Neuburg: Der "Fliegerpfarrer" ist mit 90 noch nicht müde
Viel zu berichten gibt es über die Kirche und den FC Bayern: OB Bernhard Gmehling gratuliert Pfarrer Walter Hroß (rechts) zum 90. - Foto: r
Neuburg

Am Sonntag ehrt ihn die Pfarrgemeinde mit einem Festgottesdienst in der Kirche St. Nikolaus in Sinning mit anschließendem Empfang. Er kann als Anerkennung für die Disziplin gelten, mit der der Studiendirektor a.D. an jedem Sonntag noch zweimal zelebriert. Beliebt sind auch seine kurzen und klaren Predigten. "Ein Gottesdienst darf nur so lange dauern wie eine Halbzeit beim Fußball", findet der FC-Bayern-Anhänger.

Eine Serie von Glückwünschen, telefonisch und schriftlich, erreichte Pfarrer Walter Hroß am Mittwoch. Kollege Helmut Bullinger wünschte Gesundheit, wie notwendig sie ist, weiß der 95-jährige Pfarrer von Zell am besten. Axel Kalkowski brachte eine Urkunde für 25 Jahre Unterstützung des Verschönerungsvereins vorbei. Oberbürgermeister Bernhard Gmehling gratulierte wie an jedem runden Geburtstag. "Wie Sie in den Pfarreien mithelfen und ihren eigenen Haushalt bewältigen, das nötigt mir großen Respekt ab", so der OB. Er bezeichnet den Fliegerpfarrer als "Institution in Neuburg". Das Gespräch drehte sich bald um den 3:1-Sieg der Bayern gegen Paris Saint-Germain.

Walter Hroß kennt den Priestermangel in der Diözese Augsburg. Deshalb hilft er in Seelsorge und Liturgie mit, solange die Gesundheit es erlaubt. Vom Zölibat hält der kritische Geistliche nicht so viel: "Wenn sie die Priester heiraten ließen, dann gäbe es weniger Probleme." Sein theologisches Verständnis ist pragmatisch und orientiert sich an der Gegenwart.

Walter Hroß stammt aus Brünn, musste mit 17 in den Weltkrieg ziehen. Nach sowjetischer Gefangenschaft wartete er vergeblich auf seinen Vater Josef, der im Krieg vermisst bzw. gefallen ist. 1954 weihte ihn Kardinal Josef Freundorfer in der Münchener Ludwigskirche zum Priester. Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., war sein Studienfreund, dem er einmal mit seinem Talar ausgeholfen hatte. Mit Eugen Häußler, 36 Jahre lang Pfarrer in St. Ulrich Neuburg, war er eng befreundet. Von den 27 Anwärtern seines Priesterjahrgangs ist Walter Hroß heute der einzige Überlebende. Seine Liebe zur Fliegerei war geboren, seit ihn Helfer mit 15 in einem "SG 38 Schulgleiter" mit Gummibändern auf einer Salzburger Anhöhe in die Luft beförderten. Nach dem Krieg machte er den Flugschein, wurde Pilot und versierter Segelflieger. 1977 schaffte er sogar die bayerische Meisterschaft. In der Fluggruppe Neuburg ist er der Grandseigneur. Dem Verein schenkte er das letzte seiner neun Flugzeuge.

Von seinen Abenteuern in 6000 unfallfreien Flugstunden erzählte Walter Hroß anschaulich im Religionsunterricht. Generationen von Berufsschülern können darüber berichten - und erinnern sich gern an ihren früheren Lehrer.

Der Verehrer von Otto Lilienthal sollte eigentlich eine Pfarrei übernehmen. Doch Berufsschuldirektor Gastl "wollte mich unbedingt." Also ging er in den Schuldienst - und zum Fliegen. Ganz gemäß seines Primizspruches: "Wie Gott will, bin ich bereit."