Neuburg: Töpfermarkt steht auf dem Prüfstand
Foto: Winfried Rein
Neuburg

60 Töpferwerkstätten von Brunnen bis Dortmund und Litauen waren vertreten. Großes Geld ist mit dem Markt nicht verdient, sagt Organisatorin Claudia Unger, aber die Werkstätten leben vom Verkauf und in Neuburg gehört das Töpfer-Wochenende seit 38 Jahren zum festen Programm.

Fritz Seebauer hatte ihn, damals noch belächelt, 1979 eingeführt. Heute zählt er zur festen Größe im Terminkalender, obwohl die Anzahl ähnlicher Veranstaltungen gewachsen ist. "Gut und konstant" sei der Neuburger Markt, meint Keramikmeisterin Susann Babion aus Freiburg, seit 20 Jahren im Marstall präsent. In Freiburg und im Breisgau gebe es schöne Märkte, "der Süden schätzt Keramik."

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Klaus Heigl will da nicht widersprechen. Aber das Brot der Werkstätten, das Angehen gegen Industrieware und Internet, "ist hart verdient". Der Münchner Handwerksmeister bedauert den Nachwuchsmangel in seiner Branche. Einige junge Meisterinnen sind nachgerückt. Töpfern wird weiblich.

Knut Winkelsdorf präsentiert stilisierte Aktfiguren und schlanke Vasen in Sondergröße. Horst Schmid-Köhler (Betziggau) überrascht wieder mit glasierten Holzasche-Gefäßen in schönsten Farben. Gabi Weber aus Neumarkt lässt Eisvögel fliegen und darunter Schlangen kriechen. Die Nattern und Ottern sind allesamt Unikate. "Wer zurückschreckt, kauft natürlich keine", hat die Töpferin beobachtet. Dennoch haben sich in Neuburg erstaunlich viele Kunden Kreuzottern, Kobras und eine Kupferkopfnatter (35 bis 100 Euro) für den Garten mitgenommen.

Bernadas Arcikauskas aus Litauen setzt auf Kleindekor. Seine Kollegen daheim produzieren im Winter, "und dann ziehe ich damit auf die europäischen Märkte." In Neuburg hat der Litauer seinen Stammplatz am Ausgang des Marstallhofes.

Familie Patz aus St. Peter in der Steiermark kommt seit 20 Jahren zum Neuburger Töpfermarkt. Stammkunden holen sich ihr Kürbiskernöl und die feinen Liköre. Sie bereichern den Bauernmarkt, auf dem Direktvermarkter Dinkelbrot, Kaminwurz, Griebenschmalz und Schaffelle anbieten. Dazu gibt es Verköstigung mit Töpferbier und Rahmflecken.

Am Samstag hielt sich der Zuspruch in Grenzen, am Sonntag war es eng in der Altstadt. Der Töpfermarkt gehöre zu den Attraktionen des Neuburger Herbstes, betonte Bürgermeister Hans Habermeyer zur Eröffnung. Er habe großen Respekt vor der Organisation und der Entwicklung des Marktes. Gesichert ist sein Fortbestand allerdings nicht. Claudia Unger verweist auf 10 000 Euro Werbungskosten im Vorfeld, außerdem verlange die Stadt Miete für Marstall und Hof. Ohne familiäre Helfer und die zwei Euro Eintritt sei die Veranstaltung nicht zu stemmen. Von der Philosophie, nur Qualität im Angebot zuzulassen, gehe man nicht ab. Claudia Unger: "Sollte es finanziell nicht mehr umgehen, dann ist Schluss."