W. Willrich: Oberstleutnant Mölders einer unserer erfolgreichst
Kampfflieger Werner Mölders auf einer Propagandapostkarte der NS-Diktatur.
Bundesarchiv
Neuburg

Nach dem Aufschrei über rechtsextreme Vorkommnisse in der Bundeswehr sah die Linke eine gute Gelegenheit, erneut gegen die Neuburger Möldersvereinigung mobil zu machen. Der Verein, der sich dem Andenken des Jagdfliegers im Zweiten Weltkrieg und späteren Namensgebers des Neuburger Jagdgeschwaders gewidmet hat, dürfe von der Bundeswehr nicht unterstützt werden, so ihre Forderung.

Im Rahmen einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung legt die Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter und die Fraktion Die Linke den Finger in die Wunde. „Was ist der Bundesregierung über die Verstrickung und Unterstützung des ehemaligen Namensgebers Werner Mölders für die menschenverachtenden Ziele des Nationalsozialismus bekannt und wie bewertet sie diese vor dem Hintergrund der Inneren Führung?“, heißt es darin konkret. In der Antwort distanziert sich die Bundesregierung von Werner Mölders: „Vor dem Hintergrund der an den demokratischen Freiheitswerten ausgerichteten Konzeption der Inneren Führung und des in dieser Konzeption zugrundeliegenden Leitbildes des mündigen Staatsbürgers in Uniform ist Werner Mölders nicht sinnstiftend für die Bundeswehr und daher auch nicht traditionswürdig.“

Diese letzten beiden Worte sind laut den Linken bemerkenswert. „Das ist das erste Mal, dass das von der Bundesregierung so klar gesagt worden ist“, erklärt Roland Keller, der Sprecher der Neuburger Basisorganisation, im Pressegespräch. „Mölders ist kein Vorbild, nicht traditionswürdig, obwohl das in Neuburg so oft anders dargestellt worden ist.“

Die Forderungen der Linken sind klar. Erstens: „Die Möldersvereinigung muss raus aus der Kaserne“, sagt Bulling-Schröter. Zweitens: Der Mölders-Gedenkstein muss weg. Drittens: Die Geschwaderzeitschrift sollte nicht mehr Mölderianer heißen. Eine strikte Trennung also, zwischen dem Taktischen Luftwaffengeschwader 74 und seinem ehemaligen Namensgeber Werner Mölders.

Für Helmut Ruppert, den Vorsitzenden der Möldersvereinigung, ist das ein alter Hut. „Das ist überhaupt nichts Neues“, sagt er zur Antwort der Bundesregierung. „Die Linke wühlt alle Jahre und arbeitet sich wieder an dem Thema ab.“ Die Möldersvereinigung entspreche der Entscheidung des Verteidigungsministers Peter Struck von 2005. „Wir haben Gastrecht in der Kaserne und das werden wir weiter wahrnehmen“, stellt Ruppert klar.

32 Jahre hatte Mölders das Fahnenband und die Ärmelbänder der Neuburger Flieger und Soldaten geprägt, bis der Ehrenname 2005 aberkannt wurde. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit: Schon 1998 hatte die PDS das Thema aufgebracht. Der Bundestag beschloss, dass kein Mitglied der Legion Condor Namensgeber sein dürfe. Verteidigungsminister Peter Struck beugte sich schließlich dem politischen Druck.

Die Zusammenarbeit des Geschwaders mit der Möldersvereinigung, die in Neuburg viele Unterstützer hat, blieb dennoch bestehen – geduldet von Berlin. „Unser Verein fördert die Kameradschaft zwischen Aktiven und Ehemaligen und fördert die Traditionsarbeit“, sagt Ruppert. Als Gast in der Kaserne sei man einer von mehreren Vereinen, vom Tennisclub bis zur Offiziersheim-Gesellschaft. Im Impressum der Geschwaderzeitschrift „Der Mölderianer“ steht die Wilhelm-Frankl-Kaserne als Redaktionsadresse. Herausgeber ist die Möldersvereinigung, weil das Geschwader selbst keine Medien herausbringen darf.

Auch damit soll nach dem Willen der Linken nun Schluss sein. „Es ist immer noch so, dass sich die Möldersvereinigung in der Kaserne aufhält und dort Veranstaltungen hat. Das geht nicht mehr“, kritisiert Bulling-Schröter.

In ihrer Anfrage wollte sie auch alle Namen und Dienstränge von Soldaten wissen, die Mitglieder in der Möldersvereinigung sind – erhielt jedoch keine Antwort.