Neuburg: Kraterlandschaft nach der Bombensuche
Das Sprengkommando holte in erster Linie Schrottmetall aus dem Boden des Geländes am Nato-Flugplatz (unten).
Winnie Rein
Neuburg

Die Sportanlagen sind also "entmunitioniert" - aber auch ein bisschen ruiniert. Kleine Krater bis zu eineinhalb Meter tief durchziehen den Hauptplatz und zwei Trainingsfelder des Fußballclubs Zell/Bruck. Aber jetzt beginnt die Punktrunde für die Erste Mannschaft, und auch die Jugend will wieder im Freien spielen.

Vereinschef Stefan Fischer ist alles andere als begeistert über die Lage. Aber er sagt eindeutig: "Die Stadt hat richtig gehandelt, die Plätze mussten auf Bomben sondiert werden." Nun allerdings sollte zumindest der große Trainingsplatz rasch saniert werden. Die Aktiven behelfen sich mit Hallentraining, üben auf kraterfreien Randflächen und verlegen die Heimspiele nach auswärts. "Wir gehen davon aus, dass wir an Ostern wieder auf den Platz können", hofft der Vereinsvorsitzende.

Oberbürgermeister Bernhard Gmehling kennt das Dilemma nur allzu gut. Die Bombensuche rund um Zell beschäftigt die Stadt seit zwei Jahren. Beim stadteigenen Sportgelände habe man gehandelt und die Gartenbaufirma Haas (Roggenzell) mit der Sanierung beauftragt. Es ist ein Auftrag von rund 45 000 Euro. Er gehe davon aus, so der OB, dass die Firma in dieser Woche mit den Arbeiten beginne: Löcher füllen, Kiesschicht und Drainagen berücksichtigen, Rasenstücke einsetzen.

Beim Zeller Hauptplatz wird es länger dauern. Im Untergrund fanden sich neben Altmetall etliche Betonbrocken. Hier läuft es auf eine Generalsanierung hinaus. Das heißt, die Stadt müsste den Sportplatz aufgraben und neu anlegen lassen. Mit Kosten bis 100 000 Euro wird gerechnet.

Der Verein scheint sich damit abzufinden, dass sein angestammtes Spielfeld damit lange ausfallen wird. "Die Plätze waren in einem guten Zustand, da stecken tausende ehrenamtliche Arbeitsstunden drin", weiß Vorsitzender Stefan Fischer. Einer kompletten Erneuerung des Platzes stehe aus Sicht des Fußballclubs nichts entgegen, wenn der zweite Platz bespielbar ist.

Auf dem neuen Platz kickte bereits die Erste Mannschaft in der Bezirksoberliga zu besten Zeiten des FC Zell/Bruck. Der Verein wird heuer 70 Jahre alt. Seitdem wird im "Zeller Eichet" Fußball gespielt, ohne dass die Mannschaften an Fliegerbomben und Granaten unter dem Rasen dachten. Man könnte sagen, dass der Verein jetzt unverschuldet von der Vergangenheit eingeholt worden ist.

Als im direkten Umgriff der Sportplätze Spezialisten scharfe Munition aus dem Boden holten, gaben die Stadtvertreter als Grundeigentümer den Auftrag, auch die Plätze mit Metalldetektoren zu untersuchen und bei Funden aufzugraben. Am 6. Dezember entschärfte der Sprengmeister eine Splitterbombe, die Polizei sperrte die Umgebung.

Auf einem Acker neben der Flugplatzeinfahrt, der im Zuge der geplanten B-16-Verlegung untersucht wurde, kamen eine 25-Kilogramm-Bombe, Altmetall und zwei Triebwerke des Düsenjägers Messerschmitt 262 zum Vorschein. Der weltweit erste Düsenjäger war 1944 als "Geheimwaffe" vom Zeller Flugplatz aus gestartet.

Der Platz hatte vor allem wegen der Flugzeugwerft militärisches Gewicht. Im Februar/März 1945 pulverisierten alliierte Bomber den Flugplatz fast völlig. Am 21. März ließen 366 Bomber des Typs "Liberator" der 15. US-Luftflotte 800 Tonnen Bomben auf Zell fallen. 271 Bomber gaben dem Flugplatz am 24. März den Rest. Weil trotzdem noch vereinzelt Maschinen ausgeflogen werden konnten, ging bei der letzten Bombardierung am 9. April durch die 8. US-Luftflotte endgültig alles in Trümmer.

Nach Kriegsende schoben Einheimische etliche dieser Flugzeugtrümmer in die Bombentrichter. Langsam wuchs Gras über die verfüllten Löcher, die Fußballfreunde gründeten 1947 einen Verein und richteten im "Eichet" ihre Heimstatt ein.