 15000 Bücher sei sie schon losgeworden.

Noch bis 5. März können die Kunden wie gewohnt in der Bücherstube in der Weinstraße einkaufen. "Und ab 8. März 8 Uhr sind wir dann drüben", so Eser. Im jetzigen Café sind schon die Bilder von den Wänden genommen, um die Bücherregale, die gerade im ersten Stock einlagern, aufzubauen. Zwischen Krimis und Kinderbüchern werden dann die Cafétische stehen. Und auch mit der Kulturarbeit will Eser weitermachen. Stolz präsentiert sie die Wand, wo irgendwann Kunstfilme gezeigt werden sollen. Die Bücherstube wird für die Neuburger indes übrigens nicht ganz verloren gehen. Der Name für das neue Lese-Café soll eine Kombination werden, aus Café Wortschatz - und Bücherstube.