Schließlich wird ihnen die Schanzer Weise "Ned gstorma mog i über d'Doana!" (Nicht mal tot mag ich über die Donau!) schon an der Wiege gesungen.

Also steuerte der Haunwöhrer an der Ochsenschlacht vorbei und nahm Kurs auf die neue Donaubrücke, weil die alte Donaubrücke saniert wurde, und er die dritte Donaubrücke gar nicht kannte. Leider fand er auf dem Volksfestplatz am Hallenbad Mitte keinen Parkplatz. Vor dem Wienerwald war auch nichts mehr frei. Also stellte er sein Auto auf den Tepaku-Parkplatz. Dann ging er zum Merkur und kaufte sich einige Kurzwaren samt Gardinen (denn so was haben sie im Süden nicht - also zu kaufen jetzt). Mit einem guten Presssack vom Metzger Meixner fuhr der Haunwöhrer wieder heim - froh, diese Stadt hinter sich lassen zu dürfen.

Und jetzt die Preisfrage: In welcher Zeit könnte diese kleine Episode spielen? Es sei gleich verraten: natürlich in der Gegenwart! Denn der Schanzer an sich pflegt ein ganz spezielles Verhältnis zur Namensgebung in seiner Heimatstadt. Er geizt arg damit! Ein Name muss genügen. Für die Ewigkeit. Die 1896 eröffnete Metzgerei Meixner an der Donaustraße heißt seit 20 Jahren anders. Aber viele Ingolstädter - und beileibe nicht nur Senioren! - gehen immer noch zum Meixner.

Oder die Ingolstädter vergeben gar keine Namen. Der Steg über die Donau heißt Donausteg und der Platz vor dem Theater Theatervorplatz. Da sind sie angenehm pragmatisch, die Ingolstädter, dieses ehrliche, fleißige, stolze Volk der Kraftfahrzeugschrauber. In Regensburg heißt der Platz vor dem Theater Bismarckplatz. Da grüßt die Untertanengesellschaft des 19. Jahrhunderts. Dann lieber einen schön geerdeten, basisdemokratischen Theatervorplatz.

Auch auf seinen Brücken ist der typische Schanzer namenstechnisch eigentümlich unterwegs: Die 1952 eröffnete Adenauerbrücke ist für ihn die "alte Donaubrücke", die 1964 eingeweihte Schillerbrücke ist bis heute die "neue Donaubrücke" und die 1998 vollendete Glacisá †brücke die "dritte Donaubrücke". Echte Ingolstädter Logik.

Wer ein ähnliches Heimatbewusstsein pflegt, sollte am morgigen Samstag um 19 Uhr ins Neue Schloss kommen. Da eröffnet der Historische Verein seine Ausstellung "Stadtidentität Ingolstadt". Neubürger haben hier auch die Möglichkeit zu fragen, wo es zum Merkur geht. Oder sie erfahren, dass es unmöglich ist, Ingolstädtern Namen vorzuschreiben. So versuchte unser Stadtrat in den 1970er-Jahren tatsächlich, den Baggersee "Drei-Groschen-See" zu nennen. Keine Chance. Denn für die Ingolstädter ist der Baggersee - wie könnte es anders sein - einfach der Baggersee.