Alles klar soweit? Kurz vor Drehbeginn stimmt sich Regisseurin Christina Schmid noch mit ihren Schauspielern ab.
Alles klar soweit? Kurz vor Drehbeginn stimmt sich Regisseurin Christina Schmid noch mit ihren Schauspielern ab. Derweil werden im Hintergrund Kamera und Ton in Position gebracht.
Wittmann
Neuburg

„Okay, let’s try noch einmal“, ruft Avishek Shovakar mit einer Mischung aus Deutsch und Englisch. Ihm gehört am Freitag am Neuburger Amtsgericht eine der beiden Hauptrollen. Shovakar ist der Chef an der Kamera und somit die rechte Hand von Christina Schmid. Sie und ihre Filmcrew haben einen Sitzungssaal in Beschlag genommen und daraus ein kleines Filmstudio gemacht. Ihre Mission: der Dreh einer Gerichtsszene für den Film „Zwei Welten“, das erste große Filmprojekt der jungen Regisseurin aus dem niederbayerischen Abensberg.

Los ging es bereits morgens. Gegen 6 Uhr waren Schauspieler und die Filmcrew aus München angereist. Mit im Gepäck: Drei große Kameras, Lichttechnik en masse und einige Requisiten. Schon vor 8 Uhr trieben sich neben Christina Schmid und Avishek Shovakar eine ganze Reihe an Richtern, ein Staatsanwalt, ein Rechtsanwalt, Regie- und Kamerahelfer sowie Licht- und Tontechniker im Sitzungssaal herum.

Und doch – keine Spur von Chaos, alles geht einen geregelten Weg. Große Verzögerungen sind nicht eingeplant. Schließlich ist der August mit insgesamt 14 Drehtagen an 20 Orten eh schon ziemlich vollgepackt. Einzig die Komparsen, die Christina Schmid mit einem Aufruf im DONAUKURIER gesucht hatte (siehe Interview unten), wirken noch ein wenig verunsichert. Aber dank der Anweisungen der Regisseurin und des Kamerachefs („Lauter sprechen!“; „Weiter nach links setzten““) entwickelt jeder schnell ein Gefühl der Sicherheit auf doch ungewohntem Terrain.

Weiter geht’s. Der Vorsitzende verliest die ersten Sätze des Urteils, als plötzlich die Tür aufgeht und eine Zeugin mit einem lauten „Grüß Gott zusammen“ den Sitzungssaal betritt. Zugegeben, das stand zwar so nicht im Drehbuch, bringt aber niemanden aus der Fassung, sondern sorgt eher für Lacher. Überhaupt, so freundschaftlich wie am Freitag geht es am Neuburger Amtsgericht sonst nicht zu – das gilt natürlich nur für die Pausen, denn während der Verhandlung kommt es sehr wohl zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen, einem Rausschmiss aus dem Sitzungssaal inklusive. Die Verbannten können es sicher verkraften, schließlich standen auf dem Flur Getränke, Obst und Knabbereien für die Crew parat. Auch Kaffee war reichlich vorhanden, damit ja niemand müde wird. Denn die Filmcrew musste am Neuburger Amtsgericht ordentlich Gas geben, gezwungenermaßen. Denn gegen Mittag war für Schmid und Co. der Drehtag noch lange nicht beendet. Im Anschluss ging es noch weiter nach Abensberg, die Heimat der Regisseurin. Bis dahin haben sich alle Schauspieler, ob Profis oder Komparsen, so in ihre Rolle versetzt, dass kaum noch zu erkennen war, dass alles nur gespielt ist.

Wittmann, Florian
Neuburg

DREI FRAGEN AN. . .

. . . Christina Schmid. Die junge Regisseurin hat sich in einer Pause zu den Dreharbeiten von „Zwei Welten“ in Neuburg Zeit für ein kurzes Gespräch genommen.

 

Frau Schmid, wie sind Sie mit den Arbeitsbedingungen in Neuburg zufrieden?

Christina Schmid: Alles ganz wunderbar. Die Bedingungen sind wirklich optimal. Der Saal passt perfekt, zumal es ja noch ein älterer Saal ist. Das kommt uns natürlich etwas besser entgegen, als wenn wir in einem neueren, aber dann wohl sterilerem Raum, drehen würden. Es ist schön, wenn der Boden knarzt.

 

Sie waren ja im Vorfeld auf Komparsensuche. Wie ist die Ausbeute? Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Schmid: Die Komparsen machen ihre Sache gut, da gibt es nichts zu meckern. Dass genug Leute gekommen sind, macht das Arbeiten insgesamt natürlich um einiges einfacher. Danke auch noch einmal an eure Zeitung, dass ihr mich bei der Komparsensuche tatkräftigunterstützt habt.

 

Haben Sie Angst, dass in Neuburg etwas schiefgeht?

Schmid: Nein, nicht wirklich. Klar, es kann immer mal etwas in die Hose gehen beim Dreh. Aber die Anfahrt nach Neuburg ist absolut problemlos verlaufen, die Bedingungen sind gut und die Witterungsbedingungen hier spielen für mich und die Crew sowieso keine Rolle, weil wir ja Gott sei Dank hier im Amtsgericht arbeiten können.

 

Das Gespräch führte Florian Wittmann. | Foto: Wittmann