Am Mittwoch wurde wieder einmal besonders deutlich, wie viele Typen es unter den kulturbeflissenen Bürgern dieser Stadt eigentlich gibt. Das Russische Nationalballett führte "Schwanensee" auf, im Publikum war eine interessante Mischung aus Pelzmänteln und Schlabberpullis zu entdecken. Aber da wollen wir mal nicht so sein, schließlich ist es schön zu sehen, dass der Kampf zwischen Odette und Odile um den jungen Prinzen auch nach 140 Jahren noch die Herzen so vieler Menschen erwärmt.

Womit wir uns nicht abfinden konnten: Viele der Besucher verwechselten die Ballettaufführung offenbar mit einem Rockkonzert. Okay, das rote Licht beim Auftritt des Zauberers Rotbart in seinem schwarzen Mantel mag vielleicht kurz den Eindruck erweckt haben, Ozzy Osbourne sei auf die Bühne gekommen. Die für Ozzy unmöglich hohen Sprünge des Tänzers sollten dann aber doch das tatsächliche Ereignis in Erinnerung gerufen haben. Trotzdem zückten Dutzende ihre Handys, um Fotos zu schießen - mit Blitz und Auslösegeräusch, wohlgemerkt. Bei der Gelegenheit konnten sie noch schnell ihre Nachrichten beantworten, wie praktisch. Wir warteten nur darauf, dass jemand sein E-Book weiterliest oder das Champions-League-Spiel zwischen Dortmund und Real Madrid streamt.

Peter Tschaikowsky würde sich im Grabe umdrehen, würde er die Handylichter im Zuschauerraum sehen. Aber selbst da würden vermutlich einige schnell ihr Smartphone herauskramen, um ein möglichst verwackeltes Video mit dem wütenden Komponisten auf ihrem Instagram-Profil hochladen zu können.