Echte Klassiksnobs kontern mit ganz aktuellen Daten aus der Bundeshauptstadt, wo sich die Nachhallzeiten in der renovierten Staatsoper unter den Linden von 1,1 auf sagenhafte 1,6 Sekunden verlängert haben sollen - und dies mit nur 400 Millionen Euro Investitionsaufwand in sieben Jahren.

In den Herzen besorgter Ingolstädter Musikfreunde aller politischen Schattierungen schien nach einem Pressetermin im Sommer mit Audi-Betriebsrat Klaus Mittermaier erst einmal Ruhe eingekehrt zu sein. Die Akustik des neuen Veranstaltungssaales über der GVZ-Halle B werde eine "Bombe", prophezeite der SPD-Stadtrat, und der Riesenraum sei selbstverständlich auch für hochklassige Konzerte geeignet. Alles andere als ein Premium-Qualitätsanspruch hätte uns von einem führenden Repräsentanten der Audi-Arbeitnehmerschaft auch überrascht. Also kein Notstand, wenn der Stadt während der Theatersanierung die Säle ausgehen?

Nun wird ja in Architektenkreisen nach wie vor die Behauptung verbreitet, dass der weltweit führende Konzertakustiker gar nicht aus Mailing-Feldkirchen kommt, sondern aus Fukuyama, und dass der nicht einmal unter dem Label Audi arbeitet, sondern sich wie zum Hohn den Künstlernamen Yasuhisa Toyota zugelegt hat. Vielleicht ist der Name ja sogar echt, diesem japanischen Konzertsaalguru ist jede Bosheit zuzutrauen! Inzwischen hat die Große Halle des Volkes an der Ettinger Straße ihre erste Bewährungsprobe bei einer Audi-Betriebsversammlung bereits bestanden. Dirigent Peter Mosch soll allerdings, wie man aus dem Ensemble hört, mit dem Repertoire des Audi-Intendanten nicht ganz zufrieden sein.