Neuburg: Den Opfern ein Gesicht geben
Portraits aller einzelnen NSU-Opfer präsentierte Birgit Mair (rechts) vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, die für die Gestaltung und Ausarbeitung der Ausstellung verantwortlich zeichnet. Links Pfarrer Gerhard Steiner, der die Ausstellung nach Neuburg holte. - Foto: Schanz
Neuburg

„Wir wollten wirklich keine Nazi-Ausstellung machen“, erklärte Birgit Mair vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung bei der Eröffnung am Freitag. Auf Beschreibungen der Täter habe man bewusst verzichtet. Stattdessen finden sich auf den Schautafeln zum Teil unveröffentlichte Fotos der Opfer. „Die Familien haben uns diese ganz privaten Bilder zur Verfügung gestellt“, erklärte Mair. Den Angehörigen sei es ein Anliegen, die Erinnerung an die Ermordeten reinzuwaschen. Viel zu lange mussten sie mit Stigmatisierungen und Kriminalisierungen leben, wurden selbst verdächtigt, statt als Opfer wahrgenommen zu werden. So sieht man Habil Kilic stolz in die Kamera grinsen, seine Frau und seine beiden Kinder im Arm.

Doch auch der Verlauf der Ermittlungen wird dargestellt – wie eine Anklage wirken Zitate der Fahnder, die terroristische oder rechtsextreme Hintergründe immer wieder kategorisch ausschlossen und lieber von „Döner-Morden“ sprachen. Für die Ausstellung besuchte Birgit Mair fast alle Sitzungen des bayerischen Untersuchungsausschusses zum Nationalsozialistischen Untergrund, sprach mit Angehörigen, las einen Großteil der Sitzungsprotokolle zum aktuellen NSU-Prozess in München. „Wir werden nie erfahren, wer alles von diesen Morden wusste“, sagt die Nürnbergerin. In ihrer Heimatstadt begann die Serie mit dem Mord an dem Blumenhändler Enver Simsek. „Ich habe mittlerweile nicht nur die Nürnberger Tatorte alle besucht“, erzählte Mair.

„Diese Ausstellung ist eine Herausforderung, dass wir uns mit dem Thema auseinandersetzen“, sagte Pfarrer Gerhard Steiner von der Initiative für Menschenwürde, gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt, der die Schau nach Neuburg geholt hat. „Beim Thema Rechtsextremismus geht es ja nicht um ein NSU-Trio, sondern es geht um die Frage, wie unsere Gesellschaft mit rechter Gewalt umgeht“, sagte der Stadtrat. Dabei mache er sich mehr Sorgen wegen der Herren im weißen Hemdkragen, als um die Glatzen mit den weißen Schnürsenkeln. „Es ist eine Herausforderung, auch am Stammtisch den Mund aufzumachen, wenn ausländerfeindliche Sprüche fallen“, sagte Steiner.

Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 23. Mai, im Foyer des Landratsamtes zu sehen. Kostenpflichtige Führungen können unter Telefon (0176) 62 94 31 52 vereinbart werden.