Neuburg: Linke will Möldersvereinigung überprüfen
Das Gedenken am Grab von Werner Mölders auf dem Invalidenfriedhof in Berlin gehört zur Traditionspflege der Möldersvereinigung, auf dem Bild vertreten durch deren Vorsitzenden Oberst a. D. Helmut Ruppert (vorne rechts). ‹ŒArch - fotos: privat/Frank
Neuburg

Die Basisorganisation der Neuburger Linken hat sich mit dem düsteren Erbe der Wehrmacht befasst, wie ihr Sprecher Roland Keller (Foto) mitteilt. Dabei sei es auch um die Traditionspflege beim Taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg und die von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen angekündigten "Säuberungen" in den Kasernen gegangen. Nun wollen die Linken über ihre Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter nach Worten ihres Sprechers Roland Keller "konkret erfahren, welche Maßnahmen in Neuburg eingeleitet wurden, um so Rechtsstaatlichkeit und Demokratie im Sinne des Grundgesetzes gerade auch in der Bundeswehr sicherzustellen. Besonders soll geklärt werden, ob die bisherige Unterstützung des Namensgebers Werner Mölders durch die Möldersvereinigung innerhalb des Kasernengeländes weiterhin geduldet werden darf".

Eine berechtigte oder eindimensionale Sicht der Dinge? Für den Bundestagsabgeordneten Reinhard Brandl (CSU) ist die Möldersvereinigung kein Teil der Bundeswehr. Ihre Traditionspflege stehe außerdem im geschichtlichen Kontext. In der Kaserne im französischen Illkirch sei das völlig anders gewesen. Die war durch den terrorverdächtigen Oberleutnant Franco A. in die Schlagzeilen geraten. Dort habe es sich ganz isoliert um Wehrmachtsdevotionalien gehandelt. "Wenn Mölders im Kontext gesehen wird, dann ist das Teil der Geschwadergeschichte. Und man darf zu seiner Geschichte stehen", findet Brandl. "Was die Linke versucht, ist das Ganze in einen Kontext mit dem Rechtsextremismus zu stellen. Das ist absolut deplatziert und eine Diffamierung."

Mit ihrer Anfrage im Bundestag wollen Keller und Co. wissen, "wie oft und wann hat sich die Möldersvereinigung laut Kenntnis der Bundeswehr seit der Umbenennung 2005 in Räumlichkeiten der Bundeswehr versammelt und was waren die Anlässe" Die Linke bezieht sich auf das Jahr 2005, weil das Geschwader damals den Namen Mölders auf Geheiß von Verteidigungsminister Peter Struck ablegen musste.

Es war der 11. März 2005. Im Rahmen eines Appells wurden der Ehrenname aberkannt, das Fahnenband abgenommen und die Ärmelbänder der Soldaten abgelegt. Die Aberkennung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollzogen wurde, empfanden viele Militärs als demütigend. 32 Jahre hatte das Neuburger Geschwader den Namen Mölders mit Stolz getragen - und das mit dem Segen des jeweiligen Bundespräsidenten.

Mölders war bereits 1998 ins Kreuzfeuer der PDS geraten, weil er Mitglied der Legion Condor gewesen war. 1998 beschloss der Bundestag, im Plenum saßen damals nur 27 Abgeordnete, dass es kein ehrendes Gedenken für Mitglieder der Legion Condor geben dürfe. Also auch kein Geschwader mit dem Namen Mölders. Der Beschluss war zwar gefasst, die Verteidigungsminister Volker Rühe und Rudolf Scharping setzten ihn in der Folgezeit aber nicht um. Anfangs kümmerte sich auch Peter Struck nicht darum. Erst als der Druck auf ihn zu groß wurde, nahm er dem Geschwader den Namen, billigte aber, wie Mölderianer und Generalmajor a. D. Gunter Lange in einem Gastbeitrag in unserer Zeitung im September 2016 darlegte, "die Fortführung der bisherigen Zusammenarbeit" des Geschwaders mit der Möldersvereinigung. So ist es auch geblieben. Beispielsweise hat die Geschwaderzeitschrift "Der Mölderianer" die Redaktionsadresse Wilhelm-Frankl-Kaserne. Herausgeber ist die Möldersvereinigung. Lange sieht den hochdekorierten Jagdflieger, der am 22. November 1941 in Breslau bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, durch neuere Forschungsarbeiten "als Mensch und Soldat rehabilitiert".

Eine Auffassung, die die Linke keineswegs teilt. Roland Keller: "Auch wenn die Beantwortung der Kleinen Anfrage noch einige Wochen dauern wird, ist sich die Neuburger Linke mit der Bundestagsfraktion einig, dass die Möldersverherrlichung endlich ein Ende finden muss und auch der sogenannten Möldersvereinigung die offizielle Unterstützung im Sinne des Tagesbefehls der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen versagt wird."