Konstruktive Diskussionen im Marktgemeinderat: ?Ich will bei allen Sonderthemen die eigentliche Arbeit im Rathaus nicht aus den Augen verlieren?, sagt Hirschbeck.
Konstruktive Diskussionen im Marktgemeinderat: „Ich will bei allen Sonderthemen die eigentliche Arbeit im Rathaus nicht aus den Augen verlieren“, sagt Hirschbeck.
Schanz
Rennertshofen
„Die sagen immer: ,Ja Kruzinesen, Schorsch, Du bist ja überall dabei‘.“ Dann muss er grinsen: „Immerhin kann ich noch darüber lachen.“

 

Gab es einen Moment, als er am liebsten alles hingeschmissen hätte? „Nein“, antwortet er ohne Zögern. „Ich habe mir den Schritt im Vorfeld gut überlegt.“ Am Anfang sei ihm gar nicht so bewusst gewesen, wie viel da auf ihn als frisch gewählten Bürgermeister einprasselt. „Da kriegst Du richtig eine zentriert.“ Und heute? Die Stromtrasse ist vom Tisch. Der Flutpolder Bertoldsheim nicht, hier wird es frühestens 2019 einen Beschluss geben. Und die Schnaken? Die sind heuer nicht so zahlreich. Wie die Larve der Überschwemmungsmücke kann das Thema aber jederzeit wieder emporsteigen, wenn das Wetter länger feucht bleibt.

Die Schnaken: Vor dem Rennertshofener Rathaus attackierten zahlreiche Demonstranten ihren Bürgermeister scharf und unfair. Ein Moment, an den er sich bis heute ungern erinnert..
Die Schnaken: Vor dem Rennertshofener Rathaus attackierten zahlreiche Demonstranten ihren Bürgermeister scharf und unfair. Ein Moment, an den er sich bis heute ungern erinnert.
Schanz, Sebastian, Eichstätt
Rennertshofen

Apropos Schnaken: Bei der Geschichte hat es zum ersten Mal in Hirschbecks Amtszeit richtig gestaubt. Noch heute ärgert er sich, wenn er erzählt, wie ihn seine Gemeinderäte bei der Demo vor dem Rathaus sprichwörtlich im Regen stehengelassen haben. Unten schimpften die verärgerten Bürger auf Hirschbeck ein, als habe er die Schnaken persönlich in die Gemeinde eingeladen. „Oben war der Gemeinderat gehockt, da war ich richtig sauer. ,Bin ich denn euer Prellbock‘, hab ich gefragt.“ Die dicke Luft ist längst verzogen, dennoch habe er in diesem Moment gelernt, wie hoch die Ansprüche der Bürger und wie aggressiv die Stimmung umschlagen kann. An seinem Amtsverständnis habe dies aber nichts geändert. „Das Rathaus steht jedem offen“, sagt Hirschbeck. Und noch etwas ist ihm in dem Zusammenhang wichtig: „Ich will bei allen Sonderthemen die eigentliche Arbeit im Rathaus nicht aus den Augen verlieren.“

Die Stromtrasse machte den Menschen in Rennertshofen Angst ? der frisch gewählte Bürgermeister Georg Hirschbeck schlug sich von Anfang an auf die Seite der Bürgerinitiative gegen das Projekt..
Die Stromtrasse machte den Menschen in Rennertshofen Angst – der frisch gewählte Bürgermeister Georg Hirschbeck schlug sich von Anfang an auf die Seite der Bürgerinitiative gegen das Projekt.
Schanz, Sebastian, Eichstätt
Rennertshofen

Denn davon gibt es auch so schon viel genug. Von seinem Vorgänger und heutigem Altbürgermeister Ernst Gebert hat Hirschbeck einen Haushalt ohne Schulden übernommen – doch auch teure Pflichtaufgaben, die sich nun nicht länger aufschieben lassen. Die Sanierung des Kanalnetzes ist im vollen Gange. Die Ortsteile in den nördlichen Hügeln sind neu verrohrt, andernorts graben die Bagger. Was noch fehlt, ist eine neue Kläranlage. „Wir haben nur noch bis 2020 eine Betriebserlaubnis, die Technik ist veraltet.“ Die Suche nach einem Standort läuft. Kandidaten am Wertstoffhof Hatzenhofen und am Stauwerk Bertoldsheim sind in der Prüfung.

Der Flutpolder Bertoldsheim brachte die Menschen erneut auf die Straße.
Der Flutpolder Bertoldsheim brachte die Menschen erneut auf die Straße. Bis heute ist keine Entscheidung darüber getroffen, ob das Hochwasserschutzprojekt etwas wird. Hirschbeck ist dagegen.
Schanz, Sebastian, Eichstätt
Rennertshofen

Größtes Mammutprojekt ist die Schule. Hier hat der Marktgemeinderat den wichtigsten Grundsatzbeschluss gefasst: für einen Neubau. Die Planungen gehen weiter. Das Sportgelände des FC Rennertshofen sieht Hirschbeck ebenfalls als eine Art Pflichtaufgabe für seine Gemeinde. Und dann wären da noch die vielen Straßen, die einer Sanierung bedürfen – eine Straßenausbausatzung soll Klarheit schaffen, wo am dringlichsten Handlungsbedarf besteht. Der starke Zuzug und neue Baugebiete fordern Investitionen in Kindergärten und Infrastruktur.

„Da kriegst Du richtig eine zentriert.“

Georg Hirschbeck zu den vielen Problemen

 

Nach der Pflicht folgt die Kür: Das Kinoseum fiele in diese Kategorie. Doch angesichts der vielen unvermeidlichen Ausgaben scheint die Realisierung unwahrscheinlich. Auch ohne wird jeder Rennertshofener Bürger rein rechnerisch bald eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1000 Euro haben. „Aber wenn ich die Wahl habe, zwischen der Verschuldung mit einer schönen Schule oder keines von beidem, wähle ich die Verschuldung“, sagt Hirschbeck.

Um die vielen großen Projekte anzugehen, hat sich der Marktgemeinderat vor einigen Wochen für eine Klausur nach Rain zurückgezogen – eine Innovation, die Hirschbeck eingeführt hat. „Das hat sich bewährt, weil man konstruktiv arbeiten kann“, sagt er dazu und blickt positiv auf die nächsten drei Jahre. Bleibt abzuwarten, welche Sonderthemen ihn künftig noch erwarten.

 

Kein Wunder, dass dieser Mann Karate kann: Georg Hirschbeck ist Träger des Schwarzen Gürtels, der Ehrenauszeichnung in dieser Sportart. „Karate ist die Kunst der Verteidigung“, sagt er zu seinem Hobby, das der 57-Jährige seit 40 Jahren erfolgreich ausübt. „Für mich ist das Körperertüchtigung.“ Der Sport war und ist ein guter Ausgleich zum Beruf: 32 Jahre lang war Hirschbeck im Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen tätig, zuletzt als IT-Experte – nachvollziehbar, wenn er in Gemeinderatssitzungen am liebsten selbst die Maus und den Beamer bedient. Nach Jahrzehnten als Beamter war der Wechsel ins Rennertshofener Rathaus ein tief empfundener Wunsch. 2014 gelang ihm das auf Anhieb. Mit 56,42 Prozent setzte sich der CSU-Kandidat aus Bertoldsheim gegen Ulrike Polleichtner von den Freien Wählern durch, die 35,07 Prozent erzielte und heute Dritte Bürgermeisterin ist. Am Wahlabend zitterten Hirschbecks Frau Sofie, seine beiden Söhne und seine Tochter mit ihm – und feierten später den deutlichen Wahlsieg. | | szs