Sie trieben es noch toller: 1966 beschleunigte die FDP mit dem Rückzug ihrer Bundesminister das Ende der Kanzlerschaft Ludwig Erhards, und im Herbst 1982 traten die FDP-Minister Hans-Dietrich Genscher, Otto Graf Lambsdorff, Gerhart Baum und Josef Ertl zurück (kurz bevor Kanzler Helmut Schmidt sie rauswarf), um Helmut Kohl den Weg zu ebnen. Als Konsequenz verlor die FDP damals zwar ein Drittel ihrer Mitglieder, aber die Partei gibt es trotzdem noch - eine Fügung der Geschichte, die Politologen aller Lager primär mit den schicken weißen Hemden erklären, in denen der FDP-Vorsitzende Christian Lindner auf den Wahlplakaten posiert.

Aber um effektvoll-krachend von einem Amt zurücktreten zu können, muss man freilich erst mal eines antreten. Da sind wir auch schon beim FDP-Bundestagskandidaten im Stimmkreis Ingolstadt: Jakob Schäuble. Der junge Akademiker hat jetzt einen Internet-Wahlwerbespot produziert, der Maßstäbe setzt. Da knattert er frohgemut in einem Ape-Minitransporter (3 PS) durchs Land. Also demonstrativ bescheiden. Da war der FDP-Spitzenkandidat Guido Westerwelle im Wahlkampf 2002 mit seinem gefürchteten "Guidomobil" (200 PS, 11 Meter lang) noch ganz anders unterwegs. Schäubles, nun ja, Jakomobil wirkt zwar wie eine rollende Fünfprozenthürde auf drei Rädern, aber er muss mit der Karre ja nicht unbedingt gleich bis Berlin durchkommen.

In dem Video überrascht der FDP-Kandidat mit echten Krachern. Etwa: Er sitzt strahlend am Steuer, derweil aus dem Off ertönt: "Überwachung nur dort, wo es notwendig ist! Nicht, dass wir uns im Alltag mit einer anderen Identität tarnen müssen!" Da hält er sich ein Porträt von Christian Lindner vors Gesicht. Riesengag! Aber im Straßenverkehr bitte nie nachmachen, sonst fährt noch einer vor Schreck in den Graben.

Schnitt. Schäuble reinigt ein Schild am Straßenrand, das Ingolstadts Partnerstädte auflistet. Text: "Europa ist unsere Zukunft. Polieren wir es auf!" Super! Gut, das serbische Kragujevac ist noch nicht in der EU, das schottische Kirkcaldy bald nicht mehr. Beim türkischen Manisa dürfte es wohl noch ein klein wenig dauern mit der EU-Mitgliedschaft, ebenso im Fall der chinesischen Stadt Foshan. Aber Schäuble hat schon recht: einfach Schwamm drüber!