Manching: Neben Chemikalien auch ein Waffenlager
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr waren am Montag bis zum späten Abend an dem Manchinger Haus gefordert. Neben rund 30 Kilogramm Chemikalien hortete der Eigentümer dort jede Menge Waffen - bis zu 20 Pistolen und Revolver sowie an die 15 Gewehre.
Schmidtner

"Die Untersuchung der Gegenstände wurde noch am Montagabend angestoßen", berichtete die Polizeiinspektion gestern Vormittag. Die Ingolstädter Beamten hatten am Montagabend die in dem Haus gefundenen und von der Feuerwehr abtransportierten Chemikalien - zwischen 20 und 30 Kilogramm - in einem Spezialraum zwischengelagert. Das war nach Aussagen der Polizei aber nur möglich, weil es lupenreine, also keine bereits vermischten Stoffe waren.

Zudem fanden die Beamten beim Betreten der Wohnung gegen 8.30 Uhr offen herumliegende Waffen und Munition. Die Polizei sprach gestern von "15 bis 20 Kurzwaffen" und "10 bis 15 Langwaffen". Da viele der Waffen nach Angaben der Polizeiinspektion in Einzelteile zerlegt waren, ließ sich auch am Tag danach die Anzahl der Pistolen und Gewehre noch nicht genau beziffern. Zu den Waffen kamen noch mehrere Kisten Munition, die noch genauer begutachtet werden müssen. Die Kanister mit zunächst unbekannten Chemikalien wurden nach Angaben der Polizei "am frühen Dienstagmorgen von einer Fachfirma abgeholt und fachgerecht gelagert".

Wie berichtet, hatte ein Gerichtsvollzieher die Polizei am Montagvormittag zu Hilfe gerufen, weil der 46-jährige Hauseigentümer bei einer Pfändung die Türe nicht geöffnet hatte. Dabei trafen die Beamten nach Polizeiangaben auf einen "äußerst aggressiven und unkooperativen Mann", der nach der Aussage eines Polizeisprechers sowohl auf den Gerichtsvollzieher als auch auf die Beamten aggressiv losging. Wegen dieses Verhaltens wurde der Mann, so die Polizei, "zur Verhinderung von Straftaten in Gewahrsam genommen". Sogar auf der Wache im Ingolstädter Polizeipräsidium soll der Mann aggressiv geblieben sein, "beschäftigte auch dort die eingesetzten Kräfte", so die Polizei. Er habe den Beamten unter anderem mit Schlägen gedroht und sagte, er werde ihnen "alle Knochen brechen". Die Staatsanwaltschaft ordnete daher am Montag die vorläufige Festnahme des Mannes an und erwirkte einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss für den gesamten Gebäudekomplex in der Ankoferstraße. Deshalb rückte die Polizei am Nachmittag gegen 16.45 Uhr erneut an.

Warum der Mann am Montagabend dann wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, obwohl der Grund für das Waffenarsenal und die Chemikalien noch nicht bekannt sind, erklärte Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer im Gespräch mit dem DK: "Als sich der Mann am späten Nachmittag beruhigt hatte und die Sicherstellung in Manching abgeschlossen war, war der Zweck der Gewahrsamnahme erfüllt." Da in den Augen der Polizei keine Fluchtgefahr besteht und der Mann einen festen Wohnsitz vorweisen kann, sei er freigelassen worden.

Zudem erklärte Kammerer: In einer so aggressiven Stimmung wie am Montag bringe ein Verhör oft nicht den gewünschten Erfolg. "Erfahrungsgemäß ist ein Verhör in einer anderen Atmosphäre gewinnbringender." Der beschuldigte Manchinger wird in den nächsten Tagen verhört. Kammerer, der auch noch erklärte, die Polizei habe am Montag noch gar nicht genau gewusst, um welche Waffen oder Chemikalien es gehe, sagte: "Uns interessiert natürlich die Herkunft der Waffen, ebenso, welche Motivation er hatte, diese und auch die Chemikalien zu besitzen."

Nun erwartet den Manchinger auf jeden Fall ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz, und das nach Angaben der Polizei "nicht das erste Mal". Kammerer: "Wir wissen, dass der 45-Jährige keine Waffenerlaubnis hat. Und es wurden Waffen gefunden, für die er eine Waffenerlaubnis braucht."

Die Chemikalien untersuchte ein Experte der Technischen Sondergruppe des Landeskriminalamtes, die für die Beseitigung von explosionsverdächtigen Gegenständen zuständig ist. Kammerer: "Es gab und gibt keine Anhaltspunkte, dass der Mann durch den Besitz dieser Chemikalien gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen hat." Bis der Schlussbericht vorliegt, wird es laut Kammerer mehrere Wochen dauern. Dann entscheidet die Staatsanwaltschaft, welches Verfahren eingeleitet wird.

Gestern war es dann wie immer in der Ankoferstraße: ruhig.