Grasheim: De Stianghausratschn
Sie legte so richtig los - und das Publikum dankte es ihr mit Applausstürmen und Lachsalven: Beim Auftritt von Rosi Spielberger in Grasheim blieb kein Auge trocken. - Foto: Hammerl
Grasheim

Ein wenig Skepsis hat sie schon mitgebracht, denn Fans haben sie vor dem Donaumoos gewarnt, "Mösler sind die, die mit Socken ins Schwimmbad gehen, damit man die Schwimmhäute nicht sieht". Doch das sagen ja andere, "nicht ich", und so legt die Musikkabarettistin auch im Moos einfach los mit einem musikalischen Bairisch-Kurs, damit sie sicher sein kann, dass ihr Publikum sie auch wirklich versteht. Das tut es auch, weitgehend jedenfalls.

"I bin a Ratsch'n", gibt die Rosi unumwunden im nächsten Lied zu, schließlich "soll jeder machen, was er am besten kann". Und Leute ausrichten, jawohl, das kann sie - ob musikalisch in schönster bayerischer Liedermachertradition, dichtend oder im Handpuppenspiel, wenn sie diese ehrenwerte Aufgabe, die es jedem gleich besser gehen lässt, an Frau Gescheit und Frau Haferl überträgt. Wer neuerdings Sektenmitglied, wer schwanger ist und von wem - Themen gibt es schließlich genug. Auch innerhalb der eigenen Familie. "Meine Geschichten sind alle wahr, und wenn nicht, dann sag ich's dazu", kündigt die sympathische Allrounderin an, deren ausgeprägter Humor und Wortwitz ebenso punkten wie ihr musikalisches Können und ihre ausgezeichnete, klangschöne Stimme.

Das Spiel mit dem Publikum beherrscht sie bestens. Da ist das "Lied für Pärchen, die sich nicht mehr mögen". Leicht hat sie es zwar nicht, Adressaten dafür zu finden, doch schließlich darf sich ein Pärchen an einem der vorderen Tische in dem zweifelhaften Vergnügen sonnen. Zum Lohn fürs Aussingen gibt's später eine CD der Künstlerin.

Häufiger als die Zuschauer sind ihre Familienmitglieder Gegenstand der Lieder, denn wenn die Stianghausratschn etwas aufregt, dann schreibt sie ein Lied und sich damit den Frust von der Seele. Ihr Lieblingsthema sind Männer, im Besonderen der eigene, der die Technik bedient und gelassen lächelt, wenn sie von gemeinsamen Baumarkterlebnissen erzählt und nach zwei Stunden sowie einem Schrecken an der Kasse bilanziert: "Ich geh' nie wieder mit - und den ganzen Baumarkt wollte ich nicht kaufen." Weniger gelassen reagiert der Anton, wenn sie ihr Lieblingslied zum Besten gibt, das sie geschrieben hat, als er so arg schnarchte, dass sie nicht schlafen konnte. Dann kommentiert er vom Pult aus und sie droht ihm, wenn er die Technik nicht richtig betreue, "zieh ich dir's vom Gehalt ab". So richtig aus der Ruhe aber kommt er nach der Pause, als tatsächlich das Headset streikt. Was die beiden an die 20 Minuten Zeit kostet, die sie aber gekonnt überbrückt, in dem sie mit viel Selbstironie und Humor ihre Späße dazu macht und auch später immer wieder anmerkt "ich rühr' mich nicht vom Fleck" (damit die Technik nicht wieder ausfällt).

Dem ältesten Sohn hat sie zum Auszug aus dem elterlichen Haus einen gelungenen Bayerischen Reggae gewidmet und seinen Standardspruch, "Mama, chill' mal", will sie ihm dann zurückgeben, sollte er eines Tages beichten müssen, dass "meine Freundin ein Kind bekommt - und das ist von mir". Letzteres sei allerdings noch nicht wahr, der Rest des Liedes schon. Hightech-Kaffeeautomat, Schlacht bei Aldi, Partnersuche ihrer Freundin Moni, Hotel Mama, das sind ihre Themen, nur die Politik, die spart sie aus, denn "das können die Leute schon nicht mehr hören".

Kräftiger Applaus und drei Zugaben zeigen, dass Franz Frei vom Donaumoos-Kulturbrettl wieder einmal ein sicheres Gespür für seine Künstlerwahl hatte - die Stinaghausratschn ist bestens angekommen im Donaumoos, die Mösler haben ihr die Schwimmhäute offenbar nachgesehen.