Drei junge Ehekirchener erlebten den Jahreswechsel im Zug. Eigentlich hatten sie um Mitternacht längst in der Kultfabrik am Ostbahnhof sein wollen, doch nachdem der Münchener Hauptbahnhof gesperrt worden war, stoppte ihr Zug gegen 22.30 Uhr irgendwo auf freier Strecke. Wo genau, das weiß Christian Andraschko nicht. Die ersten Durchsagen des Zugpersonals verrieten nicht einmal den Grund, lediglich, dass der Hauptbahnhof gesperrt sei. „Später hieß es dann schon, dass es eine Terrorwarnung gäbe“, erzählt der 25-Jährige. Angst hatte er nicht, aber jeder wäre gern aus dem Zug herausgekommen, denn „es war ziemlich langweilig“.

Kurz nach Mitternacht setzte sich der Zug schließlich wieder in Bewegung, gegen 0.30 Uhr landeten die Ehekirchener in Dachau, wo sie im guten Glauben, die U-Bahn fahre ebenfalls nicht, einen Kneipenbummel machten. In der Kultfabrik kamen sie erst um 3 Uhr an, nachdem sie erfahren hatten, dass die U-Bahn normal verkehrte. Dort war die Stimmung gut, „ganz normal“, wie Christian findet. Thema war die Terrorwarnung seiner Wahrnehmung nach zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht (mehr). „Dumm gelaufen“, bilanziert er, aber schließlich ginge Sicherheit vor. Um 5.30 Uhr, als der Hauptbahnhof wieder freigegeben war, machten sich die Ausflügler wieder auf in die Heimat.

Einige Neuburger waren derweil schon früher nach München gefahren, um mit Freunden zu feiern. Eine zehnköpfige Studentengruppe im knapp zwei Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt liegenden Balde-Haus, einem vom Studienseminar betriebenen Studentenwohnheim, hatte eigentlich geplant, den Jahreswechsel auf dem Olympiaberg zu verbringen, alternativ war der Königsplatz angedacht gewesen. Gegen 23 Uhr erfuhren die jungen Männer über soziale Medien von der Terrorwarnung. „Wir haben abgewogen und auch überlegt, im Wohnheim zu bleiben“, erzählt der 20-jährige Oliver. Letztlich aber entschlossen sie sich alle dazu, Richtung Königsplatz zu gehen, wo allerdings nicht allzu viel los war. Die Warnung für den Pasinger Bahnhof sei ihnen ziemlich unwahrscheinlich vorgekommen, sagt er, den Hauptbahnhof sahen sie schon eher als Risiko an. Die Information habe bestens funktioniert, zumindest alle gut vernetzten jungen Leute hätten Bescheid gewusst, ist er sich sicher. Nachdem die U-Bahn, die kurzzeitig auch gesperrt und abgesucht worden war, wieder fuhr, hatten die Studenten auch kein Problem damit, auf dem Rückweg von ihrer Kneipentour die durch den Hauptbahnhof fahrende U-Bahnlinie zu nutzen. „Dass keiner mehr ausgeht, das wäre es ja gerade, was die Terroristen wollen“, begründet Oliver den Ausflug.

Rennertshofens Bürgermeister Georg Hirschbeck war von seinem Sohn, der ebenfalls zu der Gruppe gehörte, zwar informiert worden, dass es eine Sperrung am Hauptbahnhof gebe, die ganze Brisanz ist ihm aber erst später bewusst geworden. „Wir haben gedacht, das sei nur ein weiterer Sprengstoffalarm oder ein Trittbrettfahrer“, sagt er, „dass es sich um eine konkrete Terrorwarnung der Geheimdienste mit Täter- und Ortsangabe handelte, haben wir erst später erfahren“. Sonst wäre es ihm schon ziemlich mulmig gewesen. Zwar hatte er nachgehakt, „und da bist du noch unterwegs“, doch Georg junior hatte versprochen, weit genug weg vom Bahnhof zu bleiben. Im Nachhinein waren die Eltern dann sehr erleichtert, dass nichts passiert ist. „Aber man fragt sich schon, wie sicher wir in Zukunft sein können“, meint Hirschbeck. Die Polizei habe richtig gehandelt, es sei wichtig, den Bürgern Sicherheit zu geben, ohne zu verunsichern.

In Thalkirchen hat die gebürtige Neuburgerin Stefanie Peschik, die seit September in München als Lehrerin arbeitet, zu Hause mit Freunden Silvester gefeiert. Obwohl sie nicht einmal vorhatte, ins Zentrum zu fahren, blieb auch sie nicht unberührt. Ziemlich zeitnah gegen 23 Uhr hatte jemand aus dem Kreis über sein Smartphone die Terrorwarnung mitbekommen und natürlich war das sofort Thema. „Wir waren erst einmal baff – man will es nicht glauben, dass der Terror so nahe ist“, erzählt die 29-Jährige. „Ich glaube, selbst wenn ich es vorgehabt hätte, wäre ich nach der Warnung nicht mehr rausgegangen“, sagt Peschik. Zwar dürfe der Terror nicht sein Ziel erreichen, das Leben lahmzulegen, aber provozieren müsse man ja nichts, wenn die Polizei schon warne. Letztlich aber könne überall etwas passieren, am ehesten dann, wenn niemand damit rechne. Die Polizei habe tolle Arbeit geleistet, findet sie und äußert Respekt für die vielen Bereitschaftspolizisten, die sich ihren Silvesterabend sicher anders vorgestellt hatten. Am Samstag ist sie dann ins Stadtzentrum gefahren, wo es deutlich ruhiger als sonst zuging. „Und die Polizeipräsenz war sehr hoch“, berichtet sie.