Nicht nur Parteifreunde, bald vielleicht schon Kollegen? Die Freien Wähler, hier die Abgeordnete Eva Gottstein und Fraktionschef Hubert Aiwanger (r.), wollen Landrat Roland Weigert (l.) als Landtagskandidaten haben.
Nicht nur Parteifreunde, bald vielleicht schon Kollegen? Die Freien Wähler, hier die Abgeordnete Eva Gottstein und Fraktionschef Hubert Aiwanger (r.), wollen Landrat Roland Weigert (l.) als Landtagskandidaten haben. Weigert hat sich noch nicht entschieden.
Freie Wähler
Neuburg

Der parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion der Freien Wähler hatte einmal mehr seinen "Casting-Blick", wie er es selbst beschreibt, schweifen lassen, als seine Fraktion in Neuburg zur Klausur zusammengekommen war. Und dieser Blick fiel auf Roland Weigert (FW). Streibl, Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten, der 1993 über die Amigo-Affäre gestolpert ist und zurücktreten musste, schlug im Kreis von Parlamentariern, Delegierten, Kreis- und Stadträten Weigert als Direktkandidaten für den Landtag vor. Nachdem CSU-Chef Horst Seehofer wohl nicht mehr als Kandidat im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen antreten werde, müssten die Freien Wähler einen starken Bewerber ins Rennen schicken. "Und gibt es einen stärkeren Kandidaten als den Landrat?", lautete Streibls rhetorische Frage. "Ich rechne im Chancen aus", versicherte er.

Weigert ließ den Vorstoß des oberbayerischen Bezirksvorsitzenden zunächst unkommentiert. "Die Zeit der Entscheidung ist noch nicht da." Nun gelte es Gespräche mit den Parteifreunden zu führen. "Reden, nachdenken, entscheiden", formuliert der Landrat die für ihn gültige Reihenfolge. Das Angebot sei durchaus reizvoll. Andererseits habe er als Landrat in seinem Heimatlandkreis Weichen gestellt wie beim Kreiskrankenhaus Schrobenhausen, das er erhalten möchte, und wichtige Entscheidungen herbeigeführt wie die zum Neubau der Paul-Winter-Realschule und zum Neubau der Donauquerung in Bertoldsheim und anderer Projekte. Die Frage der Kandidatur bedürfe eines "fundierten Entscheidungsprozesses". Dazu möchte er auch mit den Freien Wählern an der Basis sprechen. Leicht wird sich Weigert die Entscheidung nicht machen. Dass sein Herz für den Landkreis schlägt, hat er immer wieder glaubhaft zum Ausdruck gebracht, und viel investiert, auch körperlich und nervlich, um Chef am Platz der Deutschen Einheit zu werden, was ihm bislang in zwei Wahlgängen souverän gelungen ist.

"Reden, nachdenken, entscheiden."

Landrat Roland Weigert

 

An der Basis fällt Streibls Vorschlag zumindest beim Vorsitzenden der FW-Kreisvereinigung, Florian Herold, auf fruchtbaren Boden. Ein Mandat sei erstrebenswert und Roland Weigert eine renommierte Person. "Ich finde den Ansatz gut", sagt Herold. Er werde den Landrat seiner Partei als Kandidat vorschlagen und hoffe, dass Weigert im Februar von den maximal 60 Mitgliedern, die auch dem Landesverband angehören, offiziell nominiert wird.

 

KOMMENTAR

Es ist ein Kreuz mit diesen Provinzfürsten. Die einen, wie Jakob Kreidl, versenken sich selbst mit opulenten Geburtstagsfeiern, finanziert von der Sparkasse. Die anderen bringen etwas zustande, entwickeln ihren Kreis allen Widrigkeiten zum Trotz, können über Parteigrenzen hinweg verhandeln, Strategien entwickeln und kokettieren dann mit der Hinterbank im Landtag. So wie Roland Weigert, der jetzt als Landtagskandidat der Freien Wähler im Gespräch ist. Weigert überlegt noch. Vordenken ist angesagt, nicht nachdenken. Der Macher aus dem Moos und Fraktionschef Hubert Aiwanger - zwischen beide hat ein gütiges Schicksal viele Kilometer bayerischen Asphalt gelegt - das geht nicht gut. Weigert ist ein Schlachtross, das unter den Ackergäulen im Maximilianeum seine Ressourcen nicht entfalten kann. Ein Parteisoldat ist er obendrein nicht. Das hat er bei der Bundestagswahl bewiesen, als er nicht der FW-Kandidatin sondern Werner Widuckel von der SPD seine Stimme gegeben hat. Und dann sind da noch die Wähler. 58,3 Prozent wollten ihn 2014 als Chef im Landratsamt sehen. Sie haben ihm das Vertrauen geschenkt. Das ist Last und Lust zugleich, eine Hypothek, die abgetragen werden muss.

Häufig streben Hinterbänkler aus dem Landtag das Amt eines Landrates an. Wenn Weigert nun den umgekehrten Weg gehen sollte, dann kann das ein Marsch in die Bedeutungslosigkeit werden.

| K. P. Frank