Manching: Aufregung bei Zwangsräumung: Polizei entdeckt große Mengen Chemikalien
Rund 30 Kilogramm ungemischte Chemikalien stellte die Polizei in diesem Manchinger Haus sicher.
Schmidtner

Dienstgruppenleiter Richard Dankmeier von der Polizeiinspektion in Ingolstadt erklärte gegen 20 Uhr auf DK-Anfrage, vorerst stünde nur fest, dass lupenreine Chemikalien, also unvermischt, gefunden worden seien. "Was aber aus diesen Chemikalien hergestellt werden könnte, wird erst ein Spezialist beurteilen", so Dankmeier. Gestern Abend wurden die Stoffe in einem Spezialraum der Ingolstädter Polizei gelagert, die Feuerwehr hatte sie angeliefert.

Die ermittelnden Beamten konnten gestern Abend in Manching keine Aussagen zum Festgenommenen machen, die Nachbarn aber wussten einiges: "Der Mann war sehr unangenehm", sagte einer, "Bei dem haben sie doch früher schon einmal Waffen gefunden", wusste ein anderer. Belegt war gestern wohl nur, dass laut der Technischen Sondergruppe der Polizei rund 30 Kilogramm Chemikalien in dem Einfamilienhaus gefunden wurden. Das war auch die Information der Manchinger Feuerwehr, die mit zwei Einsatzfahrzeugen in der Ankoferstraße stand. Gegen 18 Uhr traf ein Chemiker ein, der die gefundenen Substanzen einordnen sollte.

Manching: Auf den Gerichtsvollzieher folgt der Großeinsatz
"Es bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für die Nachbarn": Dieses Einfamilienhaus in Manching wurde gestern bis in die Nachtstunden von der Polizei durchsucht. Neben den großen Mengen Chemikalien befand sich auch dieses Gewehr im Haus.
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Den ersten Polizeieinsatz hatte vormittags der Gerichtsvollzieher ausgelöst. Der 45-jährige Bewohner ließ ihn nicht in das Haus, das nach Polizeiangaben zwangsgeräumt werden soll. Er wurde festgenommen und auf die Wache gebracht.

Nach dem Öffnen fanden die Beamten Waffen, Munition und Kanister mit Chemikalien. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ordnete daraufhin eine Hausdurchsuchung an. Daher rückte die Polizei am Nachmittag erneut an. Letztlich konnten zwischen 15 und 20 Kurzwaffen und rund 15 Langwaffen sichergestellt werden. Die genaue Zahl kann derzeit noch nicht beziffert werden, da viele der Waffen in Einzelteile zerlegt waren. Zu den Waffen kamen noch mehrere Kisten Munition, welche laut Polizei ebenfalls noch einer konkreteren Begutachtung bedürfen.

In der für den Durchgangs- und Anliegerverkehr gesperrten Ankoferstraße lief bis in die Dunkelheit ein Notstromaggregat der Feuerwehr. Denn angeblich, so berichteten Nachbarn, war dem etwa 40-jährigen Bewohner schon vor einiger Zeit der Strom abgestellt worden. Die ermittelnden Polizeibeamten machten in Manching nur zwei Aussagen: "Der alleine lebende Mann wurde vorläufig festgenommen." Und, viel wichtiger für die Anwohner: "Es bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für die Nachbarn."

Trotzdem bat einer der Beamten einen in der Dämmerung nach Hause kommenden Nachbarn, dessen Wohnung anschauen zu dürfen. Das Haus, in dem sich dessen Wohnung befindet, steht fast direkt am durchsuchten Haus. Zu keiner Zeit brach aber Hektik aus in der Parallelstraße der Ingolstädter Straße. Polizisten und Feuerwehrler trugen Schutzhandschuhe, aber nicht jeder Feuerwehrler, der vor dem Haus stand, hatte einen Helm auf. "Es ist nicht gefährlich", sagte einer von ihnen.

Bei einem Blick in das hell erleuchtete Haus war zumindest ein Gewehr zu erkennen. Waffen sollen vor Jahren schon einmal in diesem Haus gefunden worden sein, als die Feuerwehr wegen eines Wasserrohrbruches eine Pumpe zum Absaugen im Haus installiert hatte.

Warum der Mann ein Waffenarsenal und die Chemikalien in seinem Haus lagerte, konnte die Polizei noch nicht sagen. Dazu laufen die Ermittlungen. Der 45-Jährige wurde am Abend übrigens wieder freigelassen.