Neuburg: Digitaler Fluch und Segen
Foto: Sebastian Schanz
Neuburg

Ein spektakulärer Sternenhimmel über dem Latourdenkmal bei Oberhausen ist kein leichtes Motiv. Hier ist die Digitalisierung eine echte Erleichterung: DK-Fotograf Jörg Mattick wählte ein Stativ, eine hohe Lichtempfindlichkeit (ISO 2500) und eine lange Belichtungszeit von rund zwölf Sekunden und drückte auf den Fernauslöser. In der Originaldatei (RAW) liegt ein grauer Schleier über dem Bild. Ein paar Klicks im Bildbearbeitungsprogramm (Lightroom) lüften den Schleier, lassen die Sterne funkeln und nur noch die Milchstraße milchig aussehen.

"Man kann im Digitalen alles machen, aber ich will bewusst nur Feintuning betreiben", sagt der junge Fotograf zu seinen Arbeiten. Sein erfahrener Berufskollege Mario Ratzel sieht das ganz ähnlich. "Die digitale Fotografie lässt sich nicht mehr von der Bildbearbeitung trennen", sagt er in seinem Cityfotostudio in der Luitpoldstraße. Die modernen RAW-Formate setzten es voraus, dass gewisse Parameter wie Belichtung, Kontrast und Farbtiefe am Regler nachjustiert werden. In der Neuburger Volkshochschule gibt er Kurse in Bildbearbeitung, kennt zahlreiche der zahllosen Funktionen moderner Profiprogramme. Doch auch er setzt sich Grenzen. "Es sollte alles im Rahmen bleiben", sagt er und erzählt von Kunden, die keine einzige Falte mehr zeigen wollen, obwohl mit jeder Falte auch Persönlichkeit verschwindet. "Eine Kollegin von mir hat mal einem Kunden gesagt: Das ist ein Fotoapparat und kein chirurgisches Werkzeug", erzählt Ratzel und grinst. Letztlich müsste jeder Kunde und Fotograf selbst seine Grenze setzen, denn die Möglichkeiten der Bearbeitung sind unbegrenzt.

Doch die Digitalisierung hat weitaus mehr Facetten. Die Speichermöglichkeiten zum Beispiel. Statt Dias, Negativen und Fotobüchern vereinfachen heute digitale Speicher das Geschäft enorm. "Schade ist es aber, dass die Menschen unzählige Fotos auf ihren Chips und Handys haben, aber nur wenige an der Wand hängen", sagt Ratzel.

Der erfahrene Fotograf - seit 1977 ist er Profi - hätte sich auch nicht träumen lassen, dass er mal mit Drohnen und 360-Grad-Kameras arbeiten würde. Doch beide Techniken ermöglichen ihm ganz neue Perspektiven, nicht nur bei der Immobilienfotografie, die er - wie seine Kollegen auch - selbstverständlich im Internet präsentiert.

Wie sieht die Fotografie im Jahr 2025 aus? "Ich denke, dass für mich als Fotograf immer noch das Foto im Mittelpunkt steht, aber in Sachen Vereinfachung und Automatisierung sind wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange", antwortet Ratzel.