Ingolstadt: Jawort bei Kerzenschein: Simone und Sebastian Dorsch waren am vergangenen Freitagabend die ersten, die sich in besonders romantischer Atmosphäre das Eheversprechen gaben.
Jawort bei Kerzenschein: Simone und Sebastian Dorsch waren am vergangenen Freitagabend die ersten, die sich in besonders romantischer Atmosphäre das Eheversprechen gaben.
Fotografie Andrea
Ingolstadt
Das Alte Rathaus - eine romantische Märchenburg mit von Kerzen erleuchteten Erkern und Kammern und Musik, die sanft aus einem mit Blumenbouquets geschmückten Zimmer dringt. Im tagespolitischen Alltag ist ein solches Ambiente am historischen Amtssitz des Oberbürgermeisters freilich eher unpraktikabel. Am vergangenen Freitagabend jedoch - die Mächtigen der Stadt waren längst aus ihren Amtsstuben entschwunden - bot genau diese Atmosphäre den besonderen Rahmen für die ersten Kerzenscheintrauungen am Standesamt Ingolstadt. Vier Paare nahmen das Angebot wahr. Das Interesse soll aber weit größer gewesen sein, heißt es. Was sich die Stadt hier hat einfallen lassen, könnte - wenn man es wollte - aus Standesbeamten zukünftig also Nachtarbeiter werden lassen. Denn das Vermählen in den Abendstunden hat offensichtlich seinen Reiz.

Manche fliegen nach Las Vegas, um zu heiraten, andere klettern auf Berge oder tauchen ab, um die Ringe zu tauschen. Derart Aufregendes hatten der Polizeihauptkommissar und die Übersetzerin aus dem Gemeindebereich Manching nicht vor, wie sie versichern. Mit dem Heiraten wollten sie aber eigentlich noch bis zum Frühjahr warten. Dann haben sie von der Kerzenscheintrauung gelesen und sich entschlossen, den Termin kurzerhand nach vorn zu verlegen. Mitten hinein in den kühlen Spätherbst. Zusammen sind die beiden schon seit 13 Jahren, wie sie erzählen. "Es ist romantischer und familiärer als bei Tageslicht", sagt Sebastian nach der etwa halbstündigen Zeremonie, zu der auch die engen Familienmitglieder anwesend sind. "Eine schöne Atmosphäre, sehr stimmungsvoll", äußert sich Simone anschließend.

Bei der standesamtlichen Trauung selbst läuft alles so ab, wie es die Vorschriften erfordern - aber ohne elektrisches Licht: Pässe werden geprüft, die zukünftigen Eheleute mit überlegten Worten auf den Lebensbund vorbereitet, Dichterzitate verlesen, Unterschriften geleistet, Jaworte ausgesprochen und - unter den Augen der Trauzeugen - im Kerzenschimmer Ringe angesteckt und Lippen geküsst. Dann ist alles schon wieder vorbei. Auch der Standesbeamte habe seine Arbeit gut gemacht, finden beide. "Er hat sich viel Zeit genommen und die Hektik herausgenommen", sagen sie. Und die war kurz vor Beginn durchaus spürbar.

Ein wenig bürokratisches Regelwerk lässt sich wohl nicht ganz vermeiden, wenn unter Einhaltung eines straffen Zeitplans innerhalb von zwei Stunden vier Paare durchs Trauzimmer geschleust werden müssen. Einige klare Anweisungen durch eine Stadtbedienstete zur besseren Orientierung in den Rathausgängen sorgen schließlich für einen reibungslosen Ablauf, nachdem der offizielle Teil vorüber ist. Die nächsten Heiratswilligen warten schließlich schon. Den Vorgaben korrekt Folge geleistet, darf dann erst außerhalb des Trauzimmers nach Herzenslust beglückwünscht und angestoßen werden. Anschließend verabschieden sich die Frischvermählten ins Wochenende. "In ein Wellnesshotel", verraten sie. Die Kerzenscheintrauung würden sie weiterempfehlen. "Das ist in jedem Fall etwas Besonderes", sagt Simone. Der nächste Termin ist am 8. Dezember von 19 bis 21 Uhr.