Nach dem Motto: Das jetzt auch noch! Jetzt wird es aber völlig unglaubwürdig!

Nun kann man den Fernseher zumindest ausschalten. Das reale Leben allerdings lässt sich schlecht ausknipsen. Besonders wenn man als Zuseher mittendrin sitzt, wie jetzt in der Vollversammlung des Stadtrates. Auch hier können regelmäßige Beobachter die Wortmeldungen von gewählten Volksvertretern, die in erster Linie in ihrer eigenen Mission unterwegs sind, auswendig mitsprechen. Warum uns jetzt ausgerechnet Henry Okorafor (ehemals SPD, ehemals Grüne, jetzt parteilos) einfällt, hat mit dem einfallslosen Drehbuchschreiber der Ingolstädter Stadtrats-Seifenoper zu tun. Der einzige Dunkelhäutige in dem Gremium beklagt im Stil eines Leierkastenmannes bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass er als Einzelstadtrat keinen der (finanziell lukrativen) Ausschusssitze bekommt. Dass das ein freiwillig gewähltes Schicksal nach seinem Austritt aus der Fraktion und jetzt der Partei der Grünen ist, müsste in der Henry-TV-Serie natürlich durch Rückblenden eingeführt werden. Er verschweigt es nämlich.

Nicht wie ein Leierkasten, mehr wie an einer Gebetsmühle klingen alle Stadtratskollegen, die unseren Henry regelmäßig und öffentlich aufklären, dass die Geschäftsordnung unmissverständlich und zum Nachlesen vorgibt, wer in welchen Gremien sitzen, reden, abstimmen und vor allem kassieren darf. Bisher hatte das Stadtratsdrehbuch dann vorgesehen, dass die Hauptfigur leider bei dieser wiederkehrenden Erklärung nicht hinhört oder nicht hinhören will. Also mussten sich die Schreiber jetzt etwas Neues einfallen lassen, um die Handlung voranzutreiben: Als eine Art Souffleur trat jetzt Markus Reichhart (FW) auf, der Henry in der Vollversammlung mit gutem Willen über die Geschäftsordnung aufklärte, aber dann noch den Hinweis gab: Als Einzelstadtrat könne man ja auch eine Ausschussgemeinschaft mit anderen Einzelkämpfern bilden. Dann falle vielleicht ein (bezahlter) Ausschusssitz ab.

Zwei einzelne Herren dazu gäbe es: FDP-Mann Karl Ettinger und Ulrich Bannert - bisher Republikaner, jetzt aber parteilos, am Abend der Bundestagswahl aber schon als Großorganisator bei der AfD-Wahlparty gesichtet. In seiner Haushaltsrede nun zog Banner minutenlang über "Gsindel" her, wie er geflohene Menschen bezeichnet. Und zu wem steuert kurz darauf unser Henry mit seinen nigerianischen Wurzeln stehenden Fußes in der Sitzung? Natürlich zu Uli, seinem vielleicht bald neuen besten Freund. Fortsetzung der Stadtrats-Soap folgt.