Neuburg: Ab an die Urne!
Foto: Florian Wittmann
Neuburg

Neuburg (DK) Ein Zettel, zwei Stimmen, viele Möglichkeiten. Aber was tun? Wie eine Wahl funktioniert, wussten viele Jugendliche in Neuburg bisher nur in der Theorie. Am Freitag durften einige Mädchen und Jungen das erste Mal selbst an die Urne. An drei Schulen und im Jugendzentrum fand eine Schnupperwahl statt. Alles war so stilecht wie möglich.

Neun Wahlkabinen, Dutzende Stifte, jede Menge originalgetreue Wahlzettel, Wahlhelfer und natürlich eine Urne. Man hätte meinen können, die offizielle Bundestagswahl sei am Descartes-Gymnasium, der Paul-Winter-Realschule und der Maria-Ward-Schule um eine Woche vorgezogen worden. Hunderte Schüler haben am Freitagvormittag bereits ihr Kreuzchen gemacht - für die allermeisten von ihnen war es eine Premiere.

So übrigens auch für das Descartes-Gymnasium. Es war nämlich das erste Mal, dass die Schule bei der Juniorwahl mitmacht, einem europaweiten Projekt, dass Jugendliche zum Wählen motivieren und deren politische Interessen wecken soll. Laut Homepage der Organisatoren von Kumulus - einem gemeinnützigen und überparteilichen Verein aus Berlin - nehmen 2017 zirka 3400 Schulen mit fast einer Million Jugendlichen teil.

Bereits zum Ende des vergangenen Schuljahres bereiteten Steffi Sauerlacher und ihre Kolleginnen die Mädchen und Jungen an einem Projekttag vor. "Das Interesse der Schüler war von Anfang an da, sie haben super mitgemacht", erzählt die Fachbetreuerin für Geschichte und Sozialkunde. Als sich die Schüler in die Sommerferien 2017 verabschiedeten, hatten sie schon auf viele Fragen eine Antwort: Was ist eine Wahl eigentlich? Wie wird gewählt? Wer darf seine Stimme abgeben?

Über den Wahltag am Gymnasium, an dem sich zirka 260 Schüler der drei zehnten Klassen sowie der Q 11 und Q 12 beteiligten, sagt Sauerlacher: "Alles soll so stilecht wie möglich sein."

Also braucht es auch Wahlhelfer, einer von ihnen ist Philipp Hein. Dem Schüler der Q 12 macht die Juniorwahl Spaß: "Es ist spannend, das Ganze einmal aus nächster Nähe mitzubekommen", sagt er. Mehr Zeit bleibt nicht, denn schon muss er die nächsten Wahlzettel austeilen. Amelie Zerhaft, Celina Peters und Theresa Herb aus der Q 11 sind die nächsten, die ihre Stimme abgeben wollen.

Das Trio wirkt anfangs ein wenig erstaunt, wie groß das Papier ist und wie viele Möglichkeiten es gibt, das Kreuz zu setzen. Probleme beim Ausfüllen gibt es aber nicht. "Die drei haben halt im Unterricht gut aufgepasst", ruft jemand aus dem Hintergrund. Dann ist Schichtwechsel bei den Wahlhelfern. Ina Dollinger und Isabel Fieger übernehmen. Stimmzettel austeilen, abhaken, wer da war, und Tipps geben. Die beiden legen eine erstaunliche Routine an den Tag. Als der Umschlag von Simon Briegelmeir nicht gleich durch den Schlitz der Urne passt, zeigen die beiden Schülerinnen ihrem Kollegen aus der Q 11 den richtigen Trick - und schon hat auch Simon sein Votum zur Bundestagswahl abgegeben. Die Mädchen und Jungen sind alle bestens gelaunt. Manche von ihnen zelebrieren die Wahl geradezu und lassen sich eine Menge Zeit.

Sauerlacher ist sehr zufrieden damit, wie der Schnuppertag läuft. "Der Zuspruch ist riesig. Manche Schüler können die Wahl gar nicht erwarten", sagt sie. Und dann gebe es noch etwas, dass man der echten Bundestagswahl sogar voraushabe. "Am Descartes-Gymnasium erreichen wir wahrscheinlich eine Wahlbeteiligung von 100 Prozent."

Das Wahllokal im ersten Stock hat bis 13 Uhr geöffnet, dann werden die Stimmen ausgezählt. "Veröffentlicht wird das Ergebnis aber erst am Tag nach der Bundestagswahl", so die Lehrerin. Das seien die Spielregeln. Man wolle auch in Zukunft einen Fokus auf die politische Bildung richten. Einerseits müsse es das Ziel sein, die Kinder so früh wie möglich an die Themen heranzuführen. Andererseits dürften die Kinder aber auch nicht überfordert werden.

Eine Plattform für die Stimme der Heranwachsenden hat am Freitag auch das Neuburger Jugendzentrum geboten und am Nachmittag zur U-18-Wahl geladen. Klingt anders als die Juniorwahl, funktioniert aber so ähnlich. Die Initiative des Deutschen Jugendrings hat auch das Neuburger Juze und die Kolping-Jugend angesprochen. In Bayern haben laut Organisatoren 180 Wahllokale geöffnet.

"Kinder und Jugendliche beschäftigen sich mit dem politischen Geschehen und treffen für sich eine Wahlentscheidung", erklärt Guido Büttner vom Jugendzentrum. Es gebe bei der U-18-Wahl sogar eine Berichterstattung im Internet auf der Seite www.alex-berlin.de und auf Youtube-Live. "Die ersten Hochrechnungen und Gesprächsrunden kann man bei diesem Projekt auch über das Internet mitverfolgen, so Büttner. Von dem politischen Interesse der Jugendlichen ist er angetan: "Es ist absolut wichtig, dass die Wahl den Mädchen und Jungen nicht egal ist. Sonst könnte man sich die Mühe ja sparen."