: Freundschaften pflegen und Kontakte knüpfen
Verbunden seit der Schulzeit: Die beiden Vorsitzenden der Studiengenossenschaft Thomas Rein und Toni Lutz, Oberbürgermeister Bernhard Gmehling, MdL Achim Werner, Bürgermeister Horst Gutjahr und stellvertretender Schulleiter Martin Winter (von rechts). - Foto: Heumann
Das regelmäßige Abhalten solcher Studienfeste gehört durchaus zum Sinn dieser altehrwürdigen, schon etwas ergrauten, jetzt mit neuem Leben beflügelten Einrichtung. Freundschaften zu pflegen, von der Schulzeit weg, im Studium, später dann im Berufsleben, bildet den vornehmsten Zweck. Sich über Erlebtes austauschen, noch einmal in Erinnerung an alte Streiche schwelgen, ist die eine Seite. Die andere hat bis heute einen ganz praktischen Sinn. In verschiedenen Studienorten unterhält die Studiengenossenschaft Stammtische: Einmal im Monat zu vereinbarter, oftmals schon seit Jahrzehnten ritualisierter Zeit, am stets gleichen Tisch, kommt man zusammen. In losester Form treffen hier der Jungspund und der alte Herr aufeinander, und meist hat letzterer noch immer die eine oder andere nützliche wie hilfreiche Kontaktadresse parat. Die Genossenschaft gibt auch eine eigene Zeitung heraus, die mehrmals jährlich Geistvolles mit dem aktuellsten Tratsch verbindet.

 
Noch enger waren die Kontakte ehedem, als das Neuburger Studienseminar wirklich noch ein Seminar, sprich ein Schülerheim war. Und so tauschen sich auch heute beim Festakt Oberbürgermeister Bernhard Gmehling und der Vorsitzende der Studiengenossenschaft Toni Lutz ganz selbstverständlich miteinander aus, "weißt Du noch, als wir damals einen Schlafsaal miteinander (und mit einigen anderen noch) teilten" Aber es gehört bald zu jedem Treffen dieser Art dazu, wieder ein Stück Veränderungen mehr, den Wandel der Zeit hautnah am einst so vertrauten Ort zu erfahren.

Verbundenheit und Freundschaft bekunden nach Lutz und OB auch Martin Winter als amtierender Schulleiter, der den noch immer erkrankten Franz Hofmeier vertrat. Indirekt wenigstens hier ein Stück versöhnlich stimmender Wiedergutmachung, als Stiftungsdirektor Alfred Hornung Teile des alten "Studienseminärs" – Alt-Neuburger Sprachbesonderheit dieses nicht erklärliche "ä" – als neues Gymnasium präsentieren kann.

Eine rhetorische Köstlichkeit der Festvortrag des Münchner Philologieprofessors Wilfried Stroh über Jacob Balde, den absoluten Shootingstar der Barockdichtung, der viele Jahre in Neuburg verbrachte und gefeiert wurde wie heute nur Popstars. Und wohl weil lateinisch schreibend, so sehr in Vergessenheit geriet. Wie so was gehe? Neuburgs Gymnasium, ruft der Redner ins Bewusstsein, das sich im direkten Erbe von Jacob Baldes Jesuitenkolleg weiß, liefert das schönste Beispiel, entschied es sich bei seiner Namensgebung mit René Descartes "für den modernen Rationalismus und gegen die alte Spiritualität."

Klassische Klänge durch Olivia Friemel und ihre Freude zum Festakt, Businen dann, die auf den Festabend in der Schloss-Dürnitz einstimmten, mittelalterliche Klänge bildeten den Rahmen. Und noch einmal ein absolutes kulturelles Highlight, als Marcus Sterk, Studiengenosse und Münchner Organist mit dem Chor der Altschwabinger Sankt Sylvester-Kirche den Gottesdienst am Sonntag in der Hofkirche mit Mozart und Vivaldi und hochkarätigsten Solisten dazu zum konzertanten Ereignis werden ließ.