Den muntersten, ja fast aufgekratzten Eindruck macht noch Sepp Mißlbeck, der Älteste von allen, langjähriger Bürgermeister, ehemals Freie Wähler, derzeit UDI. Dem 75-Jährigen ist es zwar nicht gelungen, von der künftigen Rathauskoalition die Zusage für eine weitere Amtszeit als ehrenamtlicher Bürgermeister zu erhalten. Aber aufgrund seiner Verdienste soll Mißlbeck auf Lebenszeit das Nutzungsrecht für einen Dienstwagen aus dem Fuhrpark der Kommunalbetriebe bekommen. Der ihm zustehende Ehrensold wird in Form von Benzingutscheinen ausbezahlt, so hat es die designierte Mitte-Rechts-Stadtregierung in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten.

Nach schweren Verlusten der CSU, FW und SPD bei der Kommunalwahl Anfang des Monats versucht der knapp in seinem Amt bestätigte CSU-Oberbürgermeister Christian Lösel, trotz allem einen zufriedenen Eindruck zu vermitteln, was ihm noch nicht so recht gelingen will. Da man mit Leuten wie Achim Werner (SPD) und Christian Lange (BGI) keine verantwortungsvolle Politik für Ingolstadt gestalten könne, erklärt der alte und neue OB, werde die CSU nunmehr neben dem bewährten, wenn auch kleiner gewordenen Bündnispartner FW das bürgerlich-konservative Spektrum nach rechts abrunden. Dies entspreche dem Wählerwillen, fährt der Rathauschef fort, denn schließlich habe die Sammlungsbewegung "Schanzer gegen Flüchtlinge" (SchaGeFlü) den stärksten Zuwachs für sich verbuchen können. An der christlich-digitalen Grundüberzeugung seiner Partei, versichert Lösel auf Nachfrage der Journalisten, werde dadurch in keiner Weise gerüttelt.

Der neben ihm stehende Landtagsabgeordnete und CSU-Kreisvorsitzende Alfred Grob pflichtet seinem Vorredner bei, schränkt freilich ein, dass er dem ausgehandelten Koalitionsvertrag erst endgültig zustimmen könne, nachdem er am Abend seine Familie gefragt habe. Peter Springl (FW) will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht politisch äußern. Er müsse "erst mal duschen", bittet er um Verständnis. Als von der Presse die Aufforderung an SchaGeFlü-Anführer Ulrich Bannert zu einem kurzen Statement ergeht, betont der langjährige Stadtrat: "Nur wer perfekt die deutsche Sprache sprechen tut vo dene Asylanten, derf bei uns bleiben. Der Rest von dem Gschwerl muss raus aus Bayern!" Kurzes, betretenes Schweigen in der Runde. Doch wer anders als Sepp Mißlbeck wäre geeignet, die Stimmung spontan aufzulockern: Dem Uli Bannert dürfe man das nicht übel nehmen, der meine das gar nicht so, feixt der beliebte Senior - und lädt die Medienvertreter auf "ein Glasl Sekt" in sein Büro ein.