Neuburg: Der kleine Lauschangriff
Wie klingt Neuburg in 3D? Tontechniker Helge Schwarz nahm in dieser Woche die Neuburger Geräuschkulisse auf 16 Kanälen auf. Seine Kunden sind etwa Filmproduzenten. - Foto: Schanz
Neuburg

Sogar ein Polizist sprach ihn an. Doch Schwarz beruhigte: „Ich nehme Sound-Atmos auf.“

Der 45-jährige Münchener war mit dem Bayerischen Rundfunk auf Betriebsausflug in Neuburg – und nutzte die Zeit, um gleich ein paar Töne zu sammeln. „Man weiß nie, wofür man es braucht“, erklärte der Tontechniker, der sich eine Online-Datenbank für Sounds aller Art aufbaut. Wenn sich ein Kinoregisseur zum Beispiel das Rauschen der Wellen, das Schreien der Möwen und das Lachen der Kinder am Strand für eine Szene vorstellt, kann er sich die Atmo bei Schwarz kaufen und herunterladen – so das Geschäftsmodell. Jetzt richtete der 45-Jährige seine Mikros also kurzerhand auf die Ecke Schmidstraße/Rosenstraße: Vorbeifahrende Autos, das Scheppern eines Kleiderständers, der über das Pflaster gezogen wird, brabbelnde Passanten und ein röhrendes Mofa – so klingt Neuburg also.

Das Besondere an den Aufnahmen des Müncheners ist die Dreidimensionalität. Mit mehreren Mikros nimmt er auf 16 Kanälen auf. Je besser das Kino, desto facettenreicher die Geräuschkulisse: Im besten Fall hört es sich so an, als würde das Polizeiauto von hinten rechts nach links vorne brettern. „Da fühlt sich der Zuhörer viel mehr eingebunden“, sagte Schwarz und erklärte die Unterschiede zwischen den gängigen Dolby Digital 5.1 und 7.1 sowie den neuen Verfahren Dolby Atmo oder Auro-3D, die theoretisch eine unbegrenzte Anzahl von Tonspuren erlauben. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, man kann den Gesamtsound auch aus mehreren Monosounds zusammenbasteln“, erklärt der Tontechniker. In Neuburg nahm er aber gleich in 3D auf.